Virtuelles Wasser: Das Wasser der Anderen

Virtuelles Wasser. Ein abstrakter Begriff, der etwas verharmlosend für das Wasser steht, das wir verbrauchen, obwohl es nicht unseres ist. Eine kleine Erinnerung daran, dass wir nicht nur beim eigenen Wasser sparen sollten.

Wir Deutschen müssen nicht sparen wenn’s um Wasser geht, wir haben mehr als genug davon. Und trotzdem tun wir’s. Aufpassen sollten wir aber nicht bei dem Wasser, das wir beim Wäschewaschen, Duschen und Spülen verbrauchen. Das Problem ist das Wasser, das wir gar nicht erst zu Gesicht bekommen. Das kommt nämlich aus dem Ausland. Und damit sind wir alles andere als sparsam.

„Virtuelles Wasser“

Der Begriff „virtuelles Wasser“ hat sich in den 90ern etabliert und stammt von dem britischen Wissenschaftler John Anthony Allen vom King’s College, der erstmals ermittelte, wie viel Wasser tatsächlich in unseren Produkten steckt. Und zwar vom ersten bis zum letzten Produktionsschritt.

Eine Tasse Kaffee enthält demnach, wenn man Wachstum, Herstellung, Verpackung und Versand der Bohnen mit einberechnet, 130 Liter Wasser. Das entspricht einer Badewannenfüllung.

Das problematische daran ist vor allem, dass Kaffee meist aus Regionen kommt, in denen Wassermangel herrscht, oder in denen das Wasser stark verschmutzt ist, wie in Äthiopien oder Brasilien. Dort werden die Kaffeeplantagen bewässert, also Wasser verbraucht und das Grundwasser verschmutzt.

Auch wenn es um Tomaten geht, benutzen wir gerne Wasser aus dem Ausland. Laut einer WWF-Studie über den Wasserfußabdruck Deutschlands bezog Deutschland im Jahr 2013 rund 180 000 Tonnen Tomaten im Wert von 250 Millionen Euro aus Südspanien, wo die Felder aufwendig bewässert werden müssen. Da nicht genug Grundwasser vorhanden ist, wird für viel Geld Meerwasser entsalzt.

Beitrag über virtuelles Wasser bei „Faszination Wissen“

Der Wasserfußabdruck

Der Water Footprint, also Wasserfußabdruck ist die Kalkulation unseres gesamten Wasserverbrauchs, also nicht nur das Duschen, Wäschewaschen oder Geschirrspülen, sondern auch noch die Gesamtmenge an Wasser, die für die Produktion von Gütern und Dienstleistungen benötigt wird.

Laut Umwelt-Bundesamt (UBA) betrug der Wasserfußabdruck von ganz Deutschland im Jahr 2013 ca. 117 Milliarden Kubikmeter. Das ist mehr als der zweienhalbfache Inhalt des Bodensees.

Global verbrauchen wir pro Kopf im Schnitt 3800 Liter am Tag. In Deutschland sind es im Schnitt 3900 Liter. Das sind täglich 26 Badewannen voll Wasser, von dem der Großteil nicht aus unseren Rohren stammt.

 

Wasser in unseren Kleidern

Auf eine Jeans kommen 10.800 Liter virtuelles Wasser. Schließlich braucht Baumwolle viel Wasser, bei einer Jeans 9350 Liter. Der Rest wird für die weiteren Herstellungsschritte verbraucht. Die Produktion von Kleidung macht also einen großen Teil unseres Wasserfußabdrucks aus.

Laut Schätzungen der Weltbank verursachen das Färben und die Behandlung von Textilien weltweit rund 20 % der industriellen Wasserverschmutzung. Allein in Pakistan hinterlassen deutsche Unternehmen jährlich durch den Import von Baumwolle und Textilien einen Fußabdruck von 5,46 Kubikkilometern.

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) stuft globale Wasserkrisen als eines der 5 weltweit größten  Risiken ein. Nach Schätzungen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) werden zur Mitte des 21. Jahrhunderts mehr als 40 % der Weltbevölkerung in Gebieten leben, in denen Wasserknappheit herrscht. Und auch die deutsche Wirtschaft wird laut WWF betroffen sein. „Von Reputationsschäden bis hin zu Standortschließungen.“

Da müssen wir als VerbraucherInnen mal weider ran. Wir haben nämlich mehr Macht als wir denken. Immerhin steuern wir mit unserer Nachfrage den Markt. Wir sollten also unsere Klamotten länger nutzen, weniger Lebensmittel wegwerfen und regionale und ökologisch produzierte Produkte kaufen.

Außerdem sollten wir uns von dem Begriff „virtuelles Wasser“ nicht in die Irre führen lassen. Es geht um echtes Wasser, das den Menschen in wasserarmen Regionen fehlt.

Auf virtuelles-wasser.de findet ihr eine Liste von Produkten und ihrem „virtuellen“ Wassergehalt.

Credits: „Cool water“ von Marc Wellekötter, Lizenz: CC BY 2.0

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