Kunstpelz ist echt: Augen auf beim Jackenkauf!

Kunstpelz ist inzwischen für die meisten von uns selbstverständlich. Allerdings ist auch da Vorsicht geboten: Wo Kunstpelz draufsteht ist nicht zwangsläufig auch Kunstpelz dran!

„100% Polyester, Kunstfell bitte separat waschen“. Das ist doch eindeutig, oder? Für den/die VerbraucherIn eine klare Aussage, dass da kein Tierhaar enthalten ist. Denkste. Immer wieder wurde im Laufe der Zeit von TierschützerInnen enttarnt, dass sich es sich sehr wohl um Haare von Hunden oder Katzen handelte. Und das, obwohl ein Großteil der Menschen das Tragen von Echtpelz ablehnen.

100% Polyester heißt gar nichts.

Wirklich gar nichts. Der Vertrieb von Echtpelz von Haustieren wie Hunden und Katzen ist nämlich immernoch billiger als das Herstellen von Kunstpelz. Das liegt natürlich auch an der katastrophalen Haltung und Behandlung der Tiere, die zulässt, so billigen Pelz zu „produzieren“.

Laut der EU-Verordnung von 2012 zur Bezeichnung von Textilfasern müssen Kleidungsstücke, die Leder oder echtes Fell beinhalten, mit „enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ gekennzeichnet werden. Das Problem: Über die Herkunft des Tieres, die Art der Haltung und die Art des Tieres sagt diese Kennzeichnung nichts aus.

Bei Parkas und Mützen sind die Kennzeichnungen oft gar nicht vorhanden oder eben falsch. Denn obwohl es seit 2009 ein EU-weites Verbot für den Import von Haustierfellen gibt, gelangen die Katzen- und Hundefelle auf den deutschen Markt – als Kunstpelz getarnt. In Fellkrägen, Mützenbommeln und Winterstiefeln.

Die Initiative „Kunstpelz ist ECHT“, ein Zusammenschluss mehrerer Tierschutzorganisationen, schreibt auf ihrer Homepage von teils gar nicht gekennzeichneten Kleidungsstücken und von Fantasienamen wie zum Beispiel Loup d’Asie, Gaewolf, Bio-Wolf, Corsac Fox für Hundefelle/-leder. Lipi, Maopee und Goyangi für Katzenfelle bzw –leder.

Schätzungsweise 70 Millionen Nerze, Füchse und Marderhunde sowie rund zwei Millionen Hunde und Katzen werden allein in China jährlich für die Pelzproduktion auf brutalste Art und Weise getötet.

Echtpelz ist trotz allem en vogue

Obwohl im Großen und Ganzen das Bewusstsein für Tierquälerei gewachsen ist, sagen uns die Umsatzzahlen der Pelzindustrie etwas anderes: Laut der „International Fur Federation“ steigt der Umsatz an Pelz weltweit kontinuierlich an. Von 2002 bis 2012 ist er von 10,9 auf mehr als 15 Milliarden US-Dollar gestiegen.

Das liegt nach Aussagen des Sprechers des deutschen Tierschutzbundes vor allem an Asien. Allerdings nicht nur, weil in China so viele Tiere gehalten und getötet werden, sondern weil die Nachfrage so hoch ist. China ist weltweit der größte Importeur von Fellprodukten. Die meisten Pelze kommen laut European Fur Breeders Association (EFBA) sogar aus Europa, wo es über 7000 Pelzfarmen gibt.

Doch auch in Europa erlebt Pelz einen Trendaufschwung. Immerhin sind Parkas mit Fellkragen und Mützen mit Pelzbommeln nicht immer in Mode gewesen. Mehr als die Hälfte des gesamten Umsatzes mit Pelzwaren kommt von solchen Einzelteilen. Und genau da lässt sich eben so wunderbar schummeln, wie es vor einem Jahr bei Mützen der Drogeriemarktkette Müller und der Modekette Tom Tailer der Fall war: Bei dem Besatz um Pelz handelte es sich um Marderhundepelz.

„Kunstpelz ist ECHT“: Aufklären und Ändern

Die Initiative „Kunstpelz ist ECHT“ hat deswegen eine Petition gestartet, die es mit über 60.000 Unterschriften in den Petitionsausschuss der Bundesregierung schaffte, und forderte „…alle Echtpelzprodukte, die im Handel erhältlich sind, verständlich und deutlich mit Angaben zur verwendeten Tierart, der Herkunft des Tieres und Tierhaltung sowie der Art der Gewinnung zu kennzeichnen.“

In der Schweiz gibt es dieses Gesetz bereits. Die deutsche Bundesregierung sah dafür keine Notwendigkeit. Die SPD fordert sie allerdings weiterhin. Wann dieses Gesetz tatsächlich in Kraft treten wird, steht in den Sternen. Aber eins ist klar: wir müssen extrem vorsichtig sein mit angeblichem Kunstpelz. In diesem Video von Peta wird erklärt, wie wir Echtpelz von Kunstpelz unterscheiden können:

 

Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, hilft allerdings nur noch der Verzicht auf Pelzimitate. Zumindest bis zur Kennzeichnungspflicht.

 

Credits: Titelbild:  „Dog Fur“ von davidgsteadman ist lizensiert nach CC BY 2.0

 

 

 

 

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