Risebox: Die Stadtfarm für zu Hause

Gemüseanbau und Fischzucht in einer Stadtfarm zu kombinieren ist nicht mehr ganz neu. Allerdings könnte es das auch bald in den eigenen vier Wänden möglich sein.

Neulich erst haben wir über das Projekt Tomatenfisch berichtet, dessen Wirtschaftlichkeit auf einer neuen Form der Landwirtschaft basiert: Der Aquaponik, die Kombination aus “Aquakultur” und “Hydroponik”, also Fischzucht und Gemüsekultur.

Aquaponik ist deswegen so cool und nachhaltig, weil die Ausscheidungen der Fische gleichzeitig das Düngemittel für das Gemüse sind. Das Gemüse wird also mit einer Nährstofflösung aus dem Fischbecken gegossen. Die Treibhausgase, die bei der Fischproduktion anfallen, werden von den Pflanzen in Sauerstoff umgewandelt.

Mit dieser Anbaumethode kann nicht nur der Wasserverbrauch um 90 % Wasser gesenkt werden, man braucht vor allem auch bis zu 70 % weniger Anbaufläche. Das macht das Konzept der Aquaponik perfekt für Urban Farming.

MDR-Beitrag über ECF-Farmsystems von 2015

Aquaponik für zu Hause

Nachdem in Berlin nun eine große Stadtfarm entstehen soll, die mit Fisch- und Gemüsezucht auch kommerzielle Erfolge erzielen will, hat sich ein französisches Jungunternehmen auch mit dem Konzept der Aquaponik beschäftigt und herausgefunden: Das geht auch von zu Hause aus.

Das Startup „Risebox“ steht mit der Idee, eine Fisch- und Gemüsezucht für zu Hause zu vertreiben noch ganz am Anfang. Nicolas Nardone und Adrien Thery, die beiden Gründer des Unternehmens, haben aber bereits einen Prototypen gebaut, der in Nardones Wohnzimmer steht.

Ein Schlauchsystem leitet das Wasser mit den Fischausscheidungen zu den Pflanzen, die in Tonkugelsubstrat wachsen, der das Ammoniak dann in Nitrit und Nitrat umwandelt, womit wiederum die Pflanzen gedüngt werden.

Also tatsächlich das, was in Berlin mit den Tomatenfischen gemacht wird, nur in klein. Kohl, Erdbeeren und Radieschen haben die beiden Jungs bereits geerntet. Mit den Erfahrungen, die sie dabei gemacht haben, entwickeln sie nun eine zweite, bessere Risebox.

Hier hat sich sich ein fleißiger Youtuber sein eigenes Aquaponik-Beet für den Garten selbst gebaut

Der Wermutstropfen: der Energieverbrauch

Sieben bis acht Monate dauert es laut der Franzosen bis ein Tilapiabarsch groß genug ist, um getötet und gegessen zu werden. In einem 200 Liter-Tank lassen sich Fische mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Kilogramm halten.

Insgesamt ließen sich nach eigenen Angaben 500 Gram Fisch im Monat züchten. Das ist wenig. Aber im Fokus steht ja auch nicht das Töten und Essen der Tiere, sondern ihr Beitrag zu einem Kreislaufsystem.

Immerhin soll die Produktivität der Pflanzen, verglichen mit herkömmlicher Landwirtschaft, um einiges größer sein. Die Stellfläche der Risebox von einem halben Quadratmeter entspricht einer Gartenanbaufläche von sechs Quadratmetern. Das ist beeindruckend.

Und wenn man in den Urlaub fahren will, ist das easy-peasy, weil das Hausaquaponik-System selbsterhaltend konzipiert ist. Worauf warten wir dann noch? Stellen wir uns alle so ein Ding in die Bude, oder? Ist doch genial!

Eigentlich. Es gibt nämlich leider einen Wermutstropfen: Während Aquaponik im Freien bzw. in Gewächshäusern das Nachhaltigste ist, was man momentan in der Landwirtschaft finden kann, braucht die Miniaquaponikanlage leider ordentlich Saft.

Die LED-Lampen für die Pflanzen verbrauchen recht wenig Energie, aber die Pumpe für den Wasserkreislauf muss ständig am Laufen gehalten werden. Außerdem ist für ein gutes Wachstum von Zuchtfischen und auch der Ammoniak-abbauenden Bakterien eine Wassertemperatur zwischen 25 und 30 Grad Celsius notwendig.

So ganz optimal ist das Ganze also noch nicht. Aber da sollen die Beiden mal fleißig weiterforschen. Dieses Aquaponik-Ding hört sich grundsätzlich sowieso so an, als wäre das bald der neue Hype für die Großstädte.

 

Credits: Titelbild Copyright: Risebox

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