Kleidung für den Kompost: Freitag macht jetzt auch Öko-Fashion

Taschen aus alten Lastwagen-Planen und Sicherheitsgurten haben die Freitag-Brüder erfolgreich gemacht. Jetzt stellen sie auch Klamotten her. Und die sind zu 100% ökologisch abbaubar.

Die Idee, aus alten LKW-Planen Taschen zu machen war 1993 ihrer Zeit voraus. Markus und Daniel Freitag, zwei Brüder aus Davos, haben sich damals von New Yorker Fahradkuriertaschen und vom Fernlastenverkehr auf der Züricher Hardbrücke inspirieren lassen.

Die beiden passionierten Fahrradfahrer entwarfen die berühmten Freitag-Taschen, für die inzwischen jährlich  440 Tonnen alte LKW-Planen, 35 000 gebrauchte Fahrradschläuche und 288 000 Autogurte verarbeitetet werden. Upcycling in Reinform.

Arbeitskleidung mit Stil – aber ohne Baumwolle

Kleidung wird inzwischen behandelt wie ein Wegwerfprodukt. Und das bedeutet erst einmal Verschwendung von Ressourcen und außerdem immer mehr Müll. Das wollten die beiden Freitag-Brüder bei der Arbeitskleidung ihrer Mitarbeiter anders machen.

F-ABRIC heißt die Kollektion, die ursprünglich für die Mitarbeiter der Freitag-Fabriken entwickelt wurde und aus fünf Komponenten besteht: Arbeitshose, T-Shirt, Longsleeve-Oberteil, Arbeitskleid und Tasche. Das Besondere: Die Klamotten sind zu 100% ökologisch abbaubar. Zusätzlich ist der Stoff konsequent nachhaltig produziert und made in Europe.

Baumwolle schlossen die Jungs von vorneherein aus, da diese sehr viel Wasser und große Anbauflächen benötigt. Außerdem wächst sie am Besten in den Tropen und Subtropen, was lange Transportwege bedeuten würde.

Sie entschieden sich nach einigen Recherchen für die Rohstoffe Hanf, Leinen und Modal. Modal ist eine synthetisch hergestellte Faser mit natürlichem Ursprung, deren Eigenschaften denen von Baumwolle ähneln.

Alle Rohstoffe werden in Europa hergestellt, ohne die Böden zu schädigen und so wassersparend wie möglich. 2500 Kilometer beträgt die maximale Entfernung der Produktionsstätten zum Hauptsitz in Zürich.

Von Upcycling zu Kreislaufwirtschaft

Freitag-Taschen gehen immer noch gut klar, aber so in wie vor einigen Jahren sind sie wohl nicht mehr. Umso mehr freut es einen, dass die Schweizer sich was Neues einfallen lassen. Und vor allem, dass sie konsequent den Schritt von Upcycling in Richtung Kreislaufwirtschaft gehen.

Während mit den Taschen Abfallprodukte wiederverwertet werden, entsteht bei den Bio-Klamotten fast gar kein Müll. Fast deshalb, weil der Hosenknopf nicht recyclebar ist, dafür aber zum Abschrauben. Innerhalb von drei Monaten löst sich der Stoff dann komplett auf.

Ganz neu ist die Idee der Beiden nicht, auch die deutsche Bekleidungsfirma Trigema hat eine zu 100% ökologisch abbaubare Kollektion und auch Puma hat abbaubare Shirts und Schuhe entwickelt.

Schön, schön! Die Freitag-Jungs haben also offensichtlich Bock auf Fortschritt und Nachhaltigkeit. Davon wollen wir mehr sehen! Wer weiß, vielleicht schaffen es die Beiden ja mal wieder, einen Trend zu setzen. Diesmal eben nicht mit Taschen, sondern mit Mode. Wär doch cool.

 

Credits: „Halbzeit: Eine F-ABRIC Hose aus dem FREITAG Dachkompost“ von Oliver Nanzig / www.freitag.ch 

 

 

 

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