Das Problem Plastiktüte: Die Lösung ist uns leider zu anstrengend

Baumwollbeutel und Papiertüten sind schlimmer als Plastiktüten und die kompostierbaren Plastiktüten haben die schlechteste Ökobilanz. Und was bedeutet das jetzt für uns? Vermutlich das Anstrengenste von allem: den Kopf einschalten.

Vor ein paar Tagen habe ich´s wieder gehört und zwar bei der NDR-Sendung „Markt“.  Baumwollbeutel sind in der Herstellung weit umweltschädlicher als Plastiktüten. Dasselbe gilt für Papiertüten und erst recht für Kunststofftüten aus nachwachsenden Rohstoffen und biologisch abbaubare Plastiktüten.

Baumwolle und Papier: Gar nicht mal so toll.

Baumwolltaschen sind für uns ja der Inbegriff von Öko. Weil man die nämlich so oft benutzen kann. In der Herstellung sind sie allerdings nicht so toll.

Zur Herstellung wird viel Wasser benötigt. Außerdem wächst Baumwolle meist in Regionen, in denen Wasser sowieso knapp ist und es werden viele Pestizide, Herbizide und Düngemittel benutzt.

In dem NDR-Beitrag lernen wir von einem Herrn von der deutschen Umwelthilfe, dass man eine Baumwolltasche mindestens 20mal benutzen muss, damit sie umweltfreundlicher ist als die Plastiktüte.

Bei Papiertüten ist das Problem, dass sie extrem viele Chemikalien benötigen, um reißfest zu sein. Die muss man mindestens zweimal benutzen, damit sie nicht so scheiße sind wie Plastik.

Und die Bioplastiktüten sind sowieso scheiße. Sie sind meist aus Polyethylen, das aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais und Zuckerrohr gewonnen wird. Der Anbau belastet die Umwelt und belegt Ackerflächen, die für Wichtigeres genutzt werden könnten.

Gehört die Zukunft den Plastiktüten?

Natürlich nicht. Um das mal vorweg zu nehmen. Ich habe mir mal eine Publikation des Umweltbundesamtes über Plastiktüten (Stand: April 2013) durchgelesen.
Im Schnitt verbraucht ein/e Europäer/in 198 Plastiktüten im Jahr.

Dieser Schnitt setzt sich allerdings aus extrem unterschiedlichen Zahlen zusammen. In Irland muss seit 2010 eine Abgabe auf den Vertrieb von Plastiktüten bezahlt werden und so sank die Zahl von 328 Stück pro Nase auf 18 Stück. Zack, bumm. So soll´s sein.

In Deutschland sind es jährlich 71 Sück pro Person, in Bulgarien 421. Also ganz schön schwierig, das Ganze europaweit zu betrachten.

Es werden in dieser Publikation mehrere Lösungsansätze angeführt:

  • Das Ersetzen von Plastiktüten durch Papiertüten (keine eindeutigen Vorteile in der Ökobilanz),
  • Verbot von Plastiktüten (für Länder, die keine hoch entwickelte Abfallwirtschaft haben und/oder aufgrund von anderen Faktoren große Probleme mit Plastiktüten haben)
  • Verhinderung bzw. Reduzierung der kostenlosen Abgabe
  • Förderung von Plastiktüten mit einem Recyclatanteil (wieder ein neues Wort gelernt…) von 80 Prozent.

In der Publikation wird die Lösung der Plastiktüte mit einem Recyclatanteil von 80 Prozent, also die mit dem blauen Engel, als die Beste dargestellt. Und warum nochmal kein Verbot von Plastiktüten bei uns? Davon steht da leider irgendwie nix.

Lieber Zugeständnisse machen als Umzudenken?

Alles, was ihr gerade hier gelesen habt, sind Lösungsansätze, die sich den momentanen Zuständen und den Gewohnheiten der Menschen anpassen. Ist ja auch irgendwie okay. Realistisch denken und so.

Das Problem ist aber doch: Plastik ist scheiße für die Umwelt. Die Plastiktüten werden aus fossilem Rohöl hergestellt, was die Vorräte endlicher Ressourcen immer weiter erschöpft. Die CO2-Emissionen des globalen Jahresverbrauchs werden auf 60 Millionen Tonnen geschätzt.

Plastik hat eine enorm lange Abbauzeit, wenn es nicht ordnungsgemäß entsorgt wird. In Europa wird nicht einmal jede 10. Plastiktüte recycelt. Das heißt, dass bei 9 von 10 Tüten Rohstoffe verloren gehen und im schlimmsten Fall die Umwelt noch zusätzlich verschmutzt wird, weil sie nicht einmal im Restmüll sondern in der Natur und schließlich im Meer landen.

Meinetwegen haben Baumwollbeutel in der Herstellung eine schlechtere Ökobilanz, allerdings würden wir sie zwangsläufig nicht nur zwanzig, sondern mindestens hundertmal verwenden, wenn wir keine Plastiktüten hätten.

Mit diesem „Plastiktüten sind aber praktisch wenn man die Tragetasche vergessen hat“-Argument sollten wir einfach nicht mehr ankommen können. Wenn du deine Tragetasche vergessen hast, musst du dir halt was einfallen lassen. So. Und das nächste Mal hast du die Tragetasche schon nicht mehr vergessen, weil du dich nämlich daran gewöhnt hast.

Wenn es um Plastiktüten geht, werde ich so richtig stammtischmäßig radikal. Aber weil ich mir eben denke: Wir pumpen Kohle in die Forschung, um irgendwelche biologisch abbaubaren Plastiktüten aus nachwachsenden Rohstoffen zu entwickeln und ziehen nicht einmal die einfachste Lösung in Betracht: Einfach selber mal umdenken.

Anfangen konsequent zu recyceln und  dann Plastiktüten verbieten. „Aber das wird einem dann so aufgezwungen. Und das schränkt mich so in meinem Alltag ein.“ Ach buhu, du wirst es überleben. Die Umwelt muss auch seit Ewigkeiten Zugeständnisse machen. Jetzt sind wir halt mal dran. (Stammtischrede beendet. Prost!)

 

Credits: „Plastikmüll am Meer“ von sebastiankauer, Lizenz: CC BY-SA 2.0

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