Wie unterscheiden sich vegane, tierversuchsfreie & Naturkosmetik?

Naturkosmetik ist pflanzliche Kosmetik, deshalb ist sie auch vegan. Vegane Kosmetik ist automatisch auch tierversuchsfrei, schließlich entspringt beides derselben Wertvorstellung.
Irrtümer wie diese sind nicht selten, dabei sind Naturkosmetik, vegane Kosmetik und tierversuchsfreie Kosmetik zunächst einmal drei komplett unterschiedliche Bereiche. Es kommt natürlich vor, dass Kosmetik zwei oder drei der Bereiche beinhaltet, die einzelnen Begriffe garantieren jedoch keinen der anderen.

Naturkosmetik

Neben pflanzlichen Rohstoffen enthält Naturkosmetik auch Tierprodukte wie etwa Milch, Eier oder Honig. Diese Stoffe werden als natürliche Rohstoffe zusammengefasst. Naturkosmetik ist also nicht zwingend vegan. Erlaubt sind die von Tieren produzierten Stoffe. Verboten sind jedoch Rohstoffe aus toten Wirbeltieren wie etwa tierische Fette oder Frischzellen. Rohstoffe aus wirbellosen Tieren sind nicht ausgeschlossen.

Siegel:
Viele Unternehmen denken sich als Marketingstrategie ein eigenes Siegel aus, welches den Produkten ein „grünes“ Image verleihen soll. Andere verwenden im Namen Wörter wie „ökologisch“, „bio“ oder „natürlich“, was jedoch nicht gewährleistet, dass alle Inhaltsstoffe Bio- oder Naturprodukte sind. Nicht selten trifft dies nur auf einen sehr geringen Anteil zu, die restlichen Inhaltsstoffe sind chemisch. Es ist also gut, die Natursiegel zu kennen, die auch wirklich Naturkosmetik garantieren. Da es inzwischen sehr viele Naturkosmetiksiegel gibt, habe ich die Auswahl auf die wichtigsten begrenzt. Neben ihnen gibt es noch die Siegel Naturland, Demeter, CSE, Lacon, Austria Natur Kosmetik, ICEA, EcoControl, NCS und das EU-Bio-Siegel.

BDIH
– Pflanzliche Rohstoffe müssen aus zertifiziertem ökologischem Ausgangsmaterial stammen
– keine Tierversuche während der Herstellung oder für die Endprodukte
– Lieferanten von einzelnen Inhaltsstoffen können Tierversuche durchgeführt haben

 

Eccocert 
Ökologische Naturkosmetik:
mindestens 95 % aller Inhaltsstoffe müssen natürlichen Ursprung sein
95 % müssen pflanzliche Bio-Rohstoffe sein
Naturkosmetik:
mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe müssen Naturprodukte sein
mindestens 50 Prozent aus ökologischem Anbau

 

ICADA
– Ziel: Bessere Unterscheidung von authentischen Naturkosmetikfirmen von  Firmen, die Profit aus der grünen Welle schlagen wollen
– nicht bei Discountern erhältlich
– fachlicher Inhalt etwa wie bei den bekannten europäischen Bio- und  Naturkosmetikrichtlinien
– Pflanzliche Inhaltsstoffe müssen soweit möglich Bio-Qualität haben

 

CosmebioCOSMEBIO
– mindestens 95 % müssen pflanzliche Inhaltsstoffe sein
– mindestens 10 % Inhaltsstoffe müssen ökologisch nachhaltig angebaut worden  sein
– verboten sind alle Erzeugnisse mit Silikon- und/oder Paraffin-Anteilen
– ein emissionsarmer Herstellungsprozess ist garantiert
– Verpflichtung zur Transparenz

Beispiel:
Nohèm ist eine von Noémie de Goÿs 2009 gegründete, französische Kosmetikmarke. 99-100% der Inhaltsstoffe müssen Naturstoffe sein, 15-65% Bio. Sie sind Ecocert zertifiziert und setzen außerdem auf Fairtrade.

Vegane Kosmetik

Vegane Inhaltsstoffe sind Stoffe, welche weder von noch aus Tieren produziert werden. Der Begriff vegan ist nicht geschützt, eine klare gesetzliche Definition gibt es nicht. Die Logik schließt bei veganer Kosmetik auch Tierversuche aus, jedoch sehen viele Marken vegan noch immer als Trend an und nutzen dies als Marketingstrategie. Sie handeln nicht aus Überzeugung. Die anerkannten Siegel für vegane Kosmetik garantieren jedoch auch das Verbot von Tierversuchen.

Siegel:
Siehe Siegel, die mehrere Standards garantieren -> Tierversuchsfrei & Vegan:

Beispiel:
Das Unternehmen ananné setzt besonders auf die Naturverbundenheit der Kosmetik. So ist der Kosmetikhersteller nicht nur mit der „Veganen Blume“ zertifiziert und somit vegan und tierversuchsfrei, sondern es trägt auch die Siegel NaTrue und BDIH. Auf der Liste tierversuchsfreier Kosmetik von PETA steht die Marke zwar nicht, jedoch prüfte die Vegan Society genau, dass weder die Marke selbst noch Zulieferer oder in Auftrag gestellte Unternehmen Tierversuche durchführen. Dies gilt sowohl für das Endprodukt, als auch für die einzelnen Rohstoffe. Auch die Siegel garantieren es.

Tierversuchsfreie Kosmetik

Seit dem 11.März 2013 in der ganzen EU der Verkauf von Kosmetik verboten, für deren Inhaltsstoffe Tierversuche nach diesem Datum durchgeführt wurden. Jedoch gibt es zwei „Schlupfwinkel“, welche sehr oft genutzt werden. So müssen in Deutschland jährlich noch immer unglaublich viele Tiere für Tierversuche leiden und sterben. 2014 waren es 2.798.463, nicht mit einberechnet die Tiere, welche getötet wurden, da bei der Zucht für die Versuche ein Fehler unterlaufen ist und es dadurch nicht mehr gebraucht wurde. Die Schlupfwinkel müssen also recht groß sein, dass weiterhin jährlich an 2,8 Millionen Tieren getestet wird, denkt man sich und so ist es in der Tat.
Einerseits bezieht sich dieses Gesetz nur auf kosmetische Inhaltsstoffe, nicht jedoch auf Inhaltsstoffe, welche unter die Chemikalienrichtlinie fallen. Dies gilt beispielsweise für Farb- oder auch Duftstoffe und macht oft den Großteil aus.
Andererseits sind so gut wie alle Inhaltsstoffe auf dem Markt von vor dem Datum und daher wurden an vielen von ihnen Tierversuche durchgeführt.
Noch ein Problem ist, dass einige Formulierungen falsche Schlüsse ziehen lassen. Wird darauf verwiesen, dass ein Produkt tierversuchsfrei ist, so muss dies nicht für die einzelnen Inhaltsstoffe gelten. Diese können ja auch nach den Chemikalienrichtlinien getestet worden sein. Auch die Aussage, das Unternehmen führe keinerlei Tierversuche durch, muss nicht bestätigen, dass die Inhaltsstoffe des Produktes nicht an Tieren getestet wurden. Wird dies von beauftragten anderen Unternehmen oder Zulieferern getan, so stimmt die Aussage über das Weglassen von Tierversuchen des Unternehmens ja trotzdem.
Werden die Kosmetikprodukte auch in China verkauft, so ist den Unternehmen ein Test mit Tierversuchen vorgeschrieben, woran sich gehalten wird.

Siegel:

„Leaping Bunny“ (HCS)
– International gültig
– Weder das Unternehmen, noch die Zulieferer dürfen Tierversuche ausführen oder  in Auftrag geben
– Produkte können tierische Bestandteile beinhalten

 

kaninchen unter streichelnder hand

„Kaninchen unter schützender Hand“ (IHTK)
– Keine Tierversuche am Produkt
– Synthetische Inhaltsstoffe auf Basis von Chemikalien sind erlaubt
– Kann Tierprodukte wie Milch enthalten, ist also keine Garantie für vegane    Kosmetik

 

Beispiele:
Eine der größten Marken, die auf Tierschutz setzen, ist The Body Shop. Auch seit der Übernahme durch L’Oreal im Jahre 2007, hat sich nichts daran geändert, dass das Unternehmen weder Tierversuche am Endprodukt oder an Inhaltsstoffen durchführt, noch daran, dass keine Tierversuche in Auftrag gegeben werden. Das „Hilfe durch Handel“-Programm der Kosmetikmarke für Schminke und auch Körperpflege ist ein guter Anfang zum Thema fairer Handel.
Ebenfalls tierversuchsfrei sind Balea, alima PURE und Jessa (Binden/ Tampons).

Weitere Marken

 Schminke:

Vegane Kosmetik
SanDee, LimeCrime
Naturkosmetik
Sante, Benecos
Naturkosmetik, Vegan & Tierversuchsfrei
Pacifica, Little Rabbit, Inika

Pflege:

Vegane Kosmetik
Eco Tools / Nanshy (Zubehör wie Pinsel), aquarella / Nubar (Nagellack)
Naturkosmetik
Love me Green, Dr, Hauschka (Fair), Weleda (Fair), Aveda (Fair), Intelligent Nutrients (Großteil vegan), Heymountain (Großteil vegan), Beauty Without Cruelty, Speick, Lavera (Fair), Dr. Bronner’s (Fair), Pur Hair (Haarfarben/Fair), Logona (Fair)
Naturkosmetik, Vegan & Tierversuchsfrei
Intensae / Snails (Nagellack), Crazy Rumors (Lippenpflege), Angel Minerals, Lenz Naturpflege

Siegel, die mehrere Standards garantieren

Naturkosmetik & Tierversuchsfrei:

NaTrue
– mindestens 70 % aus kontrolliert biologischer Erzeugung und/oder aus  kontrollierter Wildsammlung
– Tierversuchsverbot
– drei Qualitätsstufen:
1. Basiskategorie: definiert die erlaubten Bestandteile
2. Organic cosmetics: Bio-Anteil der Naturbestandteile muss mindestens 95 % sein
3. Natural cosmetics with organic portion: mindestens 70 % Bio-Anteil

Tierversuchsfrei & Vegan:

Certified Vegan
– Enthält keinerlei tierische Produkte
– Keine Tierversuche des Unternehmens, und auch keine durch die Hersteller und Zulieferer

 

 

 

Crueltyfree and vegan
– Von der Tierschutzorganisation PETA
– Schriftliche Bestätigung, dass Unternehmen nur tierversuchsfreie Kosmetik verkauft
– Totally Vegan

 

 

„Vegane Blume“
– Produkt & Produktionsprozess sind tierbestandteil- und tierversuchsfrei
– Synthetische Inhaltsstoffe auf Basis von Chemikalien sind erlaubt
– Siegel von der Vegan Society England

 

 

 

Labels, die wir lieben: Vegane, tierversuchsfreie und faire Naturkosmetik

Bei fairer Kosmetik sind nicht selten Größen zwischen 2% und 10% Anteil an fair gehandelten Rohstoffen zu finden. Dies kommt einem doch sehr wenig vor und sieht nach Betrug aus, wenn Marken mit „fairer Kosmetik“ werben, wenn gerade mal 5% der Inhaltsstoffe fair gehandelt wurden. Aber das täuscht! Denn: Bei Kosmetik kommt das immer auf die genaue Rezeptur an, da ja ganz viele Zutaten enthalten sind. Alleine Wasser macht einen Großteil aus und einige Zutaten gibt es gar nicht fair gehandelt. Es gibt jedoch auch viele Firmen, die schon sehr viel höhere Prozentsätze schaffen.

Lamazuna:
Die Kosmetikartikel von Lamazuna sind umweltfreundlich produziert und verpackt, größtenteils in Frankreich und alles von Hand. PETA bestätigt, dass die Marke tierversuchsfrei und vegan ist. Das Unternehmen engagiert sich zusätzlich in einigen wohltätigen Stiftungen und Vereinen. Im Angebot sind folgende Pflegeartikel: nachhaltige Zahnbürsten, festes Deo, Shampoo, feste Zahnpasta, ein Schwamm und Zubehör wie ein Ohrenstäbchenersatz, Menstruationstassen und nachhaltige Wattepads.

i + m Naturkosmetik:
i+m setzt auf allen Ebenen auf FAIR: Fair gehandelte Inhaltsstoffe, fair zur Umwelt mithilfe von Bioqualität, faire Preise, fair zu den Tieren, da sie tierversuchsfrei und vegan produzieren und fair bei der Gewinnverteilung. Denn 20% des Gewinns fließen in das von der Marke für Pflegeprodukte selbst gegründete Projekt Frauenhäuser für Afrika e.V. und weitere 20% in kleinere Projekte, wovon momentan drei unterstützt werden.

Santa Verde:
Santa Verde verwendet für die Pflegeprodukte Aloe Vera, welche lokal in Südspanien kontrolliert biologisch angebaut und von Hand geerntet wird. Sie sind durch NaTrue als Naturkosmetik zertifiziert und zusätzlich tierversuchsfrei und vegan. Die Verpackungen sind nachhaltig und auch das Engagement der Marke ist vielversprechend. Neben einem Entwicklungshilfe-Projekt in Caatinga, setzen sie sich auch für Straßentiere ein und haben bereits vier von ihnen aufgenommen.

Fair Squared:
Alle Produkte von Fair Squared sind Fairtrade-, Bio-, Vegan- und NaTrue-zertifiziert. Hergestellt werden die fertigen Pflegeprodukte in Deutschland.

Ringana:
Sowohl die Produktion, als auch der Versand von Ringana finden in Hartberg in Deutschland statt. Die Pflegeprodukte sind von PETA als vegan und tierversuchsfrei ausgezeichnet. Künstliche Konservierungsstoffe sind ein Tabu, was das Austria Gütesiegel GREEN BRANDS bestätigt.

Hurraw!:
Die Lippenbalsame von Hurraw! werden in Amerika hergestellt, die verwendeten Rohstoffe sind wo möglich Fairtrade und bio. Die Marke ist außerdem von PETA als tierversuchsfrei und vegan ausgezeichnet.

Jean & Len:
Da Lens Vater an Krebs starb, kam er, als er selbst Vater wurde, die Idee zur Herstellung von Pflegeprodukten, welche keine krebserregenden Stoffe beinhalten oder solche, die im Verdacht stehen, es zu sein. So entstand Jean & Len. Dass die verwendeten Rohstoffe vegan und tierversuchsfrei sind, zählt zur Philosophie der beiden Gründer. Den Verzicht auf Tierversuche, tierische Rohstoffe, Parabene, Silikone und künstliche Duftstoffe, nennen Jean und Len den Verzicht auf unnötiges „Gedöns“. Neben Shampoo und Co. gibt es Waschmittel und einen Spielzeugreiniger zu kaufen. Sie tragen das kanadische EcoLogo und produzieren CO2-neutral. Shampoo und Duschgel enthalten leider Palmöl, wenn auch aus nachhaltigem Anbau.

Primavera:
Über 74% der Pflegeprodukte von Primavera sind vegan. Die Naturkosmetik ist durch das Demeter- und das NaTrue-Siegel ausgezeichnet, teilweise stammen die Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA). Die Marke steht auf der Liste tierversuchsfreier Kosmetik von PETA und ist zusätzlich mit dem „Kaninchen unter der Hand“ zertifiziert. Fairer Handel ist für das Unternehmen wichtig.

Lush:
Lush möchte mit der eigenen Kosmetik ein Zeichen gegen Tierversuche setzen. Neben Duschgel, Masken und etlichen anderen Pflegeprodukten gibt es auch Schminke im Angebot. Das meiste ist vegan, jedoch nicht alles. Pluspunkte: Lush setzt auf fairen Handel, verkauft handgemachte Kosmetik und hat viele unverpackte Produkte, Stichwort Müllvermeidung!

 

Tierversuchsfreie Kosmetik in der Onlinewelt

Onlineplattformen:
Eine recht übersichtliche Onlineplattform für Kosmetik ist Freivonso. Die Produkte sind auffällig mit Symbolen gekennzeichnet, die anzeigen ob das jeweilige Produkt Vegetarisch, Vegan, Palmölfrei, Bio und/oder Fairtrade ist. Die bevorzugten Werte können auch als Filter angegeben werden.
Produkte von Lamazuna und Dr. Bronner’s gibt es auch bei uns im Onlineshop.

Blogs:
Sehr informativ ist der Blog Blanc et Noir. „Erbse“ veröffentlicht nicht nur die Stellungnahme einiger Firmen zum Thema Tierversuche, sondern führt auch eine Liste mit veganer und tierversuchsfreier Kosmetik, hinter der offensichtlich sehr viel Mühe steckt. Neben den vielen Informationen gibt es auch einen DIY-Bereich. Werde ich unbedingt mal was von ausprobieren!

 

Credits: Titelbild: von Urban Explorer Hamburg ist lizensiert nach CC BY 2.0

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