Piñatex: Alles nur kein Leder!

pineapple plantation in Thailand

Eine spanische Designerin hat ein Ersatzmaterial für Leder entwickelt, das ähnlich robust, aber billiger und nachhaltiger ist. Es wird aus Ananasfasern hergestellt.

Für die globale Lederindustrie werden jährlich über eine Milliarde Tiere getötet und knapp 200.000 Tonnen Chrom verwendet, von denen um die 40 % im Abwasser landen. Leder ist also eine riesen Sauerei.

Mehr als nur ein Nebenprodukt

Dass Leder für die Fleischindustrie und die damit verbundene Massentierhaltung ein weiteres Standbein darstellt, bedeutet auch, dass das Wort Nebenprodukt doch etwas fehl am Platz ist.

Immerhin macht von dem Gewinn der Nebenprodukte eines Tieres die Haut 50 % aus. Viele Fakten über Leder und seine Produktion hat Peta in einem Artikel gut zusammengefasst.

Leder, das in China hergestellt wurde, ist besonders problematisch, da es dort kein Tierschutzgesetz gegen den Missbrauch von Tieren gibt, die für Leder getötet werden. Unter anderem werden dort auch Hunde für ihre Haut totgeschlagen.

Auch in Bangladesch, das zu den am stärksten wachsenden Leder-Export-Ländern gehört, hat Peta ermittelt und herausgefunden, dass Rinder unter grausamsten Bedingungen von Indien nach Bangladesch geschmuggelt werden und dort dann auf fürchterliche Weise getötet werden.

Für die Umwelt ist in Bangladesch, aber auch in vielen anderen Ländern, die Lederproduktion eine Katastrophe. Die Gerbereien entsorgen ihren Giftmüll im Fluss und lassen Kinder für einen Hungerlohn mitten in den Chemikalien schuften.

Hier die Doku, die bei den Recherchen in Bangladesch herauskam. Achtung, in dem Video sind fürchterliche Sachen zu sehen!

Eine Lösung: Leder aus Ananas-Fasern

Damit für unsere Gürtel, Taschen und Schuhe kein Tier mehr leiden muss und die Umwelt auch verschont bleibt, hat die Spanierin Carmen Hijosa sich auf die Suche nach einem Lederersatz gemacht, der günstig und umweltfreundlich ist.

Und sie wurde fündig: Fasern aus Ananas-Blättern, die bei der Ernte übrig bleiben, also auch ein Nebenprodukt, allerdings um einiges weniger blutig.

Fünf Jahre lang hat die Designerin am Royal College of Art in London an dem Material gearbeitet. Nun hat sie das Startup Ananas Anam gegründet, mit dem sie Bio-Textilien aus Piñatex (so heißt das Material, der Name ist abgeleitet von Piña = spanisch für Ananas) herstellen möchte.

Auch Kleinbauern sollen davon profitieren, da sie ihnen die Ananas-Blätter, die sie sonst wegwerfen würden, abkaufen will. Außerdem bleibt bei dem Verfahren, das die Fasern in einen lederartigen Textilstoff umwandelt, Biomasse übrig. Diese kann laut Hijosa zu Dünger oder Biogas verarbeitet werden.

Der Lebenszyklus von Piñatex

Auch Textilien auf Erdölbasis will die Designerin mit ihrem neuen Fruchtleder ersetzen. Die Hersteller Puma und Camper haben bereits aufgehorcht und ein paar Musterschuhe aus Piñatex angefertigt. Jetzt sind wir mal gespannt, inwiefern dieses Material den Kleidungsmarkt revolutionieren wird.

 

Credits: © kichigin19 / Adobe Stock; Grafik von Ananas Anam

 

 

 

 

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1 Comment

  • Hallo, Lisa
    hört sich sehr schön an – mich nervt schon lange, dass ich trotz 46 Jahre Veggie-Dasein kaum eine Chance habe, „vegetarische“ Schuhe kaufen zu können. Hast Du eine Bezugsquelle für die Produkte aus dem Ananasfasermaterial?

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