Bangladesch Teil 6: Die Fabrik unserer Basics

Dieser Beitrag ist Teil 6 von 6 in der Serie GREENALITY GOES BANGLADESH

Tag VII: Unsere Basics

An unserem letzten Tag in Dhaka machten wir uns endlich auf die Reise um dem Produzenten unserer Basic-Kollektion, mit dem wir nun schon seit knapp einem Jahr zusammen arbeiten, einmal ‘live’ bei der Arbeit zuzuschauen und Einblicke in die Produktion zu erhaschen.

Wir wussten zwar, dass dort Kleidung fair und nachhaltig produziert wird, mehr jedoch auch nicht. Aber das änderte sich zum Glück ganz schnell.

Die Fabrik war zwar nicht weit von unserem Hotel entfernt, hat uns jedoch auch wieder einmal aufgrund des miesen Verkehrs über 3 Stunden Anfahrtszeit gekostet.

Empfangen wurden wir dort dann von Rumi, unserem “Mann vor Ort”. Er hatte früher für Fast-Fashion Produzenten gearbeitet und war richtig glücklich nun für ein nachhaltigeres Unternehmen tätig zu sein – sein Optimismus hat uns natürlich auch sehr gefreut!

Markus, der „General Manager“ und Marco

Die gesamte Fabrik besteht aus mehreren Gebäudekomplexen, in denen ganze 10.000 Leute arbeiten. 9.000 davon als Näher*innen. Monatlich werden dort ca. 4,5 Millionen Teile produziert. Diese gehören jedoch zu ganz vielen unterschiedlichen Produzenten. So arbeiten für unseren Produzenten nur etwa 100 Näher*innen.

Da das Unternehmen Mitglied der Fear Wear Foundation ist, haben die Mitarbeiter*innen sogar die Möglichkeit eine Art Betriebsrat zu wählen, welcher die Arbeitnehmer*innen vertreten kann.

Auch in dieser Fabrik gab es wieder die gesetzlich vorgeschriebenen Einrichtungen wie den “Doctors Room”, eine “Breastfeeding Area” und einen “Child Care Room” – in welchem vielleicht gerade mal drei Kinder untergebracht waren. Bisschen seltsam bei 10.000 Mitarbeiter*innen aber aufgrund der trostlosen Einrichtung und den sozio-kulturellen Unterschieden eigentlich auch nicht verwunderlich.

Der „Child Care Room“ sieht wenig einladend aus im Vergleich zu dem Child Care Center
Hier werden Nähfaden und Garn weiter verarbeitet
Zum Beispiel zu Jersey-Stoff für unsere Basics – für uns natürlich mit Biobaumwolle 🙂

Unsere ersten Schritte führten uns in das riesige Lager der Fabrik. Dort wird in erster Linie Garn gelagert. Aus dem Garn werden dann in den Fabrikgebäuden verschiedene Stoffe produziert.

Im Gegensatz zu der ersten Fabrik, die wir besichtigten, fertigt dieses Unternehmen seine Stoffe selbst. Das heißt Stoffe wie Jersey, Webstoff, Sweat, Strick und Co werden allesamt selbst mit hochmodernen Maschinen hergestellt.

Während unserer Tour durch die Fabrikgebäude hatten wir die Gelegenheit alle “Stationen” und Arbeitsschritte genau zu besichtigen. Vorbei also an den Maschinen, die die Stoffe erstellen, konnten wir uns anschauen, wie die Stoffe danach gefärbt und/oder bedruckt werden. Hierfür gibt es Geräte für den Siebdruck, All-Over-Print und Digitalen Druck.

In diesem großen Tank werden die Stoffe gefärbt
Siebdruck
Digitaler Druck
Hier arbeiten die Näher und Näherinnen

Ein Großteil der Fabrik ist natürlich auch mit den Arbeitsplätzen der Näher*innen belegt. Dann gab es auch noch spezielle Stationen zur Qualitätskontrolle und zur Veredelung der Textilien.

In einem spezifisch dafür eingerichteten Labor werden die Farben auf Farbechtheit und Chemikalien überprüft. Zudem gibt es auch noch Chemiker, die einzig und allein dafür angestellt sind um die Werte der Kläranlage zu dokumentieren und an den Staat weiter zu leiten.

Hier werden die Farben geprüft
So wird der vollautomatische Zuschnitt organisiert
Hier werden die Sandsäcke produziert

Ziemlich gut hat uns auch die Maschine für den vollautomatischen Zuschnitt gefallen, welche dafür sorgt, dass so wenig Stoffabfall wie möglich anfällt. Wenn Stoffabfall entsteht, wird dieser jedoch nicht einfach weggeschmissen, sondern zu Sandsäcken weiter verarbeitet. Somit entstehen zuzüglich zu den ganzen Textilien auch noch etwa 10.000 Sandsäcke am Tag, die bei Überschwemmungen zum Einsatz kommen.

Insgesamt hat die Fabrik, wenngleich sie auch schon etwas älter war, einen sehr professionellen und sicheren Eindruck auf uns gemacht. Es gab ausreichend Sicherheitsmaßnahmen, alles war sehr hygienisch und sauber. Die Maschinen waren in einem sehr guten Zustand und die Leute hatten alle einen sehr verantwortungsvollen und kompetenten Eindruck auf uns gemacht.

Der Besitzer der Fabrik selbst hatte sich sogar Zeit genommen um unsere Fragen zu beantworten, sodass das gesamte Unternehmen und die komplette Produktionslinie für uns sehr transparent gewirkt hatte, was wir natürlich richtig gut fanden. Dass wir auf so viel Erklärungen und Einblicke stoßen und sich die Leute einen ganzen Tag Zeit für uns nehmen, wenn wir nur ein “kleiner Abnehmer” der Klamotten sind, hätten wir wirklich nicht erwartet.

Zu Beginn waren die meisten Leute eher etwas zurückhaltend aber tauten dann allmählich auf, sodass wir uns prima miteinander verstanden haben und auch mal ein bisschen zusammen lachen konnten. Besser hätten wir uns das alles wohl wirklich nicht vorstellen können und wir hoffen jetzt natürlich sehr, dass noch mehrere Fabriken diesem Positivbeispiel in der Zukunft folgen werden. Für unsere Basics können wir euch jetzt auf jeden Fall schon mal “grünes Licht” geben – die sind wirklich super! 😉

 

Auch die #changemaker haben ihr Eindrücke verarbeitet. In Form eines tollen Videos, dass ihr auch auf ihrem YouTube Kanal finden könnt.

Tag VIII: Zurück nach Stuttgart

An unserem achten Tag ging es dann zurück Richtung Heimat, die uns bereits sehr fehlte. Wir hatten so viele Dinge gesehen und gehört, dass wir uns sehr auf die Ruhe und Stille daheim, die Möglichkeit alles zu verarbeiten, freuten.

Ein letztes Mal Chaos traf uns noch am Flughafen an, an dem jede Menge los war und wir schon befürchteten nicht mehr pünktlich in den Flieger zu kommen – jedoch machten wir dort die Erfahrung, dass man für nur 10 Dollar einfach von einem Security Guard durch die Sicherheitskontrolle geschickt werden kann…

Somit endete unser Abenteuer genauso willkürlich und chaotisch, wie es begonnen hatte. Die Landung in Deutschland erfolgte jedoch wieder mit angeschnallten Passagieren und andächtiger Stille. Willkommen daheim.

So viele Eindrücke, Erlebnisse und Kontraste
Zeit wieder nach Hause zu fliegen

Die Highlights unseres Abenteuers könnt Ihr Euch auch in unseren Instagram-Story-Highlights anschauen!

Wichtig: Da wir nur einzelne Einblicke bekommen haben und dabei merkten wie unglaublich komplex, die gesamte Situation vor Ort und die gesellschaftlichen Herausforderungen sind, spiegeln unsere Erfahrungen lediglich einen kleinen Teil und unsere persönlichen Erlebnisse wider und haben keinerlei Absolutheitsanspruch!

Die tollen Bilder hat Joshua Krull für uns aufgenommen, danke dafür!

Hier geht es weiter in unserer Serie: << Bangladesch Teil 5: die CARITAS, Kindergärten und Old Dhaka
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