Fair Wear Foundation (FWF)

Logo der Fair Wear Foundation (FFW)

Das Logo mit dem roten Kleiderhaken haben die meisten Leute, die sich für Fair Fashion interessieren, schon einmal in einem Kleidungsstück entdeckt. Es verrät uns, dass der Hersteller dieses Stücks Mitglied der Fair Wear Foundation (FWF) ist. Was genau dieses Siegel nun über das herstellende Unternehmen und dessen Produktionsbedingungen aussagt, wollen wir hier genauer unter die Lupe nehmen.

Die Fair Wear Foundation ist eine 1999 gegründete Non-Profit Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie zu verbessern. Unter anderem soll gegen Kindearbeit vorgegangen werden. Dazu arbeitet sie mit verschiedenen Marken, Fabriken, NGOs, Gewerkschaften und manchmal auch Regierungen zusammen. Immer mit dem Ziel vor Augen eine Verbesserung im Leben der Arbeiter in der Textilindustrie herbeizuführen.

Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation

Mitglied in der Fair Wear Foundation kann nicht nur der werden, wer bereits unter fairen Bedingungen produziert. Der Ansatz beruht vielmehr darauf, sich gemeinsam auf eine Reise in eine bessere Richtung zu machen. Einige Voraussetzungen gibt es allerdings schon. In Frage kommen bisher nur europäische Bekleidungsunternehmen, die zu mindestens 50% selber produzieren. Zu 50% muss davon in Ländern produziert werden, in denen die Fair Wear Foundation aktiv ist. Außerdem müssen potenzielle Mitgliedsunternehmen einen Jahresmindestumsatz von 2,5 Mio. € aufweisen können.

Bekannte Mitgliedsunternehmen der FWF sind beispielsweise das Jeanslabel Kings of Indigo und der Outdoorspezialist Deuter, aber auch die High End Modemarke Acne Studios sowie das Fast Fashion Unternehmen Takko gehören dazu.

FWF Organisationsstruktur

In der Fair Wear Foundation arbeiten NGOs, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften Hand in Hand zusammen und das auf allen Ebenen. Vom Entscheidungsgremium bis zur ausführenden Ebene werden durch diesen Multi-Stakeholder Ansatz alle verschiedenen Interessengruppen einbezogen. Zusammen bearbeiten die breit aufgestellte Organisation und Fairwear Label Themen wie existenzsichernde Löhne und Kinderarbeit.

Jährliche Performance Checks

Jedes Jahr kommen Vertreter der FWF in die Hauptgeschäftsstellen der Unternehmen, um deren Fortschritte des letzten Jahres zu prüfen und zu überprüfen, ob die Ziele, die im jährlichen Arbeitsplan festgelegt wurden, erreicht werden konnten. Entsprechend dieses Performance Checks werden schließlich Punkte vergeben. Dabei wird auch die Länge der Zugehörigkeit zur FFW mit einbezogen, da ein Label, welches bereits mehrere Jahre mit der FFW zusammenarbeitet bereits mehr Punkte erreichen können sollte, als eines, das zum ersten Mal überprüft wird.

Abhängig von der erreichten Punktzahl wird das Unternehmen entweder in die Kategorie „Leader“, „Good“ oder „Needs Improvement“ eingeordnet. Detaillierte Informationen zu der Bepunktung und Einordnung der Unternehmen findest Du hier. Unternehmen, die durch mangelnde Punktzahl zwei Jahre in Folge in die Kategorie „Needs Improvement“ fallen oder die Mindestanforderungen der Organisation nicht mehr erfüllen, werden aus der FFW ausgeschlossen.

Neben der erreichten Punktzahl und der zugeordneten Kategorie, wird auf der Website der Fair Wear Foundation außerdem zu jeder Marke ausgewiesen, wie viel Prozent ihrer Herstellstätten kontrolliert werden.

Zusätzlich zur Kontrolle des Managementsystems und und der Erfüllung des Arbeitsplans, werden auch die Fabriken von der FFW besucht. Auch außerhalb der Fabrik und dem Arbeitsbereich der Angestellten werden diese befragt, um eine realistische Möglichkeit zu geben auf Missstände aufmerksam zu machen. Kontrollen der Fabriken können auch unangekündigt durchgeführt werden. Daneben gibt es einen Beschwerdesystem, der es den Arbeitern ermöglicht problematische Situationen aufzuzeigen und lösen zu lassen.

Die Acht Kriterien der Fair Wear Foundation

Um die Situation in den Produktionsstätten der Unternehmen einschätzen zu können, hat die FWF acht Kriterien erstellt. Diese formulierten Kriterien beinhalten die wichtigsten Anforderungen, damit den Arbeitskräften in der Textilproduktion angemessene Bedingungen gewährleistet sind.

Freie Wahl des Arbeitsplatzes
Alle Mitarbeiter müssen sich aus freien Stücken zur Arbeit entschieden haben. Zwangsarbeit ist strengstens verboten.
Keine Diskriminierung von Arbeitskräften
Die Diskriminierung von Arbeitskräften auf Grund von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Religion, politischer Zugehörigkeit, Gewerkschaftszugehörigkeit, Nationalität, sozialer Herkunft, Mängeln oder Behinderungen ist auf allen Ebenen des Beschäftigungsverhältnis von der Rekrutierung über die Lohnpolitik bis zum Ruhestand oder der Beendigung der Beschäftigung zu unterlassen.
Keine Kinderarbeit
Es dürfen keine Kinder im schulpflichtigen Alter beschäftigt werden. Darüberhinaus beträgt das Mindestalter für eine Anstellung 15 Jahre. Kinder zwischen 15 und 18 Jahren dürfen keine Tätigkeiten ausüben, die ihre Gesundheit, Sicherheit oder Moral beeinträchtigen. 
Versammlungsfreiheit und das Recht auf kollektive Tarifverhandlungen
Es muss den Mitarbeitern gestattet sein Gewerkschaften zu gründen, diesen beizutreten und Tarifverhandlungen zu führen. In Fällen in denen die Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen gesetzlich eingeschränkt sind, sollten alternative Möglichkeiten zur freien Vereinigung und Verhandlung ermöglicht werden. Arbeitnehmervertreter dürfen nicht diskriminiert werden und ihnen muss der Zutritt zu allen Arbeitsplätzen ermöglicht werden, sodass sie ihrer Funktion nachgehen können.
Zahlung von existenzsichernden Löhnen
Die gezahlten Löhne müssen mindestens den gesetzlichen Mindestanforderungen und dem branchenüblichen Mindeststandard entsprechen. Außerdem müssen sie stets ausreichen, um die Grundbedürfnisse der Mitarbeiter und deren Familien zu befriedigen. Abzüge auf Grund von Disziplinarmaßnahmen sind verboten. Außerdem dürfen Abzüge niemals dazu führen, dass Mitarbeiter weniger als den Mindestlohn erhalten. Beschäftigte müssen transparent über ihre Löhne und deren Zahlungszeiträume informiert werden.
Angemessene Arbeitszeiten
Die Arbeitszeiten müssen den gesetzlichen und industriellen Bestimmungen entsprechen. Arbeitnehmer dürfen nicht regelmäßig mehr als 48 Stunden in der Woche arbeiten und müssen mindestens alle sieben Tage einen Tag frei haben. Überstunden müssen freiwillig sein, dürfen 12 Stunden in der Woche nicht überschreiten und müssen stets mit einem Zuschlag vergütet werden.
Sichere, nicht die Gesundheit gefährdende Arbeitsbedingungen
Für ein sicheres und hygienisches Arbeitsumfeld muss gesorgt sein. Dazu müssen die jeweilige Branche und aufgabenspezifische Gefahren einbezogen werden. Es müssen angemessene Vorschriften erlassen werden, damit Unfälle vermieden und Gesundheitsrisiken soweit wie möglich minimiert werden können. Darüber hinaus sind körperlicher Missbrauch und dessen Androhung, außergewöhnliche Strafen, sexuelle und andere Belästigungen und Einschüchterungen durch den Arbeitgeber strengstens verboten.
Rechtsverbindliche Arbeitsverträge
Verpflichtungen dem Arbeitnehmer gegenüber, die sich aus Arbeits- und Sozialgesetzen ergeben, dürfen nicht durch Arbeitsverträge ausgehebelt werden. Jungen Mitarbeitern sollte der Zugang zu Bildung und Ausbildungsprogrammen gewährleistet werden.

Bedeutung des Siegels für den Verbraucher

Nur Fair Wear Members mit dem Status „Leader“ dürfen das Logo auf ihre Produkte, deren Verpackungen und direkt neben Abbildungen der Kleidungsstücke auf Websites und Druckmaterialien platzieren. Damit garantiert die Organisation, dass nur die Mitglieder, die die Mindestpunktzahl erhalten und somit bereits einen guten Standard in ihrer Textilproduktion erreicht haben, mehr als nur ihre Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation kommunizieren.

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