Tofu essen: Immernoch besser fürs Klima als Fleisch

Was viele VeganerInnen und VegetarierInnen oft zu hören bekommen: Tofu statt Fleisch zu essen ist genauso eine Sauerei, weil für das Soja, aus dem Tofu besteht, in Südamerika große Flächen Regenwald gerodet werden. Das wiederum ist schlecht fürs Klima. CO2 und so. Stimmt auch. Also das zweite. Das erste ist Quatsch. Fleisch essen ist immernoch eine größere Sauerei…

Die Nachfrage nach Soja-Produkten steigt enorm. Rund 3,4 Millionen Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot importierte Deutschland im Jar 2012. Das ist echt viel. Von dem Soja wird aber nur in den seltensten Fällen welches genutzt, um direkt Lebensmittel herzustellen.

Der Regenwald wird hauptsächlich für Tierfutter gerodet

Die in Deutschland erhältlichen Soja-Produkte sind größtenteils aus Bio-Soja aus ökologischen Anbaugebieten aus Europa. Also nix mit Regenwald. Der Soja-Anbau in Deutschland steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. 2,6 Millionen Hektar an Acker mit Sojabohnen bräuchte man laut FibL  (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) in Deutschland, um den heimischen Bedarf zu decken. Momentan sind es nur 6500 Hektar. Das sind 0,05 Prozent der deutschen Ackerfläche.

Das Soja, für das allein in Südamerika in den letzten 40 Jahren 40% des ursprünglichen Regenwaldes für Anbauflächen gerodet wurden, wird fast alles zu Tierfutter verarbeitet. Laut einer Studie der Universität Illinois sind es 98 % des weltweit angebauten Sojas, die in Tiermägen gelangen.

Hinzu zu dem Problem, dass durch die Rodung der Regenwälder wichtige CO2-Speicher verlorengehen, kommt, dass inzwischen von den importierten Sojabohnen kaum noch welche nicht gentechnisch verändert sind. In Brasilien sind es z.B. mehr als drei Viertel der angebauten Menge.

Kein Gen-Soja in Soja-Produkten

Der Trend hin zu „Öko“ hat auch da enorme Vorteile. Hersteller in Deutschland sind sich dessen bewusst, dass genmanipulierte Sojabohnen bei den VerbraucherInnen nicht ankommen würden. Denn wer kein Fleisch isst, achtet normalerweise auch auf seine Ernährung. Und wer von den Veggies nicht auf seine Ernährung achtet  -davon kenne ich auch genug- hat moralische Skrupel wenn es um Gentechnik geht. So oder so: Tofu aus Gen-Soja wäre vermutlich ein Flop.

Und gegen die Förderung des heimischen Soja-Anbaus spricht – solange keine Monokulturen entstehen- erstmal nichts. Also wird Regionalität gefördert, die garantieren kann, dass kein Gen-Soja verwendet wird. Deshalb ist übrigens Soja als Futtermittel so billig, als Lebensmittel hingegen relativ kostspielig.

Und Produkte, die mehr als 0,1 Prozent gentechnisch veränderte Organismen enthalten, müssen ja glücklicherweise immernoch gekennzeichnet werden. Naja, außer bei Fleisch, Milch, Eiern, Butter, Joghurt, … eben allen tierischen Produkten, in denen das Soja nicht unmittelbar enthalten ist. Wenn die Tiere mit genmanipuliertem Soja gefüttern wurden – und das wurden sie leider meistens- muss dies  nicht markiert werden.

Wer schadet dem Klima nun mehr?

Das sind nach wie vor die, die Fleisch essen. Denn selbst wenn Tofu aus Sojabohnen hergestellt wurde, die von einer Plantage aus Südamerika stammen, lassen sich aus einem Kilo Sojabohnen rund zwei Kilo Tofu gewinnen. Die gleiche Menge an Soja als Kraftfutter in der Schweinemast  liefert 300 Gramm Schweinefleisch. Das Schwein selbst verbraucht eben auch Energie. Zusätzlich ernährt es sich ja nicht ausschließlich von Soja.

Fleisch essen ist also immernoch das, was am Schlechtesten ist – auch fürs Klima.

Wichtig für die, die gern Sojaprodukte essen, ist nur, dass hin und wieder genauer hingeschaut wird, um sicherzugehen, dass diese aus nicht-genmanipulirten Sojabohnen aus Europa gemacht wurden.
Aber ans Genauer hinschauen haben wir uns inzwischen ja gewöhnt…

 

Credits: „Tofu“  von United Soybean Board, Lizenz: CC BY 2.0

 

 

 

 

 

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