Jetzt wird geklont: Wegwerfware Rind

Das Schaf Dolly war gestern: China baut an der weltweit größten Klonfabrik, die jährlich eine Million Tiere produzieren soll. Rindfleisch wird damit zur Wegwerfware.

Während Gentechnik in der amerikanischen Landwirtschaft bereits großen Anklang findet, war das Klonen bis jetzt immernoch so etwas wie Zukunftsmusik. Nun hat die USA genmanipulierten Lachs als Lebensmittel zugelassen. Ein Gesetz zur Kennzeichnung von gentechnisch verändertem Fleisch gibt es nicht. Auch für uns könnte das dank TTIP zum relevanten Thema werden.

China setzt noch einen drauf: Mehrere chemische Biotechfirmen haben sich zusammengeschlossen und bauen an einer riesigen Fabrik zum industriellen Klonen von Haus- und Nutztieren. Da die Chinesen immer mehr Milchprodukte kaufen (der Milchverbrauch hat sich innerhalb der letzten fünf Jahre verdoppelt) und auch immer mehr Fleisch essen, musste eine Lösung her. Schweinemastbetriebe gibt es genug. Aber Rinder nicht. So mussten Rinder und Milchprodukte teuer importiert werden… Bis jetzt.

Eine Million Rinder pro Jahr

Umgerechnet ist die Anlage in der Hafenstadt Tianjin rund 30 Millionen Euro teuer. Mitte nächsten Jahres soll sie bereits in Betrieb genommen werden. Anfangs erst einmal mit 100.000 Rindern im Jahr. Wenn sich der Erfolg einstellt, sollen es bis zu eine Million geklonte Rinder jährlich werden. Das Unternehmen Boyalife arbeitet in dem Projekt zusammen mit dem Unternehmen Sooam Biotech, dessen Gründer Hwang Woo Suk 2004 behauptete, menschliche Embryonen klonen zu können – was sich schließlich als Betrug herausstellte.

Das Fleisch der gentechnisch veränderten Rinder soll besonders fettreich und schmackhaft sein und die Kühe sollen mehr Milch von höherer Qualität produzieren. Die Firma plant eine riesige Gen-Datenbank. Die „besten“ Gene können so vermehrt werden, also können Kopien der leistungsfähigsten Tiere gemacht werden. Von den Behörden finanziell unterstützt, soll das Projekt Rindfleisch für alle Chinesen und Chinesinnen erschwinglich machen, da es bis jetzt durch den Import oft ziemlich teuer ist.

Nicht nur Rinder sollen geklont werden, sondern auch Spürhunde für Rettungskräfte, Katzen und Rennpferde. Alle Tiere natürlich bestmöglich optimiert. Vorbestellungen nimmt die Firma bereits entgegen.

In China fehlt die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Gentechnik komplett. Schließlich wird das Ganze ja von Peking gefördert, da gibt es kein Interesse an einer öffentlichen Debatte.

Gentechnik gegen Welthunger?

Abgesehen davon, dass es durch den Bau der Klonfabrik immer weniger Landwirte gibt, da es für diese lukrativer ist, sich dort als Arbeiter zu verdingen, als die eigenen Rinder zu züchten, ist das genetische Verändern von Tier-DNA ausschließlich für die Wirtschaft von Vorteil. Und damit meine ich die Wirtschaft, von der uns zwar ständig erzählt wird, wie wichtig sie für uns ist, von der wir aber keinen Cent zu Gesicht bekommen.

Dass das Fleisch billiger wird, ist sowieso ein Argument, das ich nicht zählen lasse. Es ist ungefähr genauso zutreffend wie das Argument, Gentechnik könne den Hunger aus der Welt schaffen. Bullshit! Nie zuvor hat die Menschheit mehr Nahrungsmittel produziert als heute. Über ein Drittel davon wird bei uns weggeworfen. Die faire Verteilung von Lebensmitteln ist es, die etwas an unserer Lage ändern kann, nicht die Gentechnik. Gentechnisch veränderte Pflanzen sind außerdem bis jetzt nicht ertragreicher als die herkömmlichen.

Das selbe gilt fürs Rinderklonen: Davon werden sicher nicht diejenigen profitieren, die auf dieser Welt Hunger leiden. Vielmehr wird Fleisch so mehr und mehr zur Wegwerfware. Und das Leben eines Rindes wird noch weniger Wert sein als zuvor. Wer hätte gedacht, dass es da überhaupt noch eine Steigerung gibt. Außerdem ist das Thema Gentechnik, ob bei Tier oder bei Pflanze, schlicht und ergreifend nach wie vor nicht ausreichend erforscht. Die Nebenwirkungen sind nicht absehbar. Auch nicht beim Verzehr. Lebewesen einem solchen Risiko auszusetzen, ist Wahnsinn. Und vor allem Tierquälerei.

Naja, die Fabrik wird gebaut. Wir können nur hoffen, dass wir es schaffen, TTIP zu verhindern. Denn wenn das Klonen von Rindern einmal in den USA angekommen ist, könnten unsere Gesetze zu Klontieren auch schnell gekippt werden. Zusätzlich können wir uns auch aktiv gegen Gentechnik stark machen.

 

 

Credits: „von Natur aus neugierig“ von Daniel Stark ist lizensiert nach CC BY 2.0

 

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