GOTS (Global Organic Textile Standard)

Der Global Organic Textile Standard, kurz GOTS, ist schon längst kein Unbekannter mehr, zumindest nicht für diejenigen, die sich im Fair Fashion Markt bewegen. Schließlich gibt es diesen bereits seit 2006 und im Januar 2017 gab es bereits mehr als 4.600 GOTS-zertifizierte Einrichtungen, bei denen über 1,4 Millionen Menschen arbeiten.

Für einige ist der Textil Standard aber immer noch ein großes Fragezeichen und es gibt immer wieder Unklarheiten und für uns deshalb Nachholbedarf beim Erklären dieses Siegels. Außerdem bleibt auch GOTS nicht stehen und entwickelt sich immer weiter. So gab es erst zum 1. März 2017 ein Upgrade auf die GOTS Version 5.0, drei Jahre nach der Veröffentlichung der letzten Version. Ein Grund mehr für uns, tiefer in die Materie einzutauchen und unser Wissen mit Euch zu teilen.

Was ist GOTS?

An dieser Stelle können wir gut und gerne Wikipedia zitieren, da dies auch die allgemeine Definition von GOTS selber ist: „Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist ein weltweit gültiger Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. Er definiert umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette sowie Sozialkriterien. Die Qualitätssicherung erfolgt durch unabhängige Zertifizierung der gesamten Textillieferkette.“

In unseren Worten ausgedrückt: GOTS ist einerseits eine Zertifizierung, die Unternehmen für ihre biologische Textilproduktion erhalten können. Andererseits ist es auch ein Siegel, mit dem Textilien bzw. Kleidungsstücke ausgezeichnet werden, die zum größten Teil aus Naturtextilien bestehen und bei deren Produktion bestimmte Umwelt- und Sozialkriterien eingehalten wurden, die vom GOTS definiert werden. Die Einhaltung dieser Kriterien wird regelmäßig durch angekündigte oder auch nicht angekündigte Audits überprüft.

Die wichtigsten GOTS Kriterien

Die Kriterien werden von der internationalen Arbeitsgruppe festgelegt, die aus den vier Mitgliederorganisationen OTA (USA), IVN (Deutschland), Soil Association (GB) und JOCA (Japan) sowie weiteren internationalen Stakeholder-Organisationen und Experten besteht.

Damit Dein Shirt das GOTS-Siegel tragen darf, müssen alle definierten Kriterien eingehalten werden und zwar über die komplette Produktionskette hinweg: Herstellung, Konfektion, Verpackung, Kennzeichnung, Handel und Vertrieb. Das heißt, dass jeder Mitspieler sich von GOTS zertifizieren lassen muss.

Zertifiziert werden Garne, Stoffe, Bekleidung, Heimtextilien und andere Textil-Produkte, die aus mindestens 70% kontrolliert biologisch erzeugten Naturfasern bestehen. Wenn das der Fall ist, findest Du am Produkt die Kennzeichnung „hergestellt aus x% kbA/kbT Fasern“.  Ein Produkt mit der GOTS-Kennzeichnung „Bio“ bzw. „kbA/kbT“ muss mindestens 95% kontrolliert biologisch erzeugte Fasern enthalten.

Die wichtigsten Umwelt- und Sozialkriterien bei der Herstellung und Konfektion haben wir hier für Dich zusammengefasst:

Umweltkriterien

  • Alle chemischen Zusätze (z.B. Farbstoffe, Hilfsmittel und Prozesschemikalien) müssen vor dem Einsatz geprüft werden und die Grundanforderungen bezüglich Toxizität und biologischer Abbaubarkeit erfüllen.
  • Verbot problematischer Zusätze, wie z. B. toxische Schwermetalle, Formaldehyd, aromatische Lösungsmittel, genetisch veränderte Organismen (GVO) und deren Enzyme.
  • Bleichmittel müssen auf Sauerstoff basieren (keine Chlorbleiche)
  • Ätzdruckverfahren, die aromatische Lösungsmittelenthalten und Plastisol-Druckverfahren, die Phthalate und PVC verwenden, sind verboten.
  • Es gelten Beschränkungen für Accessoires (z.B. Ausschluss von PVC, Nickel oder Chrom)
  • Alle Betriebe müssen über ein eigenes Umweltschutzprogramm mit Zielvorgaben und -verfahren verfügen, um Abfälle und Abwässer zu minimieren.
  • Das Verpackungsmaterial darf kein PVC enthalten. Alle aus Papier oder Pappe bestehenden Verpackungsmaterialien, Hängeetiketten, Banderolen, etc. müssen entweder gemäß FSC oder PEFC zertifiziert oder recycelt sein.

Soziale Kriterien

Die sozialen Kriterien basieren auf der Grundlage der Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO):

  • Freie Wahl der Beschäftigung – keine Zwangsarbeit
  • Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen
  • Arbeitsschutz: Die Arbeitsbedingungen sind sicher und hygienisch
  • Verbot von Kinderarbeit
  • Mindestlohn
  • Keine übermäßige Arbeitszeit, Einhaltung der Ruhezeit
  • Keine Diskriminierung
  • Verbot von grober oder inhumaner Behandlung

Falls Du Interesse am vollständigen Kriterienkatalog und ausführlicheren Infos hast, dann kannst Du hier die aktuelle GOTS Version 5.0 runterladen.

GOTS und GREENALITY

Wir haben nicht nur den Anfangsbuchstaben mit dem Standard gemeinsam, sondern verfolgen auch die gleiche Vision: Eine Welt, in der fair und nachhaltig hergestellte Bekleidung keine Besonderheit, sondern eine Selbstverständlichkeit ist. Eine Welt, in der die Menschen, die unsere Lieblingsanziehsachen mit ihren Händen erschaffen, nicht hungern müssen, einen gerechten Lohn erhalten und ein Leben in Würde leben können. Eine Welt, in der Tiere und Natur nicht darunter leiden müssen, dass wir in unserer heutigen Konsumgesellschaft ein modisches Kleidungstück nach dem anderen haben wollen.

Allein vom Kauf GOTS-zertifizierter Bekleidung oder Accessoires kann man die oben beschriebene Wunsch-Welt nicht herbeikaufen, aber man trägt Stück für Stück zu einer Veränderung und Entwicklung bei. Deshalb achten auch wir beim Einkauf unserer Waren darauf, wo die Marken ihre Produkte produzieren lassen und arbeiten deshalb mit GOTS-zertifizierten Modeunternehmen wie Armedangels, Lanius Köln oder Recolution.

Tatsächlich sind aber nicht alle Marken zertifiziert, wofür es unterschiedliche Gründe gibt. Denn viele junge Labels, die auf die Kriterien von GOTS achten, haben die Zertifizierung, die auch nicht umsonst ist, einfach noch nicht. Es gibt aber auch Modeunternehmen, denen der Standard in manchen Punkten nicht weit genug geht. Zum Beispiel enthält dieser keine Kriterien für Leder- und Fellprodukte, was nicht nur für vegane Labels dringend in den Kriterienkatalog aufgenommen werden sollte. Manche Marken legen hingegen ihren Fokus auf höhere Sozialstandards und arbeiten mit der Fair Wear Foundation zusammen, wie zum Beispiel Picture oder Nudie Jeans.

Aus welchen Gründen auch immer ein Produkt bei GREENALITY das GOTS-Siegel nicht tragen sollte, könnt Ihr Euch trotzdem sicher sein, dass dieses aus einer fairen und nachhaltigen Produktion stammt.

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