Strom und Nahrung in Einem mit Agro-Photovoltaik

In Deutschland steigt die Landnutzungskonkurrenz zwischen der Produktion von Solarstrom und der von Lebensmitteln immer mehr. Nun forscht das Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg an einem Kompromiss.

Schon in den 1980er Jahren hatte Adolf Goetzberger, der Gründer des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme (ISE), die Idee, zwischen höhergelegten Solarzellen, Kartoffeln und Gemüse anzubauen.

Zusammen mit dem Karlsruher Institut für Technologie und Agrarexperten der Uni Hohenheim in Stuttgart wollen die ISE-Forscher diese Idee umsetzen.

Biostrom und Gemüse am Bodensee

In der Region Bodensee-Oberschwaben steht auf ca. 6000 qm Ackerfläche der Demeter-Hofgemeinschaft Heggelbach Deutschlands erste Agrophotovoltaikanlage (APV). Mit einer Nennleistung von 190 kWp wurde sie im März in Betrieb genommen.

Damit die unter den Solarmodulen wachsenden Pflanzen genug Sonnenlicht abbekommen, beträgt der Abstand zwischen den Modulen 3,50 Meter, also einen Meter mehr als normalerweise üblich. Dadurch, dass sie Solarzellen auf langen Stangen befestigt sind und sich nicht am Boden befinden, ist auch für die Erntemaschinen Platz.

Hier ein Youtube-Video mit Bildern von einer Agrophotovoltaikanlage in Italien, damit ihr euch das besser vorstellen könnt. Am Besten schaut ihr es euch lautlos an, damit ihr euch nicht über die Mucke ärgern müsst…

Agrophotovoltaik als Kartoffelparadies

Eicke Weber vom ISE sagt: „Dieser Ansatz, Sonnenenergie auf der gleichen Fläche für Nutzpflanzen und für Solarstromproduktion zu verwenden, könnte sich zu einem weltweit interessanten Beispiel entwickeln“

Und für manche Früchte ist es sogar mehr als nur ein Kompromiss. Während manche Pflanzen so viel Sonneneinstrahlung wie möglich benötigen, sind Agrophotovoltaikanlagen laut Fraunhofer-Institut für bestimmte Feldfrüchte viel besser. Kartoffeln und bestimmte Salatsorten sollen bei verringerter Sonneneinstrahlung ertragreicher sein als auf einer freien Ackerfläche.

Einweihung der Agrophotovoltaik-Pilotanlage auf dem Gelände der Demeter-Hofgemeinschaft in Heggelbach

In der Region um Herdwangen-Schönach, wo die Agrophotovoltaikanlage steht, beträgt der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch mit 12 Prozent weniger als die Hälfte des Durchschnitts in Deutschland.

Das liegt unter anderem an den fruchtbaren Ackerflächen, die ungern für Ökostrom geopfert werden. Mit Windrädern haben die meisten Menschen ein rein optisches Problem, auch wenn die natürlich schön platzsparend sind. Solarmodule musste man bis jetzt immer am Boden installieren und damit eben wertvolles Ackerland aufgeben.

Erneuerbare Energien in Regionen bringen, in denen diese bis vor Kurzem noch kein großes Thema waren, das könnte durch die Forschungsarbeit des Fraunhofer-Instituts erreicht werden. Und damit würden sie uns ein ganzes Stückchen weiter bringen. Manchmal können ganz simple Ideen eben auch Großes bewirken.

 

Credits: Bilder von Fraunhofer ISE

 

 

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