Wohnen in Containern: Ein hipper Lifestyle hat seinen Preis

Schwimmteiche und Urban Gardening. Das „coolste Studentenwohnheim“ Deutschlands besteht ganz zeitgemäß aus Containern und hat seinen Preis.

411 Hochseecontainer stehen auf einem riesigen Gelände im Stadtteil Berlin Treptow und bilden zusammen Deutschlands trendigstes Studentenwohnheim. Im Oktober ziehen die ersten Studenten ein.

Der private Investor Jörg Duske wirbt in allen Medien für sein Containerdorf für Studenten, EBA51. Immerhin muss die Kohle wieder reinkommen. 13,5 Millionen Euro hat er investiert. Ein Container hat ihn rund 2000 Euro gekostet.

Teures Dauercampen

Die einzelnen Container werden nicht direkt aufeinandergestellt, damit sich die Schwingungen nicht übertragen und die Container sind wärme- und schallisoliert. Trotz allem hat so ein Container immer etwas von Camping.

Der Trend, Container in Wohnraum umzuwandeln greift momentan um sich. „Lego für Architekten“ wird es auch gerne genannt. Das Sinnbild unserer unserer globalisierten, beweglichen, nomadischen Zeit.

Es ist nachhaltig, wiederabbaubar und billig – eigentlich. Im Berliner EBA51 kostet ein möblierter Container immerhin stolze 398 Euro im Monat. Also eher was für reiche Kids.

„Cooles“, studentisches Wohnen wird es da vermutlich nicht geben. Zumal sich das meist durch die Kreativität der BewohnerInnen auszeichnet und nicht durch die des Vermieters.

Urban Gardening (also quasi Beete mit Pflanzen drin.), Gemeinschaftsküchen, Terassen, ein Volleyballplatz und ein Pool. 160 Vormerkungen hat Duske für die ersten 15 Container, die nun bezugsbereit sind.

Der Investor wirbt für sein Projekt.

Ein hippen Lifestyle zum Mieten

Container-Architektur ist eine coole Sache (auch wenn das Wort „cool“ für mich nach diesem Video eine andere Bedeutung hat). Gerade, wenn es um Notunterkünfte geht oder so. Lustig wird es doch nur, wenn Menschen anfangen, viel Geld dafür zu zahlen, um in einem Container wohnen zu dürfen.

Sie zahlen für den „Flair“. Den bekommen sie aber längst nicht in einem künstlich angelegten Containerdorf, in dem nur wohlhabende Studierende wohnen. 398 Euro für eine 26qm-Einzimmerwohnung sind in Berlin dann angemessen, wenn sie in einem sanierten Altbau ist und in einem Viertel liegt, das als Szeneviertel bezeichnet wird.

Wer die Kohle für einen Container rausschmeißt, hat offensichtlich zu viel davon. Zugegeben, das hört sich schon cool an alles. Mit dem Pool auch und so.

Und die Idee wäre auch hammer. Wenn sie von ein paar Studenten kommen würde, die sich zusammengetan haben und ihre eigene kleine Wagenburg aus Hochseecontainern errichten würden. So entsteht etwas. Das ist kreativ.

Und es kann gut sein, dass Container die Zukunft sind. Wenn es in Großstädten immer weniger Wohnraum gibt, wäre das die logische Konsequenz. Hab ich auch nix gegen, ich finde auch, dass das cool aussieht.

Aber etwas Urbanes und Hippes kann nur entstehen, wenn es sich alle leisten können. So entstehen auch Szeneviertel. Sie entstehen nie da, wo die Kohle ist. Sowas kann nicht erzwungen werden. Auch nicht wenn man die Container „ganz natürlich“ rosten lässt und im Voraus angelegte Blumenbeete als Urban Gardening bezeichnet.

 

Credits: Titelbild: „shipping containers“ von steve gibson, Lizenz: CC BY 2.0

 

 

 

 

 

 

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2 Comments

  • Ich finde wohnen im Container nicht gerade Hipp, aber das ist ja nur meine Meinung. Viel mehr sehe ich Container als ein Mittel gegen hohe Mieten und Obdachlosigkeit. Wenn man die Wohncontainer noch weiter verbessern könnte und die Annäherung an das Wohngefühl einer Wohnung immer mehr angeblichen könnte, würden sie nicht nur preislich vor einem Durchbruch stehen.

  • Ist ja echt schräg – klar das sowas aus Berlin kommt 🙂 Gibt es mittlerweile Erfahrungsberichte? 2014 ist ja jetzt auch schon ein paar Jahre her. Preis ist aber echt happig – das war zur Miete oder zum Kauf?

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