Nachgefragt und Nachgehakt bei recolution

Gründer Jan Thelen und Robert Diekmann
Dieser Beitrag ist Teil 2 von 4 in der Serie Interview Reihe: Nachgefragt & Nachgehakt

Mit unserer neuen Nachgefragt & Nachgehakt- Interviewreihe wollen wir Euch die Marken, die bei GREENALITY vertreten sind, vorstellen und zeigen, wer dahinter steckt.

Heute im Talk mit recolution.

Wer bist Du und was machst Du überhaupt?

Name: Robert Diekmann, Gründer

Marke: recolution

(Haupt)Sitz: Hamburg

Seit wann gibt’s recolution? 2010

Wie viele Mitarbeiter hat recolution? Etwa 20, inklusive Praktikanten und freier Mitarbeiter, die uns regelmäßig unterstützen.

Philosophie: Wear Your Attitude, Do-it-Yourself, Anfangen.
Verantwortung und Macht liegen bei uns. Jeden Tag dafür ans Werk gehen! Jeder kann etwas bewegen. Für einen nachhaltigen Green City Lifestyle.

 

Entweder / Oder:

GOTS oder grüner Knopf? Zum heutigen Stand: GOTS. Der Grüne Knopf ist gut gemeint, aber bislang schlecht gemacht.

Nicht Fliegen oder Flug kompensieren? Bahn fahren und Flüge, die unvermeidbar sind, kompensieren.

HSV oder St Pauli? Braun-Weiß aus tiefstem Herzen. 

Hoodie oder Jogginghose? Hoodie täglich, Jogger ab und zu.

Bio-Baumwolle oder Tencel? Team Organic Cotton.

 

10 Fragen an recolution

Wie kam es zur Gründung von recolution? 

Nach unserem Studium wollten Jan und ich unbedingt etwas Eigenes machen.
Den uns als ehemalige Waldorfschüler innewohnenden Idealismus haben wir dabei
mit unserer persönlichen Leidenschaft für Streetwear verpaart.

Wir beschlossen, einen richtig coolen Lieblingshoodie zu machen – nur besser, weil bio und fair.
Vor 10 Jahren gab es wenig Vergleichbares, wer öko tragen wollte,
musste leider Kompromisse machen in Sachen Style. Und umgekehrt.

 

Wie produziert Ihr Eure Klamotten?

Alle unsere Klamotten werden aus ökologischen Materialien und unter fairen Bedingungen produziert. Sie sind zu 100% vegan, der überwiegende Teil ist GOTS zertifiziert. 

Wir machen zwei Kollektionen pro Jahr, der Großteil davon besteht aus Bio-Baumwolle.
Weitere nachhaltige Materialien die wir verwenden, sind Lyocell (Tencel) oder Leinen.
Ab Sommer 2020 auch Hanf und recyceltes PET. 

Wir achten außerdem auf möglichst kurze Transportwege entlang der gesamten Produktionskette. Alle unsere Produzenten sitzen in Europa – in der Türkei, Portugal, Litauen und Deutschland.

Wir pflegen gute Produzenten Beziehungen, zum Teil schon jahrelang und sind zu jeder neuen Kollektion vor Ort, um uns persönlich ein Bild zu machen.

 

Wie sieht ein typischer Tag bei recolution aus? 

Schwierige Frage, da momentan eigentlich kein Tag ist wie der Andere. Bei uns ist gerade unheimlich viel in Bewegung.

Wir feiern nächstes Jahr 10 jähriges Jubiläum, haben also eine Vorreiterrolle in der Fair Fashion Branche und wollen der auch weiter gerecht werden.

Für 2020 haben wir uns mehrere Unternehmensziele gesetzt, u. a. Plastik- und Klimaneutralität. Und natürlich möchten wir auf eine gesunde Weise weiter wachsen. Dafür gilt es Strukturen zu etablieren bzw. die Bestehenden zu verbessern. Wir schaffen im Team neue Kompetenzen, organisieren Prozesse, treffen Berater und Experten. 

Außerdem stehen wir nie still was neue Projekte angeht. Von daher ist die Konstante: Guter Kaffee.

Was aber trotzdem nie zu kurz kommt: Ein fröhliches Moin, Spaß und Zeit für einen persönlichen Schnack mit den Kollegen.

 

Erzählt Ihr uns was über den Design Prozess bei recolution?

Unser Design-Team entwickelt unsere Kollektionen mit etwa 18 Monaten Vorlauf, aktuell wird an den Styles für Frühjahr/Sommer 2021 gearbeitet. 

Allem voran geht viel Recherche, Kollektions- und Trendanalyse: Welche Farben, Schnitte und Stoffe sind angesagt, wie entwickeln sie sich künftig
– schließlich wollen wir keine Fast Fashion Trends bedienen, sondern zeitlose Lieblingsstücke kreieren. 

Was sind innovative nachhaltige Materialien, um welche neuen Styles und Produkte können wir unser Sortiment sinnvoll erweitern? Was kam in der Vergangenheit bei unseren Kunden gut an und was muss unbedingt wiederkommen? Stoffe, Accessoires, Prints – alles wird sorgfältig ausgewählt. 

Nebenbei ganz viel Kalkulation: Mindestabnahmemengen, Preise, Margen. Schließlich geben wir beim Produzenten eine Musterkollektion in Auftrag. 

Die Prototypen werden von unserem Design-Team vermessen, auf den perfekten Sitz getestet und gegebenenfalls korrigiert. Mit der fertigen Musterkollektion geht’s dann auf die Messe, wo unsere Händler etwa sechs Monate vor Saisonstart ihre Lieblingsstyles ordern können.
Diese Ordermengen entscheiden mit, welche Styles überhaupt produziert und in der neuen Kollektion zu finden sein werden. Die geht dann ein halbes Jahr später in unserem Online Shop live. 

Natürlich passieren aber noch total viele Sachen parallel – das Ganze findet ja zeitversetzt für mehrere Kollektionen statt.

Außerdem haben wir immer wieder Limited Editions und entwickeln nachhaltigen Merchandising für andere Unternehmen. Da sind also ganz schön viele Bälle gleichzeitig in der Luft …

Wie und wo tankt Ihr wieder Kraft? Lieblingsfreizeit-Beschäftigungen/ Ausgleich etc.

Wir haben das Glück, dass wir seit 10 Jahren mit recolution genau das tun, was wir lieben.
So können wir aus der täglichen Arbeit selbst wieder viel Kraft und Motivation ziehen, weil wir wissen, warum wir das Ganze machen!

Wenn wir mal nicht bei der Arbeit sind, tanken wir Kraft mit unseren Familien.
Wir beide haben jeweils zwei Kinder und es macht viel Freude, mit den kleinen Menschen gemeinsam die Welt noch einmal neu zu entdecken. 

Und wir gehen regelmäßig ins Stadion wenn St. Pauli spielt, da treffen wir uns mit vielen alten Freunden und trinken gemeinsam ein paar Bierchen.

 

Was ist Eure größte Inspiration?

Hinsichtlich unserer Kollektion ziehen wir viel Inspiration aus der Beobachtung unserer Umgebung und Mitmenschen. Was sind die Kleidungsstücke die diese tragen, wie werden diese kombiniert und wie ist ihr Style insgesamt? Wie sehen die perfekten Teile aus und welche Attribute haben sie, damit man mit ihnen sowohl zur Arbeit gehen kann, sich aber auch in der Freizeit wohl fühlt?

Wir haben nicht den Anspruch eine modische Vorreiterrolle einzunehmen, sondern möchten nah am Kunden sein und ihm die perfekten Basics für den Alltag anbieten.

 

Wie grün ist die Modebranche aktuell? Was haltet Ihr für die nächsten wichtigen Schritte der Szene?

Noch immer werden weniger als 1 % der in Deutschland verkauften Textilien nachhaltig produziert. Die Textilindustrie ist der zweitgrößte Umweltverschmutzer der Welt und verursacht mehr CO2 als alle internationalen Flüge und Kreuzfahrten zusammen – also kann von grün noch immer keine Rede sein. 

Positiv ist, dass das Verbraucherbewusstsein wächst und immer mehr grüne Labels auf den Markt kommen. 2011 lag der Umsatz mit Fair Fashion in Deutschland bei 16 Mio. Euro, 2018 waren es 146 Mio Euro. 

Dieses Potential haben auch die großen Konzerne erkannt, was leider eine große Greenwashing-Gefahr birgt. Daher ist der nächste wichtige politische Schritt, aus dem Grünen Knopf ein starkes, staatliches Siegel zu machen, das für Konsumenten Vertrauen und Transparenz schafft und die Unternehmen in die Pflicht nimmt. 

In der sich öffnenden Fair-Fashion-Nische sind wir Labels miteinander gut vernetzt. Hier treffen sich Menschen mit gleichem Mindset, die etwas bewegen wollen. Kollaboration ist das Gebot der Stunde. Einfach anfangen, selber machen, für gemeinschaftliche Ziele einstehen. 

Kreislaufdenken muss sich auch bei den großen Playern durchsetzen. Dafür braucht es aber politische Regularien.

 

Euer persönlicher grüner Weltverbesserungs-Tipp No. 1?

Einfach anfangen – jeder Schritt zählt.

Die Welt zu verbessern ist allerdings sehr komplex, alleine in seinem privaten Alltag kann man an unglaublich vielen verschiedenen Punkten ansetzen. Wenn man sich dann intensiver mit den einzelnen Punkten beschäftigt, entdeckt man meist noch viele weitere Facetten und stößt auf neue Fragen.  Diesen nachzugehen ist wichtig, man darf aber auf der anderen Seite nicht vergessen, sich auf den Weg zu machen.

Auch wenn man zu Beginn noch nicht die 100 % Lösung gefunden hat. Jeder Schritt zählt.

 

Habt Ihr Hamburg Geheimtipps?

Hamburg ist sehr facettenreich und hat allerhand zu bieten, am besten man lässt sich einfach vom Stadtleben treiben. Wenn möglich, sollte man natürlich unbedingt ein Heimspiel des FC St. Pauli besuchen.

Und statt der klassischen Hafenrundfahrt kann ich das schwimmende Tanzcafé „Frau Hedi“ empfehlen. Hier wird getanzt, gefeiert und durch die Wellen des Hafens geschunkelt. Das ist auf jeden Fall ein tolles Erlebnis!

 

Wenn Ihr einen Wunsch frei hättet, was würdet Ihr Euch wünschen?

Wenn wir unseren bisherigen Weg betrachten, hat sich unsere Definition stark erweitert, was ein nachhaltigeres Leben eigentlich bedeutet und was wir uns für die Zukunft wünschen. 

Recolution ist eine Bekleidungsfirma, aber wir wollen dort nicht Halt machen. Wir sind Stadtmenschen – wir sind Teil einer Kultur, die in großstädtischen Zentren stattfindet.
Diese Umgebungen machen uns entweder 
krank und einsam, oder sie können uns helfen, mit Gleichgesinnten zusammen zu wachsen und zu gedeihen.

Im Kleinen unsere Schritte zu setzen, aber auch das große Ganze zu sehen, war von Beginn an unsere Haltung. Wir möchten diese Verantwortung jetzt noch ernster nehmen und Plattformen bieten rund um das Thema Greener Cities und einen sinnvolleren Lifestyle in unseren modernen Großstädten. Es passiert im Moment viel, um diese Gesellschaft besser zu machen – genau hier, genau jetzt. Wir möchten über die Zukunft von Fashion reden, Urban Gardening und Vertical Farming, die smarte Nutzung von Technologie und über fundamental andere Konzepte zu Architektur und Stadtplanung.

Wir sind überzeugt, dass es mehr und mehr Leute gibt, die sich wirklich mit anderen zusammen schalten wollen, weil sie an das Gleiche glauben. Leute, die bereit sind, für einen neuen Lebensstil zu arbeiten, der auf Vertrauen und dem ernst gemeinten Willen beruht, das Richtige zu tun. 

2050 werden 75 % der Menschen in Städten leben und wir wünschen uns, dass sich die Städte den Bedürfnissen der Menschen anpassen und nicht andersrum.

 

Was sind Eure drei Lieblingsteile aus dem GREENALITY Shop?

Die Cedar Boots in brown von unseren Freunden von Ekn (auf der Suche nach einem nachhaltigen Winterschuh). 
Die Heart Stud Earrings von People Tree als Weihnachstgeschenkidee für meine Freundin.
 
Und die schwarze Classic Sweatjacke aus dickem Waffle-Fabric von recolution. 😉 

 

Was Ihr noch loswerden wollt: Eure letzten Worte

Für uns geht ein sehr spannendes Jahr zu Ende. Wir bringen Urbanität, Nachhaltigkeit und Kreislaufdenken zusammen. 

Danke an alle, die uns 2019 – oder noch länger – dabei unterstützt haben! Durch Eure Entscheidung, bewusster und besser einzukaufen, seid Ihr Teil der Lösung!

Und natürlich vielen Dank für dieses nette Interview, sowie die wunderbare Zusammenarbeit mit Euch!

Wer jetzt richtig Bock auf recolution bekommen hat, findet bei uns die Classic Sweatjacke von recolution und viele weitere Klamotten der Marke.

Vielen Dank Robert, dass Du Dir für uns Zeit genommen hast!

Foto Credits: © recolution.de

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