Urban Gardening auf dem Tempelhofer Flugfeld

In Berlin wird das Tempelhofer Flugfeld nicht nur als riesige Freizeit- und Sportanlage genutzt, sondern auch für einen Gemeinschaftsgarten in dem an die 900 Menschen gärtnern. Wie lange, steht noch in den Sternen.

Seit 2010 wurde der alte Flughafen Tempelhof mit seinem riesigen Flugfeld (um die 350 Hektar) zu einer der beliebtesten Freizeitflächen Berlins. Fast 2 Mio Besucher werden im Jahr gezählt.

Wenn man aus Stuttgart kommt, so wie ich, ist man es gewohnt, meistens einen freien Blick zu haben. Das liegt hauptächlich an den Bergen. Immer wenn ich eine Weile nicht mehr in der alten Heimat war und lange Zeit in Berlin verbracht habe, fällt es mir auf: Mir fehlt es, den Blick schweifen zu lassen und durchzuatmen.

In Stuttgart gehe ich dazu ein paar Meter weiter in die Weinberge. Und in Berlin gehe ich dazu seit 2010 ein paar Meter weiter auf das Flugfeld.

Eine weite, unbebaute Fläche. Zum Durchatmen perfekt. Cool ist es außerdem auch, weil alles so belassen wurde, wie es war. Das heißt, die breiten Rollfelder gibt es noch. Auf denen kann man Inlineskates, Skateboard und Fahrrad fahren. In der Mitte gibt es einzelne Wiesen, die nicht genutzt werde, dort ist Lebensraum entstanden für viele unterschiedliche Vögel und andere Tiere.

Durch die enorme Größe fungiert das Feld auch als Frischluftschneise für die Innenstadtbezirke. Das spürt man auch, wenn man auf dem Feld steht. Es ist quasi nie windstill dort.

Im alten Flughafengebäude sind immer mal wieder Messen und andere Veranstaltungen. Kleinere Open-Airs sind immer öfter im Sommer. Große Konzerte wie das Berlin Festival auch hin und wieder. Das Gute daran: Das Feld ist so groß, dass man sich dem locker entziehen kann, wenn man keinen Bock auf Trubel hat.

Das Allmende-Kontor ist auf der Neuköllner Seite am Eingang Oderstraße. Ein Gemeinschaftsgarten, der es in kürzester Zeit geschafft hat, dass 900 Menschen mitarbeiten und unzählige auf den Wartelisten stehen. Seit 2014 finanziert sich diieser Gemeinschaftsgarten komplett selbst.

Knapp über 300 Beete findet man dort. Der Boden darf nicht genutzt werden, das heißt, alles ist in Kisten oder Töpfen- anscheinend weil der Boden verseucht sei und dort viele alte Bomben vermutet werden. Gemunkelt wird aber auch, dass es daran liegt, dass der Senat keinen Bock hat, dass man sich zu sehr „verwurzelt“. Schließlich soll ja noch gebaut werden…

Dadurch wird die Kreativität allerdings nur noch weiter gefordert und alles wird als Behältnis für Pflanzen genutzt- sogar Schuhe. Am liebsten habe ich die selbstgebauten Hochsitze aus Holz. Inzwischen scheint dies eine Art Statussymbol zu sein.Wer hat den höchsten Hochsitz? Und manche scheinen da keine Grenzen zu kennen…

Eine Gruppe an Menschen bearbeitet immer eine bestimmte Fläche. Es gibt keine Parzellen, wie in Schrebergärten. Trotzdem sieht man, wo ein Gartenstück aufhört und wo eins anfängt.Durchlaufen darf jeder, der mag. Es gibt keine Zäune oder sonstiges.

Da das Flugfeld um 23 Uhr geschlossen wird, ist diese Grenzenlosigkeit innerhalb der Zäune des Flugfeldes sehr gut möglich.

Wie lange das Allmende-Kontor dort stehen bleiben wird, wird sich bald zeigen. Am 25. Mai findet der Volksentscheid zur Bebauung des Flugfeldes statt.

Nach Stuttgart 21 verursacht alleine das Wort „Bauprojekt“  bei mir schon Magenschmerzen. Beim Durchlesen der Broschüren, die man von den Aktivisten und Aktivistinnen  von „100% Tempelhofer Feld“ an den Eingängen ausgehändigt bekommt, wird klar: Zurecht. Wieder soll Geld rausgehauen werden für Prestigebauten und teure Wohnungen und einen Designerpark. Und den brauchen wir wirklich nicht, solange es sowas wie das Allmende-Kontor gibt.

Nun bleibt zu hoffen, dass diesmal der Volksentscheid so ausgeht, dass die von allen geliebte Frischluftschneise erhalten bleibt.

Eine Tempelhofer-Flugfeld-Version von  Pharrell Williams‘ „Happy“ gibt’s auch. Mit Allmende-Kontor. Zeigt ganz gut, wie toll es da ist.

 Credits: „“ von flohserver, Lizenz: CC BY-ND 2.0

 

 

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