Walmassaker auf den Färöern: Töten mit Tradition

Auf den Färöer-Inseln sterben wieder hunderte Wale und Delfine, wie jedes Jahr, einen grausamen Tod. Gerechtfertigt wird die blutige Waljagd wie so oft mit der uralten Tradition…

Juni und August sind die Monate, in denen das Gemetzel seinen Höhepunkt erreicht: der Grindadráp, die Tradition der Jagd auf Grindwale auf der vulkanische Inselgruppe im Nordatlantik zwischen Schottland und Island. Durchschnittlich sterben dabei jährlich 1000 Meeressäuger.

Blutiges Fest

Beim Grindadráp werden vorwiegend Grindwale und Kurzflossen-Grindwale gejagt, aber auch Große Tümmler, Atlantische Weißschnauzendelfine, Atlantische Weißseitendelfine und Schweinswale fallen der Hetzjagd zum Opfer. Um ihre Kälber zu gebären, kommen viele Wale in warme Gewässer um den Äquator herum und wandern dann an den Färöern vorbei in die nahrhaften Gewässer von Svalbard und der Arktis.

Wird eine Walschule in der Nähe der Küste gesichtet, beginnt das blutige Volksfest: Angestellte bekommen frei und Kinder dürfen die Schule verlassen, um bei der Walhatz mitzumachen.

Die Inselbewohner treiben die Walschulen, also Gruppierungen von 10 bis 50 Walen, mit Booten ins seichte Gewässer bis die Tiere stranden. Dann werden Halsschlagader und Rückenmark mit einem Messer durchtrennt. Wale, die noch nicht gestrandet sind, werden an einem Haken, der in ihr Blasloch gerammt wird, an Land gezogen und dann getötet.

Danach wird das Fleisch unter den InselbewohnerInnen aufgeteilt, allerdings bleibt es nicht selten auch einfach am Strand liegen und verrottet dort.

Im 16. Jahrhundert war die Jagd von Grindwalen auf den Färöern deshalb wichtig und sinnvoll, weil Walfleisch tatsächlich ein großer Bestandteil der Ernährung war. Inzwischen haben die FäringerInnen (so heißen die BewohnerInnen) mit den höchsten Lebensstandart in Europa und brauchen kein Walfleisch mehr zum Überleben. Im Gegenteil…

Giftiges Fleisch

Das traditionsreiche Fleisch der Grindwale ist stark mit Schadstoffen belastet. So wurde bereits 2008 vom färöischen Gesundheitsamt bekannt gegeben, dass das Fleisch aufgrund zu hoher Mengen Quecksilber und anderer Schadstoffe nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist.

Die InselbewohnerInnen sind bereits mit Quecksilber vergiftet, das Essen von Walfleisch führt zu Bluthochdruck und einem schwachem Immunsystem, einer Zunahme von Parkinson-Erkrankungen, Kreislaufstörungen und möglicher Unfruchtbarkeit. In der Schwangerschaft führt es zu Hirnschäden beim Kind.

Der Verzehr von Grindwalfleisch kann also lebensbedrohlich sein. Aber viele InselbewohnerInnen wollen davon nichts wissen. Und ein Eingeständnis hätte tatsächlich fatale Folgen: Es würde bedeuten, dass Die getöteten Grindwale nicht verwertet werden können und der makabren Hetzjagd würde jegliche Legitimation fehlen.

Träge Politik

In der EU ist das Töten von Walen verboten, so auch in Dänemark, unter dessen Krone die Färöer stehen. Allerdings gehören die Färöer-Inseln nicht zur EU und besitzen eine weitgehende Autonomie von Dänemark. Allerdings kontrolliert Dänemark trotzdem die Polizei, die Verteidigung, Außenpolitik und die Währung. Nur den Walfang scheinen sie nicht kontrollieren zu wollen.

Der Grindwal wird im zweiten Anhang der Berner Konvention als „strengstens geschützt“ klassifiziert. Er ist zwar noch nicht vom Aussterben bedroht, allerdings könnte das schnell passieren, wenn die Jagd nicht so bald wie möglich stark kontrolliert wird.

Sea Shepherd hat zusammengetragen, inwiefern Dänemark versäumt, seinen Verpflichtungen gemäß der Berner Konvention nachzukommen :

  • Auf den Färöern, welche zu Dänemark gehören, werden bewusst geschützte Arten getötet, die im Anhang II der Berner Konvention aufgelistet sind.
  • Obwohl die Färinger geltend machen, dass das Grind keine kommerzielle Jagd ist, wird Grindwalfleisch in Supermärkten, Hotels und Restaurants verkauft und somit auch anderen europäischen Besuchern der Inseln zugänglich gemacht.
  • Grindwale passieren färöische Gewässer auf ihren jährlichen Wanderrouten, um in die Arktis zu gelangen. Ein einziges Grind kann eine Schule extrem dezimieren und manchmal sogar völlig auslöschen. Dieses Abschlachten findet in dänischen Hoheitsgewässern und deren Nähe statt

Wie immer, wenn die Politik hinterherhinkt, können wir wenigstens versuchen, den Druck auf die Färöer Regierung zu erhöhen. Und das geht mithilfe der Tourismusbranche. Die Kreuzfahrt-Reedereien Aida Cruises und Hapag-Lloyd Kreuzfahrten haben bereits nach Protesten beschlossen, die Färöer-Inseln nicht mehr anzusteuern.

TUI Cruises will die Färöer-Inseln allerdings weiter anfahren. Hier könnt ihr eine SumOfUs-Petition unterschreiben, die TUI auffordert, keine Reisen mehr zu den Färöern anzubieten bis das blutige Walmassaker endlich verboten wird. Tradition darf kein Argument sein für sinnloses Abschlachten.

 

Credits: „Grindadráp 1942, Sámal Joensen-Mikines“ von Arne List ist lizensiert nach CC BY-SA 2.0; „Without a doubt man is the worst animal on the planet!“ von Laura Balc ist lizensiert nach CC BY-SA 2.0

 

 

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