Tiny House Movement: Downsizing als Lebensphilosophie

Die Tiny House Bewegung ist in Europa angekommen. Und das nicht nur Online. Inzwischen hat sich dafür sogar ein Markt aufgetan. Die Philosophie des Downsizing ist ansprechender denn je.

Mein Auto, mein Haus, meine Yacht. Wir wollen, dass man unseren Erfolg sieht. Und zwar an der Größe unserer Besitztümer. Es gilt: Je größer desto teurer, also besser. Vielleicht wird sich das aber bald ändern. Vielleicht wird bald nicht mehr die Größe eines Hauses, sondern das Design und die Effizienz das neue Statussymbol.

Bei den VerfechterInnen des „Tiny House Movements“ ist das bereits so. Sie propagieren  das Leben in kleinen Häusern. Zugunsten der Natur und der eigenen Zufriedenheit.

1997 veröffentlichte Sarah Susanka, eine englische Architektin, die in den USA lebt, das Buch  „The Not So Big House – A Blueprint For the Way We Really Live. Das wird von vielen als der Beginn der Gegenbewegung zum amerikanischen „Bigger is Better“ gesehen.

Die Idee von kleineren, aber dafür architektonisch durchdachteren Häusern stieß anfangs vor allem in Städten mit Platzmangel auf Begeisterung. Tokyo und Barcelona waren die ersten Städte, in denen Architkekten Minihäuser bauten. Nach den Verwüstungen von Hurricane Katrina entwickelte die amerikanische Designerin Marianne Cusato die Katrina Cottages mit 26,6 Quadratmetern Wohnfläche.

2002 wurde die Small House Society gegründet, die sich als Sprachrohr der Bewegung sehen und an der Entwicklung und Nutzung kleiner Wohnräume forscht.

Seit der Finanzkrise 2007 wuchs zwar das Bedürfnis nach Sparsamkeit und Sicherheit, allerdings ging das Bedürfnis von Geborgenheit und einem Zuhause dadurch nicht verloren. Durch das Tiny House Movement wurden die Köpfe endlich davon befreit, dass ein Haus groß sein muss, um wohnlich und schön zu sein.

Die Vereinfachung der Lebensführung ist der Grundgedanke. Downsizing. Wieder zurückkehren zu einem simpleren, ursprünglicheren Leben. Die Nähe zur Natur spielt dabei eine große Rolle. Ein kleines Haus braucht nicht nur weniger Platz, sondern auch weniger Energie. So findet man nicht nur die Nähe zur Natur wieder, sondern verringert den eigenen ökologischen Fußabdruck.

Das Bedürfnis findet sich nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Während man auf Design- und Architekturblogs schon seit einigen Jahren unterschiedlichste Entwürfe von Minihäusern findet, geht die eigentliche Bewegung in Europa erst jetzt richtig los.

Auf dem Gelände der Bauhaus-Universität in Weimar steht zum Beispiel seit zwei jahren die „Seelenkiste“, ein Minihaus, in dem Studenten bereits ihre Wochenenden verbrachten. Inzwischen gibt es auch ein Informationsportal über Wohnen auf kleinem Raum, auf dem man sich in jeder Form über Minihäuser informieren kann.

Hier in Deutschland haben wir sicherlich noch das Problem mit dem Wetter. Über die Hälfte des Jahres haben wir Scheißwetter. Und es ist sicherlich ziemlich ungeil dann tagelang in so einem Minihaus rumzuhängen. Lagerkoller vorprogrammiert. Erstmal ist das wohl eher was für EinzelgängerInnen oder Singles.

Man muss ja aber auch nicht gleich auf 10 Quadratmetern wohnen, aber vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass wir irgendwann einsehen, dass man in einem kleineren, gut designten Haus mindestens genauso glücklich werden kann wie in einem großen.

Bei tinyhouseeurope.com kann man sich Bausätze für Minihäuser, mit und ohne Räder, bestellen. 8.500 bis 10.300 Euro kostet ein Bausatz je nach Größe.

Sarah Susanka sagt ein paar coole Sachen über zukünftiges Wohnen:

 

Credits: © lowphoto / Adobe Stock

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