Spaziergang durch die Drogerie: Geht’s auch ohne Verpackung?

Wir schreiben das Jahr 2021. Müllinseln, Mikroplastik, Klimakrise, all das sind keine Fremdwörter mehr und alle sind stets bemüht, sich mit diesen Themen irgendwie zu befassen. Schließlich ists ja nicht so schwer, im Supermarkt auch mal das unverpackte Gemüse zu wählen und die Äpfel im Mehrweg-Obstnetz nach Hause zu bringen. Wer’s richtig machen will geht direkt zum Wochenmarkt oder dem Unverpackt-Laden im angesagten Stadtviertel und organisiert den eigenen Vorratsschrank mit stylischen Aufbewahrungsgläsern zum Wiederbefüllen. Die Möglichkeiten, Lebensmittel unverpackt zu kaufen, scheinen mehr oder weniger in unseren Köpfen und Alltagsleben angekommen zu sein. Wie aber sieht es mit anderen Lebensbereichen aus? Stichwort Drogerie? Dieser Beitrag soll einen Überblick geben, wie vertreten das verpackungslose Einkaufen außerhalb von Lebensmittelbesorgungen momentan ist.

Vor circa sechs Jahren eröffnete der erste Unverpackt-Laden in Berlin, über den schon zu der Zeit in unserem Fair Fashion Blog berichtet wurde (hier). Die Debatte kam ins Rollen und uns fielen immer mehr vermeidbare Müllproduzenten in unseren eigenen vier Wänden auf. Viele nachhaltigen Alternativen wurden gefunden, getestet und für gut befunden, wie Du unter anderem hier nachlesen kannst. Doch die Ideen sind noch lange nicht zu Ende gedacht, denn oftmals waren Produkte des täglichen Bedarfs im Zero-Waste-Kosmos immer noch reine DIY-Sache. Im Internet kursieren unzählige Anleitungen und Rezepte für das selbstgemachte Deo, Putzmittel oder Haarpflegeprodukt. Das heißt keineswegs, dass diese Varianten nicht absolut super und vor allem extrem nachhaltig sind. Doch für alle unter uns, die nicht so gern in der Küche stehen, scheint es oftmals die schnellste Lösung, doch wieder in die Drogerie nebenan zu flitzen. Was dann im Einkaufskorb landet, hinterlässt ein leises, aber dauerhaft flüsterndes, schlechte Gewissen. Wie kann es auch sein, dass es immer noch so wenig Möglichkeiten gibt, plastikfrei oder gar unverpackt einzukaufen? Es lohnt sich, genauer hinzuschauen…

Kosmetik & Körperhygiene

Wenn uns eins tatsächlich schon länger aufatmen lässt, dann ist das der Markt an nachhaltigen, unverpackten und plastikfreien Kosmetik- und Hygieneprodukten. Haarseifen, wohlriechende Duschgel- und Shampoo-Taler oder feste Deocremes sind quasi schon Dauerbrenner in unseren Badezimmerschränken. Richtig cool wird es, wenn man mal betrachtet, was noch so alles geht. Gerade die Produkte, die wir jeden Tag brauchen, könnten doch eine nachhaltige, plastikfreie oder gar unverpackte Alternative vertragen. Das beginnt beim Zähneputzen! Schon seit langem gibt es innovative Lösungen wie feste Zahnpasta am Holzstiel, Zahnpasta oder -puder im Glastiegel oder auch lose Zahnputztabletten. Auch Zahnseide gibt es längst zero-waste und vegan-tauglich! Was die Rasur angeht, kann die billige Rasierschaumdose gerne auch im Nichts verschwinden, denn mit festen Rasierseifen ist Jede*r auch bestens bedient. Dazu noch ein schnittiger Rasierhobel und schon bleiben keine Fragen mehr offen. Es gibt wirklich für jeden Bereich in Sache Kosmetik & Körperhygiene nachhaltige Alternativen, und das sind so viele, dass ich nicht auf alle hier eingehen möchte bzw. kann. Ein Unternehmen, das schon lange solche Produkte entwickelt, wurde übrigens hier im Blog schon mal vorgestellt.

Waschen, Spülen & Putzen

Kommen wir zu etwas weniger “schönen” Lebensbereichen: Waschen, Spülen und Putzen mit möglichst geringer Müllproduktion. Oft wird bei dem ganzen Hype um nachhaltige Kosmetik ein bisschen vergessen, was da sonst noch so in unseren WGs, Zimmern, Wohnungen oder Häusern rumsteht und tagtäglich gebraucht wird. Mal ganz davon abgesehen, welche ätzenden Chemiekeulen herkömmliche Putz- und Waschmittel sein können, die dazu dank giftiger Dämpfe bei der Anwendung auch noch wirklich krank machen können, schon mal überlegt, wie viel Einweg-Plastik allein mit einzeln eingepackten Spülmaschinentabs verschwendet wird? Und das, obwohl die Lösung doch sooo nahe liegt? Lösungsvariante Nummer 1: Sparsam von Hand spülen und dafür entweder festes Spülmittel (handzuhaben wie ein normales Stück Seife) verwenden oder flüssiges Spülmittel in einer Unverpackt-Drogerie selbst abfüllen und damit loslegen. Lösungsvariante Nummer 2: Spülmaschinenpulver, das im Karton oder gar unverpackt erhältlich ist, oder unverpackte Spülmaschinentabs (ja, das gibts) nutzen. Generell sind Tabs nicht nur fürs Geschirrspülen in Gebrauch, sie sind gerade auch voll im Kommen für andere Anwendungsbereiche! Ob Allzweckreiniger, Badreiniger, Küchen- oder Glasreiniger, für fast alles sind mittlerweile unverpackte Tabs erhältlich, die aufgelöst mit Wasser in einer Sprühflasche langlebige Reiniger ergeben. So easy kanns sein. Wer lieber auf fertig gemixtes steht, kann diverse Reiniger sowie verschiedene Waschmittel in flüssiger Form auch in Unverpackt- und plastikfreien Drogerien selbst abfüllen. 

Du kennst keine Unverpackt- bzw. plastikfreie Drogerie in Deiner Nähe? Bald dürfte es Nachfüllstationen (mit Zapfanlagen-Prinzip) auch in herkömmlichen Drogerien in Deutschland geben, in Österreich sind solche wohl bereits zu finden. Da dort dann aber vorrangig die Produkte konventioneller Marken angeboten werden, ist diese Option nicht für Jede*n eine Lösung.

Schreibwaren & Spiele

Unverpackte bzw. plastikfreie Schreibwaren und Spiele? Zugegeben, das ist nicht das erste woran man denkt, wenn es um unverpackt einkaufen in der Drogerie geht. Doch schließlich bieten die meisten Drogerien auch Schreibwaren und Spiele an, die dann meistens aber aus Kunststoff bestehen oder dieses zumindest beinhalten. Deshalb gibt es Marken wie zum Beispiel pandoo, die nachhaltige Notizhefte, Stifte und viele Spieleklassiker herstellen. Auf jeden Fall einen Blick wert!

Es gibt sie, die plastikfreien und Unverpackt-Drogerieläden! 

Um eine Bilanz zu ziehen: Eigentlich gibt es alles aus dem Drogerie-Bedarf auch unverpackt oder zumindest plastikfrei. Die Frage bleibt nur noch, wie wir diese Möglichkeiten im Alltag aktiv wahrnehmen und den Schritt wagen, die in den vorgestellten Bereichen existierenden Alternativen auszutesten. Eine letzte Hürde bleibt schließlich noch: Die Frage, wo genau diese Produkte zu kaufen sind. Aber tatsächlich, es gibt solche Läden bereits, wie zum Beispiel die plastikfreie Drogerie “ohne PlaPla” in Stuttgart. Dort bieten Dir Marken wie zum Beispiel FAIR SQUARED, puremetics und Natural Care Ben & Anna verschiedene Produkte, die Dich bei der täglichen Müllreduktion unterstützen.


Foto-Credits: ©Robert Kneschke/Adobe Stock, ©Maya/GREENALITY, ©Monkey Business/Adobe Stock, ©Daisy Daisy/Adobe Stock

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