Die Zustände auf Teeplantagen: Die Wahrheit schmeckt bitter

Für unseren Tee werden Menschen ausgebeutet und die Umwelt zerstört. Auch unsere Gesundheit können wir damit gefährden. Warum wir für Tee lieber ein bisschen mehr zahlen sollten…

Diesmal ist es nicht der Kaffeekonsum der Deutschen, auf den ich es abgesehen habe. Das geht jetzt an die TeetrinkerInnen unter uns, zu denen ich mich auch zähle: Kauft keinen Billig-Tee!

Warum? Weil auf den Teeplantagen in Kenia, Indien, Sri Lanka und China unzumutbare Zustände herrschen und weil für diesen Tee mit Monokulturen und Pestiziden die Umwelt zerstört und die Gesundheit unzähliger Menschen aufs Spiel gesetzt wird.

Ausbeutung und Armut für eine Tasse Tee

80 % der globalen Teeproduktion haben drei Konzerne, nämlich Unilever, Tata Tea und Twinings fest im Griff. Unilever ist weltweit einer der größten Hersteller von Verbrauchsgütern, beim Tee gehört die Marke Lipton dazu. Diese Konzerne diktieren die Preise und Produktionsbedingungen und die sind mehr als skandalös.

Eine aktuelle Studie des katholischen Hilfswerk Misereor prangert unzumutbare Arbeitsbedingungen auf Teeplangtagen an. Dazu gehören unter anderem die Verweigerung von Gesundheitsvorsorge und subventionierten Lebensmitteln, mangelnde Wasserversorgung, schlechte Unterkünfte, sexuelle Belästigung und  mangelnder Arbeitsschutz beim Sprühen von Pestiziden.

Zusätzlich werden die ArbeiterInnen davon abgehalten, Gewerkschaften beizutreten. Die Löhne befinden sich weit unter dem Existenzminimum, was dazu führt, dass in fast allen Teeanbaugebieten 30 % der Kinder unterentwickelt sind. Die ArbeiterInnen sind unterernährt, von zwei Teeplantagen weiß man, dass dort im Laufe der Zeit insgesamt 61 Menschen verhungert sind.

Laut der Misereor-Studie belaufen sich die Arbeitskosten der Teepflücker auf etwa einen Prozent des Verkaufserlöses. Tatsächlich sind sie deutlich niedriger.

Bitterer Tee

Mit den gesundheitlichen Aspekten hat sich 2013 eine NDR-Reportage beschäftigt. Die Reporter reisten 2013 nach Kenia, um die Arbeitsbedingungen und den Umgang mit Pestiziden auf den Plantagen näher unter die Lupe zu nehmen.

Die Reportage „Bitterer Tee“ zeigt, wie die großen Unternehmen sich winden, wenn die Presse nachfragt und wie Pestizide, Herbizide und Insektizide großzügig mit Sprühflugzeugen über der gesamten Plantage verteilt werden.

Einige Stellen der Reportage sind verstörend. In einem Krankenhaus trauen sich die MitarbeiterInnen zum Beispiel nicht, Auskunft über die Gesundheitszustände von ArbeiterInnen einer Unilever-Plantage zu geben.

Schließlich übergibt ein Arzt den Reportern anonym eine Liste mit Krankheiten, die bei den PlantagenarbeiterInnen am häufigsten auftreten: Hautausschlag, Lungenentzündungen und Atemwegserkrankungen. Alles Folgen von den Pestiziden, die tagtäglich versprüht werden.

Diese Pestizide sind nicht nur umweltschädlich, sondern können auch für die EndverbraucherInnen gefährlich werden. In allen Nicht-Bio-Teesorten konnten Insektizide und Herbizide nachgewiesen werden. Zwar ist die Menge unter dem vorgeschriebenen Grenzwert, allerdings sind es meist mehrere Arten von Chemikalien, deren Kombination bedenklich ist.

Gegen Ausbeutung und Umweltzerstörung!

Wichtig ist nun also, dass nicht nur, wie ich es sonst immer fordere, alle KaffeetrinkerInnen darauf achten, was in ihrer Tasse landet, sondern auch die TeeliebhaberInnen.

Auf jeden Fall sollte der Tee, den wir kaufen, immer Bio sein. Die Bio-Zertifizierung verbietet den Einsatz von gefährlichen Spritzmitteln und Düngern. Außerdem sollte unser Tee fair gehandelt sein, um erträglichere Arbeitsbedingungen garantieren zu können.

Auf Utopia werden außerdem noch die Siegel GEPA, El Puente, Teealternative und Teekampagne genannt. Auf die sollten wir  in Zukunft verstärkt achten, damit wir unseren Tee guten Gewissens trinken können.

 

Credits:  ©  cook_inspire / Adobe Stock

 

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