Unter den Linden: Das Massensterben der Hummeln

Jedes Jahr im Juli und August liegen hunderte tote Hummeln unter blühenden Linden. Doch Linden oder ihr Nektar sind nicht etwa giftig für die Insekten. Das Massensterben liegt an etwas ganz anderem.

Schon mal gesehen? Diese Massen an toten Hummeln (und auch manchmal ein paar Bienen), die im Hochsommer oft unter blühenden Linden liegen? Es wurde schon lange gerätselt, warum das so ist. Dabei gab es anfangs ganz unterschiedliche Erklärungen.

Natürlicher Tod oder giftiger Nektar?

Eine These besagte, dass die Blütezeit der Silberlinde mit der natürlichen Absterbephase von Hummelvölkern zusammenfalle. Dass die Hummeln also an Altersschwäche sterben. Wenig später wurde allerdings herausgefunden, dass die Hummeln, die tot unterm Baum lagen, im besten Hummelalter waren.

Der zweite Gedanke war dann Ende der Siebziger, dass der Nektar von spät blühenden Linden – darunter einige Baumarten aus dem Balkan – für Hummeln und Bienen giftigen Zucker (Mannose) enthält.

Kurz wurde sogar in Erwägung gezogen, „fremdländische“ Bäume zu fällen, um das Hummelsterben zu stoppen.  Die Linde war also Schuld. Am Besten natürlich noch die nicht-deutsche. Aber auch das wurde zum Glück schnell anhand von Versuchsreihen widerlegt.

Doku „Der Hummelstaat“

Tod durch Verhungern

Nachdem also krampfhaft nach einer natürlichen Todesursache gesucht wurde, stellte sich am Ende heraus: Es ist mal wieder unsere Schuld. Es liegt schlicht und einfach am Nektarmangel zu dieser Jahreszeit.

Die Massen an toten Hummeln sind meist unter Silber- und Krimlinden zu finden, also Linden, die zwei bis vier Wochen nach den Winter- und Sommerlinden blühen. Zu diesem Zeitpunkt gibt es nur noch sehr wenige andere Pflanzen, die den Hummeln als Nektarlieferanten dienen können.

So sind die Linden, die mit ihrem intensiven Duft sämtliche Bestäuber anlocken, die einzige Nahrungsquelle für die Hummeln. Die sind oft wegen mangelnder Energiereserven schon nach dem Flug zur Linde so geschwächt, dass sie nicht mehr in der Lage sind, Nahrung aufzunehmen.

Andere hätten zwar noch ein bisschen Energie übrig, allerdings können die Bäume den immensen Nektarbedarf alleine gar nicht mehr decken. Und so fallen die Hummeln, und inzwischen auch immer mehr Bienen (obwohl die eigentlich Nektarreserven haben), tot vom Baum. Weil sie verhungern.

So sieht es aus, wenn Linden blühen.

Nektarquellen pflanzen und den Hummeln helfen

Weil unsere Gärten immer steriler werden und die restliche Natur auf ein Minimum reduziert wurde, sterben nun also massenhaft Hummeln. Dagegen können wir aber auch etwas tun.

Wer richtig Platz hat, kann mit einem Honigbaum (Euodia) gleich tausenden von Hummeln und Bienen helfen. Zwar wird der Baum oft auch „Stinkesche“ genannt, allerdings liegt das nur daran, dass die Blätter stinken, wenn man sie zerreibt. Wenn man das nicht tut, hat der Baum einfach nur angenehm duftende Blüten.

Alle, die keinen riesigen Garten haben, sondern vielleicht einen Balkon oder ein kleines Beet, können trotzdem helfen, indem sie unterschiedliche Stauden einpflanzen, wie Ziest, Riesen-Schuppenkopf, Bergminze, Herzgespann, Fockenblumen oder auch sämtliche Distelarten.

Hier findet ihr noch mehr Nektar- und Pollenreiche Pflanzen, vom NaBu aufgelistet. Ein paar davon sind echt pflegeleicht und machen sich sicher auch gut in Baumscheiben… Hummeln sind nämlich nicht nur niedlich, sondern auch verdammt wichtig für uns und unser Ökosystem. Da kann man ihnen doch ruhig auch mal unter die Flügel greifen…

 

Credits: „Hummel“ von trevide, Lizenz: CC BY-ND 2.0; „Linden“ von Ilena Gecan, Lizenz: CC BY-SA 2.0

 

 

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