Vertical Farming: Die Steigerung von Urban Gardening

Für das Jahr 2050 rechnen die Vereinten Nationen mit einer Weltbevölkerung von 9 Milliarden Menschen. Und die müssen ernährt werden…
Ackerflächen sind nur begrenzt vorhanden, viele nicht mehr nutzbar wegen jahrelanger Bewirtschaftung. 1999 hatte Dickson Despommier, Professor an der New Yorker Columbia University die Idee von Vertical Farming, also urbane Landwirtschaft auf mehreren Etagen. Urban Gardening im großen Stil. Sieht so die Zukunft aus?

Auf der Homepage verticalfarm.com ist das Erste, was man sieht, ein YouTube-Video des US-Amerikaners Dickson Despommier, der auf charismatische und sehr amerikanische Art und Weise das Projekt anpreist. Simpel und effizient. Am Ende des Videos beschwört er uns, indem er dreimal den Satz „Life is good“ wiederholt.

Auch wenn mir diese Art von Pathos ehrlich gesagt immer auf die Nerven geht, gebe ich zu: Wir brauchen solche Menschen. Menschen, die, amerikanisch gesagt, groß denken und die Welt verändern wollen.

Wie realistisch die Idee ist, die der Professor sich zusammen mit seinen Studenten, inspiriert von den leerstehenden Hochhäusern Manhattans, ausgedacht hat, gilt es noch herauszufinden.

Erstmal hört es sich das ja schon gut an. Zumal es tatsächlich auch stimmt, dass wir mit steigender Population und Urbanisierung immer mehr Probleme haben werden, herkömmliche Landwirtschaft zu betreiben.

In den Niederlanden gibt es bereits Lebensmittel von einer Vertical Farm im Supermarkt zu kaufen. Für die ist das Konzept auch wie gemacht. Länder mit wenig Fläche und Länder, bei denen Landwirtschaft nicht möglich ist würden auf jeden Fall davon profitieren.

Bis jetzt allerdings erst noch im Kleinen: Die Vertical Farm in den Niederlanden geht drei Stockwerke unter die Erde, also quasi andersrum als gedacht. Die Firma PlantLab hat dort unzählige Nutzpflanzen angebaut. Mit großem Erfolg. Der Ertrag ist draimal so hoch wie der eines gewöhnlichen Gewächshauses.

Südkorea ist auch schon an der Sache dran. Dort herrscht vor allem die Angst vor Lebensmittelknappheit nach Naturkatastrophen.

Der Prototyp steht in der Stadt Suwon. Auf 450 qm werden Blattsalate angebaut. Vollautomatisch und ohne Pestizide, da keine Bakterien an die Pflanzen gelangen. Außerdem wird das Wasser vollständig recycelt.
Ökologisch und um ein Vielfaches ertragreicher als die herkömmliche Landwirtschaft. Außerdem kann das ganze Jahr über geerntet werden, da das Wetter keine Rolle spielt. Ist doch perfekt…

Wäre da nicht der klitzekleine Haken des fehlenden Sonnenlichts, das von Leuchtdioden ersetzt wird. Dies und die ganze andere Elektronik brauchen extrem viel Strom. Despommier will alles über erneuerbare Energien betreiben.

Diese Idee wird von Kritikern belächelt. Der Agrarforscher Stan Cox vom Kansas Land Institute hat ausgerechnet: Sollte die jährliche Weizenernte der USA nur mittels Vertical Farming und erneuerbarer Energien produziert werden, müsste der Sektor für erneuerbare Energien um das 400fache gesteigert werden. Sollte das stimmen, ist es tatsächlich noch ganz schön weit von einer Realisierung entfernt.

Hier das Video mit Dickson Despommier über Vertical Farming:

 

Credits: Titelbild: „…“ von Haldane Martin ist lizensiert nach CC BY 2.0

 

 

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