Wie fair ist Wolle wirklich?

Gerade jetzt in der Winterzeit gibt es kaum etwas, das uns so wärmt und in das wir uns so gerne einkuscheln wie in Bekleidung aus Wolle. Warum auch nicht? Als natürlich nachwachsender und umweltfreundlicher Rohstoff vermittelt Wolle ein besonders nachhaltiges und grünes Image. Die Bedingungen unter denen die Wolle allerdings gewonnen wird, sind oft weit entfernt von der idyllischen Vorstellung eines friedlich grasenden Schafes auf der Weide, das einmal im Jahr zur Schur gebracht wird.

Schon seit Jahrtausenden wird Wolle vom Menschen zur Bekleidungsherstellung genutzt, denn Wolle weist Eigenschaften auf, die in ihrer Vielfaltigkeit so beinahe einzigartig sind.

Wolle

Eigenschaften von Wolle:

  • Natürliche Thermoisolationseigenschaften (wärmt den Körper bei Kälte und kühlt in bei Wärme)
  • Speichert Körperwärme
  • Wolle riecht nach kurzer Zeit an frischer Luft wieder neutral und frisch
  • Nimmt kaum Schmutz auf
  • Knittert wenig (quasi bügelfrei)
  • Atmungsaktiv
  • Schwer entflammbar
  • Farbbeständig
  • Kann Schweiß chemisch binden und lange neutralisieren
  • kann bis zu einem Drittel ihres Trockengewichtes an Wasser aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen

Schafherde

Jährlich werden über 2 Mio. Tonnen Wolle produziert. Die größten Wolllieferanten für die Textilindustrie sind Australien und Neuseeland. Deutsche Wolle hingegen wird kaum für Bekleidungsherstellung genutzt, da sie viel gröbere Fasern als die australische Merinowolle aufweist.

Das Leid der Schafe bei der Schur

Ein Schaf kann pro Schur ungefähr 3-5 kg Wolle liefern, dies hängt allerdings sowohl von Rasse als auch Größe ab. Bei hochgezüchteten Schafrassen können es sogar bis zu 10kg sein. Die Schur der Schafe findet einmal pro Jahr im Frühling statt und dient nicht nur der Rohstoffgewinnung, sondern auch dazu, das Schaf in den darauffolgenden heißen Sommermonaten vor Überhitzung zu bewahren.

Oftmals wächst das Fell über die Wintermonate durch Überzüchtung allerding so dick, dass im Frühjahr nur wenige Tage zur Schur der gesamten Schafsherde bleiben. Dies führt dazu, dass die Scherer unter großem Zeitdruck stehen, sehr unvorsichtig sind und kaum auf das einzelne Schaf achten. Hinzu kommt, dass man die Scherer nach Kilo an geschorener Wolle und nicht nach Stunde bezahlt werden.

Durch diese schnelle und oftmals auch gewalttätige Arbeit, kommt es bei den Schafen nicht selten zu schweren Verletzungen und Schnittwunden, die hinterher – wenn überhaupt behandelt – notdürftig ohne jede Schmerzmittel wieder zugenäht werden.

Schafe sind Beutetiere, was bedeutet, dass sie in panische Angst verfallen, wenn man sie zur Schur fixiert. In einem von PETA heimlich gedrehten Video aus Schaffarmen in Australien und den USA wird gezeigt, dass sobald sich die friedlichen Schafe zur Wehr setzen auf sie eingeprügelt wird, teilweise bis zu deren Tod. Dies alles passiert direkt vor den Augen der Artgenossen.

Schaf

Sieht so eine artgerechte Tierhaltung aus?

Es ist ebenfalls nicht unüblich den Schafen am Tag vor der Schur weder Nahrung noch Wasser zu geben, um sie so zusätzlich zu schwächen. So ist es kein Wunder, dass bis zu 70 Prozent der Schafe auf australischen Woll-Farmen schon vor ihrer Schlachtung oder ihrem natürlichen Ableben sterben.

Können die Schafe nicht mehr genug Wolle liefern, werden sie farblich markiert und auf engstem Raum und unter schlechten Bedingungen per Schiff in den Nahen Osten oder nach Nordafrika gebracht, wo die Tiere, die die Reise überleben, ohne jegliche Betäubung geschlachtet werden.

Auch das sonstige Leben der Schafe in Schaffarmen für die Wollproduktion ist keineswegs idyllisch. Häufig leben die Schafe in viel zu großen Herden, was bedeutet sie haben zu wenig Platz, nicht ausreichend Nahrung und Wasser.

Was ist Mulesing?

Besonders bei Schaffarmen in Australien wird das sogenannte Mulesing noch sehr häufig angewendet. Dabei werden jungen Merinolämmern ohne Betäubung große Haut- und Fleischstücke im Bereich der Schenkel und des Schwanzes geschnitten, um einen Fliegenbefall zu verhindern. International wird das Mulesing ohne Betäubung von vielen Tierschützern als inhuman und unnötig beurteilt und ist in Deutschland verboten. Auch in Australien und Neuseeland wurde der Versuch unternommen, diese Technik zu unterbinden, allerdings scheiterte man am Einfluss der Wollfarmer, die das Mulesing als zu wirtschaftlich beurteilten.

© Video by armedangles

Wie geht nun aber faire Wollproduktion?

Bedeutet all das jetzt, dass wir komplett auf Textilien aus Wolle oder mit Wollanteil verzichten sollten? Nein! Gerade das Video von Armedangles zeigt, dass Wollproduktion und Schafhaltung auch anders geht. Auch andere Marken stehen für eine faire Wollproduktion, unter anderem zum Beispiel, Patagonia und Lanius. Allerdings ist es extrem wichtig beim Einkauf auf das Etikett und die Zertifizierung zu achten.

KbT (=kontrolliert biologische Tierhaltung) zum Beispiel ist ein Zeichen dafür, dass es sich um Wolle aus artgerechter Tierhaltung handelt. Auch gentechnisch veränderte Futtermittel und Tiermehl sind bei der kbT Zertifizierung verboten. Ebenso ist das leidvolle Mulesing untersagt.  Grundsätzlich muss ein Textilprodukt mit der Kennzeichnung kbT aus mindestens 95 % Bio-Fasern bestehen.

Ein weiteres Zertifikat ist das GOTS Zertifikat, welches einen Anteil von mindestens 70% kbT- Wolle für Wollbekleidung vorschreibt. Die übrigen Fasern können Baumwolle oder Leinen sein, allerdings keine Merinowolle aus konventioneller Erzeugung. Auch Wolle, die aus Südamerika, Südafrika oder Europa stammt ist Mulesing frei.

 

Unser Tipp: Bei Wollprodukten immer auf das Etikett achten! Notfalls fragst Du, ob es sich dabei um Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung handelt. Nur so kannst Du sichergehen, das Leid der Schafe nicht weiter zu unterstützten! Auch bei uns im Online Shop kannst Du fair produzierte Wollpullover für Damen und Herren, sowie weitere tolle nachhaltige Alternativen finden.

Foto Credits ©: Pexels

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