Der stumme Schrei der Fische

Fische sind keine Säugetiere und in jeder Hinsicht anders als wir Menschen. Deswegen fällt es uns auch so schwer, ihnen Intelligenz und Schmerzbewusstsein zuzugestehen. Zu Unrecht…

Menschen fressen zwar Unmengen an Fleisch und nehmen dafür den Tod unzähliger Tiere in Kauf. Aber wenn wir dann wirklich mal so einem Ferkel oder einem Lämmchen in die Augen sehen müssen, fällt es uns meist schwer diesem Tierchen das Leben zu nehmen.

Das ist ganz normal, weil es eben Säugetiere sind, mit denen es leicht ist, sich zu identifizieren. Essen tun wir sie trotzdem. Das wurde uns so antrainiert. Bei Tieren gibt es für uns nämlich eine klare Hierarchie.

Pferde und Hunde zu essen ist zum Beispiel barbarisch. Während das Essen von Schweinen und Rindern klargeht. Sehr zu empfehlen ist zu dem Thema ein Artikel auf sueddeutsche.de über die Psychologie des Fleischkonsums.

Bei dieser von Kultur zu Kultur unterschiedlichen, aber immer recht willkürlich anmutenden Hierarchie stehen immer die selben Tiere ganz weit unten: Fische.

Die stillen Reflexmaschinen mit dem 3-Sekunden-Gedächtnis

So werden Fische von uns wahrgenommen. Und deshalb ist es sogar für manche Vegetarier immer noch okay Fisch zu essen, da es kein Fleisch ist und nicht von Tieren stammt, die ein Bewusstsein, geschweige denn ein Schmerzempfinden haben. Aber wo nehmen wir diese Behauptung eigentlich her?

Zuerst einmal wurde das mit dem 3-Sekunden-Gedächtnis bereits widerlegt. Fische sind lernfähig und können Dinge teilweise jahrelang im Gedächtnis behalten. Der Joke mit dem Goldfisch im Glas, der sich alle drei Sekunden lang erneut über seine Umgebung freut, ist also ziemlich aus der Luft gegriffen.

Gedächtnis alleine bedeutet zwar nicht gleich Intelligenz, allerdings wurde in unterschiedlichsten Tests herausgefunden, dass die Tiere durchaus kognitive Fähigkeiten und soziales Denkvermögen besitzen. Fische haben sogar eigene Persönlichkeiten mit unterschiedlich ausgeprägten Eigenschaften.

Soweit so gut. Dass man ihnen trotz allem kein Schmerzbewusstsein zugesteht, liegt nicht nur daran, dass sie keine Schreie ausstoßen können, sondern, dass ihnen ein wichtiger Bestandteil im Gehirn fehlt: Ein Teil der Großhirnrinde, Neokortex genannt.

Der Neokortex ist bei Menschen und anderen Säugetieren für das Bewusstsein zuständig und eben auch für das Schmerzempfinden. Also, logisch: Kein Neokortex, keine Schmerzen.

No brain, no pain…

So einfach ist das, wenn man es so will, um kein schlechtes Gewissen beim Sportangeln haben zu müssen. Immerhin wäre es eine Katastrophe für alle Catch and Release-VerfechterInnen, wenn sich plötzlich herausstellen würde, dass Fische sehr wohl Schmerzen empfinden. Sie wären plötzlich TierquälerInnen.

Das Problem ist nur: Das Argument mit dem fehlenden Neokortex ist ziemlich fragwürdig und sollte eigentlich gerade für WissenschaftlerInnen keines sein, da inzwischen klar ist: Nicht alle Lebewesen nutzen ihr Gehirn auf dieselbe Art und Weise.

Ein gutes Beispiel dafür sind Vögel, die nach heutigem Stand der Wissenschaft als extrem intelligent gelten. Vogelhirne sind anders aufgebaut als die von Säugetieren und ihnen „fehlen“ sogar einige Teile.

Wenn wir streng nach der vorher genannten Argumentation gehen würden, sollten Vögel gar nichts sehen können, da sie ganz andere Bereiche im Hirn nutzen, um optische Reize zu verarbeiten…

Dass unser Hirn als Maßstab für alle Lebewesen gilt, ist eigentlich ziemlich ignorant und zeigt, wie wenig Menschen in der Lage sind, andere Lebewesen als gleichwertig zu akzeptieren. Wer kann uns denn garantieren, dass das bei den Fischen nicht auch einfach so läuft, dass ein anderer Teil des Gehirns die Funktion des nichtvorhandenen übernimmt und sie sehr wohl Schmerzen empfinden?

Noch ist leider immer noch nicht wissenschaftlich belegt, ob Fische nur reflexartig reagieren oder ein Schmerzbewusstsein haben. Allerdings wurde in unterschiedlichen Experimenten der Verdacht auf zweiteres bereits erhärtet.  Bei diesen Experimenten zeigten Fische unter Schmerzeinfluss die selben Reaktionen wie Säugetiere.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht so genau, was uns überhaupt noch daran zweifeln lässt, dass Fische, was Bewusstsein und Schmerzempfinden angeht, den Säugetieren in nichts nachstehen. Wahrscheinlich liegt es mal wieder daran, dass sie eine wichtige Menschenregel nicht befolgen: Nur wer laut genug schreit, wird gehört.

 

 Credits: „The Biggest Fish In The Tank“ von Alexander Boden ist lizensiert nach CC BY-SA 2.0

 

 

 

 

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