Arthelps: Wie man mit Kunst helfen kann

Projektbild von ARTHELPS in einer brasilianischen Favela
Mit Kreativität Menschen in Not zu helfen, kann man sich vielleicht erstmal nicht wirklich vorstellen. Doch ARTHELPS, eine Initiative von Kreativen und Künstlern, beweist, dass es möglich ist. Yasemin und Thomas Lupo erklären uns wie es funktioniert.

 

Tom, Du hast gemeinsam mit Yasemin ARTHELPS gegründet. Was hat Dich persönlich dazu bewegt diesen Weg zu gehen?

Tom: Nach meinem Studium hätte ich eigentlich bei JUNG v. MATT direkt einen Vertrag gehabt, aber mir war schon während meines Studiums klar, dass ich nicht für Werbung leben und arbeiten möchte. Werbung, das ist oft eine „unechte Welt“. Du schaffst Dinge, die am Ende des Tages nicht viel mit der Realität zu tun haben. Aber ich habe bei JUNG v. MATT auch nicht wirklich als Werber gearbeitet, sondern war in der Designabteilung für „das Schöne“ zuständig. Im Prinzip war es mir einfach wichtig, dass ich meine Fähigkeiten, das was ich gelernt und studiert habe, so einsetze, dass auch andere Menschen davon profitieren. Deshalb habe ich immer schon die Überlegung im Hinterkopf gehabt, wie ich Design und das Schöne mit dem Guten verbinden kann.

Wie ging es denn dann weiter, wenn es nicht der Weg in die Werbung sein sollte?

Gründer Tom

Tom: Als Yasemin und ich auf unserer Hochzeitsreise in Brasilien waren, da war nach außen hin immer alles super toll, aber mich hat die Parallelwelt dort viel mehr interessiert. Ich hatte die ganze Zeit das Bedürfnis diese andere Welt kennenzulernen, wirklich in die Favelas zu gehen. Dabei wollte ich gerne ein Teil dieses sozialen Milieus werden, dort leben, wirklich von morgens bis abends vor Ort sein und ein Kreativprojekt durchführen.

Allerdings waren wir zu dem Zeitpunkt gerade erst frisch verheiratet, weshalb ich Yasemin erstmal gefragt habe, ob es in Ordnung wäre, wenn ich zwei bis drei Wochen alleine in die Favela gehe.

Gründerin Yasemin

Yasemin: Aber ich fand, dass es mehr Sinn ergibt, wenn er direkt mehrere Monate hingeht. Ich hatte selber sehr jung eine Zeit, zu der ich mit Hilfsorganisationen im Ausland unterwegs war. Dadurch hatte ich schon die Gelegenheit, um dort Dinge zu entdecken und ich dachte, dass es gut wäre, wenn Tom auch einfach mal ein halbes Jahr für sich hat, wo er herausfinden kann, wie es mit den Ideen, die er im Kopf hat, weitergehen kann.

 

Und in der Zeit hat sich dann die Idee zu ARTHELPS entwickelt?

Yasemin: Wir haben nachdem Tom das erste Projekt in der Favela gemacht hat, festgestellt, dass man auch mit Kreativität helfen kann. Die Hilfskonzepte, die ich mir früher schon mal angeschaut hatte, passten alle irgendwie nicht so richtig zu mir und deshalb haben wir das dann kombiniert. Tom kann mit seiner Kreativität helfen und ich einfach rein praktisch.

Tom: Ganz konkret war es so, dass ich in dem Buch „Anleitung zum Ausbrechen“ alles was ich mit den Kids in Brasilien erarbeitet habe, zusammengetragen habe und damit dann überraschenderweise sämtliche Preise bis hin zum deutschen Fotobuchpreis in Gold gewonnen habe. Das hat mir gezeigt, dass ich Aufmerksamkeit auf etwas lenken kann und zwar nicht durch Mitleid, sondern dadurch die Menschen zu begeistern und zu zeigen wie viel Potential in den Menschen steckt, wenn man in sie investiert.

Damit habt Ihr das Konzept von ARTHELPS ja eigentlich schon erklärt, vielleicht könnt Ihr das noch einmal kurz und knapp auf den Punkt bringen.

Yasemin: Im Prinzip arbeiten wir mit einem Kreislauf. Wir gehen an einen Ort und machen dort einen Workshop, mit dem wir letztendlich Gelder generieren, die wir dann wieder am Entstehungsort einsetzen.

Ein gutes Beispiel dafür ist unsere Kampagne in der Favela in Brasilien 2014. Dort haben wir zur Fußball WM einen Workshop gemacht und T-Shirts entworfen. Mit den Geldern aus dem Verkauf der T-Shirts und zusätzlichen Spenden ist dort eine Englischschule entstanden, die seit 2015 geöffnet ist und nach wie vor getragen wird. Nach diesem Prinzip versuchen wir alle Projekte umzusetzen. Dabei sehen die Projekte an sich dann immer unterschiedlich aus, aber der Kreislauf ist immer der gleiche.

Euer aktuelles Projekt heißt UN/HIDE. Dafür wart Ihr im Irak in einem Flüchtlingscamp. Was habt Ihr dort gemacht?

Tom: Wir haben ja parallel schon in Deutschland mit der Flüchtlingsarbeit begonnen. Wir haben hier vor Ort schon ganz viel mit Flüchtlingen gemacht, aber ich hatte immer das Bauchgefühl, dass wir auch mal vor Ort sein müssen. Also, dass wir direkt im Irak in die Camps müssen, dahin wo die Leute noch viel weniger Möglichkeiten haben. Und dann sind wir mit einem Team los und haben angefangen mit den Menschen zu zeichnen und zu malen. Haben ihnen Aufgaben gegeben, wie zum Beispiel „Versucht mal ganz tief in euch reinzuhören und versucht mal euren Träumen, euren Wünschen eine Form oder ein Symbol zu geben und es zu zeichnen.“

Zum Beispiel gab es dann Malek, der Musiker werden möchte und eine Gitarre gemalt hat. Andere haben Tiere gemalt, die sie an ihre Heimat erinnern oder auch Haustiere, an denen sie hängen, aber die sie hinterlassen mussten auf der Flucht.

Und was ist dann diesmal aus diesen Zeichnungen entstanden?

Tom: Wir haben das direkt vor Ort mit ihnen zusammen am Laptop digitalisiert. Das heißt wir konnten auch direkt noch zeigen, wie man aus so einer Zeichnung eine Grafik machen kann. Am Ende hatten wir dann ganz viele Grafiken und haben aus diesen ein Camouflagemuster entwickelt. Das Muster war dann unser Medium, das wir genutzt haben für die nächste Kollektion, die UN/HIDE Kollektion und jetzt gibt es Taschen und T-Shirts aus diesem Muster.

Wie war denn die Stimmung dort vor Ort?

Tom: Die Leute haben sich unglaublich gefreut, dass da Menschen aus Deutschland kommen. Teilweise sind die Menschen viele Monate oder Jahre in diesen Camps und sie sind da wirklich eingezäunt und können gar nicht groß raus. Sie wissen auch nicht wie es weitergeht danach oder wo sie hinkönnen. Sie haben leider null Perspektive. Da ist das natürlich genial, wenn Leute kommen, die wirklich Zeit mitbringen und mit ihnen kreativ spielen.

Und was sind Eure Pläne für die Zukunft?

Yasemin: Zukünftig möchten wir auch gerne in Stuttgart selbst Räumlichkeiten beziehen, in denen wir als ARTHELPS nochmal anders wahrgenommen werden können. Dadurch können wir auch innerhalb der Stadt ein Anlaufpunkt sein, an dem regelmäßig Workshops stattfinden und wo andere vorbeikommen können. Natürlich auch als Treffpunkt mit anderen Organisationen und Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten und als Ort an dem unsere Produkte auch außerhalb des Onlineshops sichtbar sind.

Das heißt, wer Euch unterstützen möchte, könnte das unter anderem durch die Hilfe auf der Suche nach Räumlichkeiten tun?

Yasemin: Ja, zum einen würden wir uns freuen, wenn uns jemand geeignete Räumlichkeiten in der Stadt zur Verfügung stellen kann. Zum anderen freuen wir uns natürlich auch über jeden, der Lust hat mitzuwirken. Kreative genauso wie nicht kreative. Manche denken, dass sie bei uns nicht mithelfen können, weil sie nicht kreativ sind. Es geht immer. Ich bin auch nicht kreativ. Es braucht auch Leute, die andere Qualifikationen haben. Letztendlich kann jeder mithelfen.

Dann kann man natürlich auch spenden. Das kommt unserer Arbeit ebenso zugute. Bei vielen Projekten haben wir Sponsoren, die die Sache einmalig mittragen. Toll ist es aber natürlich auch Fördermitglied bei uns zu werden und unsere Arbeit damit langfristig zu unterstützen.

Und natürlich auch durch den Kauf unserer Produkte

Vielen Dank, dass Ihr so ausführlich über Eure Initiative berichtet habt. Wir drücken die Daumen, dass sich bezüglich einer Location in Stuttgart zeitnah etwas ergibt.

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