Mikroplastik – eine Winzigkeit wird zum weltweiten Problem

Hände halten Plastikflaschen

Immer wieder erreichen uns erschreckende Nachrichten: Mikroplastik im Darm nachgewiesen (Tagesschau, 23.10.2018), Im Trinkwasser lauert eine unsichtbare Gefahr (welt, 06.09.2017) oder Mit jeder Mahlzeit essen wir über 100 Plastik-Partikel (Stern, 12.04.2018). Klingt nicht gut und ist es auch nicht! Jeden einzelnen Tag werden Millionen und Milliarden dieser kleinen Fieslinge freigesetzt.

Schon morgens fängt es an. 6:30 Uhr, der Wecker klingelt. Du duscht dich, putzt dir die Zähne, wäscht noch deinen Lieblingspulli und fährst mit dem Auto, dem Bus oder dem Rad zur Arbeit. In diesen 1-2 Stunden werden unendlich viele Mikroplastikteilchen freigesetzt. Kannst du dir das vorstellen? Wahrscheinlich eher nicht, zumindest sehen kann man nichts.

Nun aber von alle Informationen von Anfang an:

Primäres und Sekundäres Mikroplastik

Mikroplastik sind kleinste Teile aus Polymeren (Kunststoffe), deren Größe zwischen 0,1μm und 5mm (0,1μm entspricht 0,001mm) variieren. Eine wissenschaftlich gültige oder gesetzlich vorgeschriebene Definition gibt es bisher nicht. Grundsätzlich wird Mikroplastik in primäres und sekundäres Mikroplastik unterschieden. Während das Primäre bereits in kleinster Größe hergestellt wird und in Kosmetika oder Reinigungsmitteln eingesetzt wird, entsteht das Sekundäre durch den Zerfall größerer Plastikteile in Gewässern unter dem Einfluss von Wellenbewegungen oder UV-Strahlung.

Peeling in einer Hand

 

Aus dem Badezimmer ins Abwasser

Laut einer Studie von CodeCheck enthält jedes dritte Peeling und jedes 4. Duschgel Mikroplastik. In Form von Kügelchen, Gelen und Flüssigkeiten werden sie als Schleif-, Füll- oder Bindemittel in unseren Kosmetikprodukten eingesetzt. Über das Abwasser gelangen sie in Flüsse und somit ins Meer.

Einige Kosmetikhersteller stellten sich ein freiwilliges Verbot gegen Mikroplastik, jedoch definiert jeder Hersteller das Mikroplastik auf seine eigene Weise. Zudem ist es schwer für den Verbraucher herauszufinden was sich hinter den chemischen Inhaltsstoffen verbirgt.
In einigen wenigen Ländern gibt es seit diesem Jahr Verbote damit Mikroplastik in Kosmetik nicht verwendet werden darf. Darunter sind Länder wie Schweden, Großbritannien, Neuseeland oder die USA. Dabei wurden allerdings nur feste Teilchen definiert, Gel oder Flüssigkeiten aus Kunststoff dürfen weiterhin verwendet werden.

Vor einigen Jahren gab es bereits erste Medienberichte über Mikroplastik in Zahnpasta. Viele Hersteller reagierten sehr schnell und entwickelten neue Zahnpasten ohne Mikroplastik. Mittlerweile stehen nur noch 4 Zahnpasten auf der Liste des BUND-Einkaufsratgeber.

Waschmaschine von innen mit Wasser

Mikroplastik aus der Waschmaschine

Nicht nur durch unsere Kosmetikprodukte gelangt Mikroplastik in die Umwelt, auch unser Waschwasser enthält Unmengen davon. Studien der IUCN (International Union for Conservation of Nature = Weltnaturschutzorganisation) zeigen, etwa 35% der in den Ozeanen enthaltenen Mikroplastikteilchen wird durch das Waschen synthetischer Stoffe verursacht. Das gleiche gilt auch für recycelte Synthetikstoffe, wie recyceltes Polyester.

Unter synthetischen Stoffen versteht man im allgemeinen Sinne, Fasern die aus Kohle, Erdöl oder Erdgas hergestellt werden. In Sport- und Outdoorkleidung werden diese Fasern sehr gern und oft verwendet, damit die Produkte atmungsaktiv, wasserabweisend und winddicht sind. Aber auch um die Struktur zu erhalten wird fast immer ein Teil der Fasern durch Polyester ersetzt. Auch um Kleidung elastisch zu machen, z.B. für Unterwäsche oder Badebekleidung wird Elastan eingesetzt.

Werden diese Kleidungsstücke gewaschen lösen sich, durch Faserbruch oder Abrieb, viele kleine Fasern, diese gelangen durch das Abwasser in die Umwelt. Pro Waschgang können bis zu 3.000 Fasern freigesetzt werden.

rPET - recyceltes Polyester

Auch bei recyceltem Polyester sollte man vorsichtig sein und sich Gedanken zur Nachhaltigkeit machen. Die Meinungen dazu gehen stark auseinander. Einige stellen besonders den hohen Enrgie- und Chemieverbrauch in den Mittelpunkt. Für Andere sei es sinnvoll den PET-Kreislauf, durch dieses Recyclingverfahren zu schließen. Bevor jedoch ein Urteil über Gut oder Schlecht gebildet werden kann, sollte man sich den Vor- und Nachteilen bewusst sein.

Vorteile des rPET sind, das Müll nicht auf Mülldeponien oder im Ozean landet, sondern eine zweites Leben bekommen. Dabei werden Ressourcen gespart und unsere Abhängigkeit zum Erdöl verkleinert. Wichtig zu wissen ist, dass rPET qualitativ fast genauso hochwertig wie Neues ist, dabei aber deutlich weniger Energie verbraucht wird. Jedoch hat das Recycling seine Grenzen, denn vor allem Mischgewebe aus Baumwolle und Polyester lässt sich schlecht bis gar nicht trennen. Außerdem muss nach dem Recyclingprozess immer ein kleiner Teil an PET hinzugefügt werden, um die Festigkeit zu erhalten. Oft werden auch bei dem Recyclingverfahren gefährliche oder giftige Substanzen verwendet, die z.B. krebserregend sind. Ganz wichtig: Recycling kann dazu führen, dass Menschen ihren Konsum noch weniger überdenken oder ihn mit Recycling begründen. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass das Recycling von PET nicht die Lösung unseres Plastikmülls ist, das eigentliche Ziel muss die drastische Reduktion unseres Plastikverbrauchs sein.

Aber nicht nur durch den Abrieb unserer Kleidung gelangen Mikroplastikteilchen in das Abwasser. Oft enthalten Waschmittel bereits Mirkoplastik, unter anderem damit sie geschmeidiger aus der Flacshe laufen. Auf Nummer sicher gehen kannst du vorallem mit Bio-Waschmitteln, hier findest Du einige im Vergleich.

Kläranlagen können mit der heutigen technischen Ausrüstung nur 95% der Mikroplastikteilchen aus dem Abwasser herausfiltern. Mikroplastik lagert sich zu großen Teilen in Klärschlamm ab. Häufig wird dieser in der Landwirtschaft als Dünger verwendet, da wertvolles Phosphor, Stickstoff, Schwefel und andere Mikronährstoffe enthalten sind. Jedoch enthält der Klärschlamm auch umwelt- und gesundheitsschädliche Schadstoffe, wie Schwermetall, Chemikalien und Mikroplastik. Diese gelangen ebenfalls mit dem Klärschlamm auf die Felder und so auch in das Grundwasser.

Wasserglas wird am Wasserhahn gefüllt

Verseucht Mikroplastik unser Trinkwasser?

Studien aus der USA belegen, dass etwa 83% unseres Leitungswasser weltweit mit Mikroplastik verseucht ist. Kann das wirklich stimmen?

Nein, sagen deutsche Forscher des Forschungsprojekts “MiWa”. Sie widerlegen diese Studie mit Leitungswasser-Proben, die durch ein spezielles Laser-Messverfahren getestet wurden. Dabei wurden Mikroplastikteilchen gefunden, jedoch in einer verschwindend geringen Konzentration.
Auch 38 Mineralwässer wurden vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe untersucht, dabei wurde in sämtlichen Proben Mikroplastik entdeckt. In PET-Mehrwegflaschen wurden durchschnittlich 120 Partikel entdeckt. Jedoch wird der Ursprung des Plastiks meist auf die Flaschenhülle oder den Verschluss zurück geführt. Wie hoch die Auswirkung auf den Menschen ist, kann noch nicht genau gesagt werden. Giftig sei das Plastik jedoch nicht, möglich ist eine Anreicherung im Körper oder Abwehrreaktionen in Form von Entzündungen.

Studien aus dem Jahr 2013/14 bei denen Mikroplastik in Honig, Bier und Zucker gefunden wurde, konnten zum Glück widerlegt werden. Die Laborergebnisse waren aufgrund der Umgebungsluft und darin enthaltene Mikroplastikteilchen kontaminiert.

Plastik schwimmt im Meer

Plastik im Meer

Im Jahr 2010 gelangten zwischen 4.8 und 12.7 Millionen Tonnen Plastik in unsere Meere, bis zum Jahr 2025 soll sich, laut Wissenschaftlern die Menge verzehnfachen. Genau was man jedoch nicht, wie viel Müll sich in unseren Ozeanen befindet. Der größte Teil des Mülls lagert sich am Meeresgrund, nur ein kleiner Teil schwimmt an der Oberfläche und lässt die riesigen Müllstrudel in unseren Weltmeeren entstehen. Plastik ist ein sehr großes und ernstzunehmendes Umweltproblem für Flora und Fauna. Jährlich sterben bis zu 100.000 Meeressäuger und etwa eine Million Meeresvögel an den Folgen des Mülls. Sie verhungern mit vollen Plastikmägen, verheddern sich in Netzen und ertrinken oder verletzten sich bei Befreiungsveruschen.

Auch wenn Plastikteile durch die Witterung, die Wellen und die UV-Strahlen in kleinste Mikroplastikteilchen zerfallen, sind sie extrem schädlich. Durch ihre Struktur ziehen sie Gifte, wie Motoröl oder Chemikalien besonders an und diese lagern sich an der Oberfläche des Plastiks. Durch die geringe Größe können auch Plankton, Muscheln oder Korallen das Plastik aufnehmen, damit gelangen sie in die Nahrungskette vieler Tiere und somit auch in unsere.

Forscher des Alfred-Wegner-Instituts fanden auch in der Nordsee Mikroplastik. Durchschnittlich 3 – 10 Teilchen schweben in einem Kubikmeter Nordseewasser. Ganz anders sieht das im arktischen Gewässer aus, dort fand man rund 12.000 Partikel in einem Liter Meereis. Wenn Meereis sich bildet, streicht es wie ein Sieb durch das Wasser. Dadurch werden sammeln sich viele Teile und bilden eine hohe Konzentration im Eis. Zudem wurde Mikroplastik auch in Proben von Schnee aus Bremen, Bayern und Helgoland gefunden. Damit ist bewiesen, Mikroplastik befindet sich in unserer Luft. Unter anderem gelangt es durch den Abrieb der Reifen und den Textilien kann Mikroplastik in unsere Luft.

Kampagnen gegen Mikroplastik und Plastik im Meer

Guppyfriend

Guppyfriend ist ein Produkt der gemeinnützigen Organisation STOP! Micro Waste. Es handelt sich um einen Waschbeutel der Faserabbruch reduziert und abgebrochene Fasern auffängt, damit sie nicht ins Abwasser gelangen. Die aufgefangenen Fasern können über den Hausmüll entsorgt werden.

GuppyFriend - ein Waschbeutel der Mikroplastik einfängt

Pacific Garbage Screening

PGS ist das Projekt einer Architekturstudentin. Die Idee ist eine schwimmende Plattform, die Mikroplastik aus dem Meer herausfiltern soll. Die Plattform ist eine autarke Plattform, welche die Strömungen im Meer beruhigt, um Mikroplastik an der Oberfläche abschöpfen zu können. Der entstehende Abfall wird durch Pyrolyse (Zersetzung durch Hitze) in Wasserstoff und Kohlendioxid verwandelt. Der Wasserstoff kann nun als Energiequelle genutzt werden. Damit das CO2 nicht in die Umwelt abgegeben wird, wird es als Nahrungsquelle für Algenkulturen genutzt. Diese Biomasse dient als Grundstoff für Bioplastik.

Pacific Garbage Screening - eine autarke Plattform zur Müllbeseitigung

Ocean Cleanup

Ocean Cleanup ist eine NGO mit der Idee unsere Ozeane mithilfe einer Art Müllfänger das Plastik herauszufischen. Seit Mitte Oktober treibt das Projekt im größten Müllstrudel des Pazifiks, im Great Pacific Garbage Patch. Ein 3m langer Vorhang soll Müll einfangen und durch Schiffe zur Weiterverarbeitung an Land gebracht werden.

Naturschützer bemängeln, dass die Vermeidung von Müll das eigentliche Ziel sein muss und der Gedanke an Müllreduktion könnte durch das Müllfischen verringert werden. Außerdem werden nur Plastikteile die größer als 1cm sind aufgefangen und es ist unklar, ob die Konstruktion den Kräften des Pazifiks gewachsen ist.

Ocean Cleanup - das Müllsieb auf hoher See

Lösungen – Was wir tun können:

Müllfischen ist nicht die zukunftssichernde Lösung, es ist teuer und kann nur einen geringen Teil des Plastikmülls herausfiltern. Trotzdem ist es ein erster Schritt in die richtige Richtung.
Auf lange Zeit sinnvolle Lösung ist jedoch die drastische Reduktion unseres Plastikverbrauchs. Nur an Land können wir das Plastikmüllproblem lösen. Deshalb möchten wir Dir einigte Tipps mit auf den Weg geben:

1. Unnötiges Plastik vermeiden.

Einige Beispiele dafür sind:

  • Plastiktüten durch Baumwolltaschen ersetzen
  • Mehrweg, statt Einweg. Oft gibt es Joghurt, Milch, Sahne, etc. in Glasflaschen
  • Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt kaufen, in vielen Städten gibt es mittlerweile auch Unverpacktläden
  • PET-Flaschen meiden, Wasser kann ohne Bedenken aus der Leitung getrunken werden. Am Besten abgefüllt in Glas-, Alu- oder langlebige Plastikflaschen
  • Frischhalte- und Alufolie muss nicht genutzt werden, dafür gibt es mittlerweile viel Aufbewahrungsboxen, aus Glas oder Alu
  • To-Go Becher meiden, stattdessen den eigenen Becher mitbringen
  • Einmal Produkte wie Strohhalme, Plastikbesteck- und geschirr, kann man leicht durch Holz ersetzen oder komplett meiden
  • Zahnbürsten gibt es mittlerweile auch plastikfrei, z.B. von Hydrophil
  • bei Spielzeug, Gartenmöbel, Haushaltsgeräte auf Alternativen wie Holz oder Metall setzen
  • Mülltüten können leicht durch Tüten aus Zeitungspapier ersetzt werden. Die Anleitung dazu findest Du hier
  • Reparieren oder upcyceln, statt einfach wegschmeißen

2. Bei Kosmetik auf Inhaltsstoffe achten. Dabei können der BUND-Einkaufsratgeber oder die App CodeCheck helfen. Auch bei Naturkosmetik muss aufgepasst werden, nicht immer ist das drin was drauf steht. Bei Marken wie Weleda, Sante, i+m und Lavera, kannst du dir sicher sein, dass kein Mikroplastik enthalten ist.

3. Müll trennen, damit Plastik und andere Stoffe gut recycelt werden können.

4. Kaufe möglichst wenig Kleidung mit synthetischen Stoffe. Lässt es sich nicht vermeiden, waschen sie möglichst wenig und mit niedrigen Temperaturen oder nutze den Waschbeutel GuppyFriend.

Foto-Credits: © sebra / Adobe Stock, © Nik_Merkulov / Adobe Stock, © nexusseven / Adobe Stock, © Artusius / Adobe Stock, © Richard Cary / Adobe Stock, © GuppyFriend, © Pacific Garbage Screening, © Ocean Cleanup

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