Wenn Landwirtschaft gerecht wäre: 2000 m² für Jeden

Rein rechnerisch stünden jedem Menschen auf der Welt 2000 m² Ackerland zur Verfügung. Ein Projekt in Berlin soll das veranschaulichen.

Wir sind zwar momentan schon gut sieben Milliarden Menschen auf der Erde, allerdings haben wir auch 1,4 Milliarden Hektar Ackerfläche. Nur Ackerfläche. Wenn man diesen Betrag durch die Zahl der ErdenbewohnerInnen teilt, ergibt das 2000 m² pro Kopf.

Auf dieser Fläche könnte dann jeder Mensch alles anbauen, was er zum Leben braucht. Das sind nicht nur Lebensmittel, sondern auch Baumwolle, Tabak, Bio-Diesel und Bio-Gas.

2000 m² für jeden

Etwa ein Drittel eines Fußballfeldes stünde jedem Menschen rein theoretisch zur Verfügung, wenn Ackerland gerecht aufgeteilt würde. Pro Jahr könnten auf dieser Fläche 15 Tonnen Tomaten, 8,5 Tonnen Kartoffeln oder eine halbe Tonne Soja wachsen.

Im wahren Leben sieht das natürlich anders aus. Die reichen Industriestaaten (also unter anderem wir) verbrauchen den Großteil von Ackerfläche für sich. Vor allem für Fleisch. Denn Tierhaltung braucht am meisten Platz.

Innerhalb der EU hätten jeder Bürger und jede Bürgerin sogar über 2000 m² Ackerfläche zur eigenen Bepflanzung. Und die europäischen Äcker sind was Klima, Wasser und Bodenfruchtbarkeit angeht besser als die meisten Äcker der Welt.

Das ist uns aber egal. 48,99 Mio. Hektar Ackerland werden für die Agrarprodukte gebraucht, die wir in die EU importieren. Das sind auf eine Person runtergerechnet 700 m², die wir den Menschen in anderen Ländern pro Kopf rauben.

Dreiviertel davon werden für den Anbau von Futtermitteln genutzt, vor allem in Latein- und Nordamerika sowie Asien. Riesige Monokulturen mit hohem Pestizideinsatz, die weder eine Heimat für Tiere darstellen, noch den Menschen, die  vor Ort leben, einen Nutzen bringen. Im Gegenteil.

Der Weltacker

Hätte, hätte Fahrradkrette, würde manch eine/r nun dazu sagen. Theorie und Praxis haben nun mal leider meistens wenig miteinander zu tun. Leider ist es nicht möglich, das Ackerland gerecht auf jeden Menschen dieser Welt zu verteilen.

Allerdings wurde von verschiedenen NGOs nun ein Projekt ins Leben gerufen, das uns helfen soll, eine Vorstellung davon zu bekommen, was 2000 m² bedeuten könnten. Und das ist doch schonmal ein kleiner Schritt in Richtung Praxis…

„2000 m²“ nennt sich das Projekt. Und der Name ist Programm. Ein Acker in der Nähe von Berlin mit 2000 m² Fläche wird exemplarisch bewirtschaftet.

Hier ein Video vom Weltacker an der Havel, um mal ein Gespür für die Größe zu bekommen

2014 ging es darum, auf diesem einen Acker alles im gleichen Verhältnis wie auf den 14 Milliarden Hektar globaler Ackerfläche anzupflanzen: über die Hälfte Getreide und nur zehn Prozent Gemüse und Obst. Dazwischen Ölsaaten, Fasern, Erdfrüchte, Zucker, Gewürze und Drogen.

Dieses Jahr startet das neue Experiment: Ein Mensch wird sich ein Jahr lang von dem Weltacker ernähren, vegetarisch natürlich, und auch zusätzlich viele Menschen bewirten. Denn rechnerisch gesehen, sollte es möglich sein 1,8 Menschen mit einem solchen Acker zu ernähren.

Mit dem Überschuss kann getauscht werden. Immerhin gibt es ja auch Dinge, die in Berlin so nicht angebaut werden können, wie zum Beispiel Kaffee oder Pfeffer. Ein Koch und eine Gärtnerin betreuen das Projekt. Am  25. & 26. April von 10 bis 16 Uhr findet die Eröffnung des diesjährigen Weltackers statt.

Das Interessante an diesem Weltacker ist sicherlich auch das Pädagogische, dass Landwirtschaft erlebbar gemacht wird und so. Das ist für mich persönlich allerdings mittelspannend.

Cool ist doch, dass gezeigt werden kann, dass wir weder Gentechnik noch irgendwelche abgefahrenen Zuchtarten bräuchten, um alle Menschen auf  dieser Welt ernähren zu können. Wir müssten nur das Land fair verteilen. Ein fetter Mittelfinger für Monsanto und alle anderen Saatgut-Monopolisten!

Unterstützen könnt ihr das Projekt übrigens mit einer Ackerpatenschaft.

 

Credits: Bild von 2000m2.eu

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