Neonschwarz: Endlich wieder intelligenter Rap

Neonschwarz freuen sich darüber, dass es wieder mehr intelligenten Rap gibt. Wir sagen: Danke, dass ihr ihn macht! Mit ihrem Album „Fliegende Fische sind sie derzeit auf Herbsttour. Wer da nicht vorbeischaut, ist einfach selber Schuld.

Wir haben sie im Interview gefragt, was sie von Statussymbolen halten, was da gerade in den Charts los ist und warum ihr Album so heißt, wie es heißt.

GREENALITY: Euch gibt es in der aktuellen Viererkonstellation erst seit 2013. Welche Einflüsse kamen mit Spion Ypsilon noch dazu?

Neonschwarz: Spion Y tut der Band nicht nur kulinarisch Gutes (er ist ein Meisterkoch!), er hat auch ein gutes Händchen, wenn es um die Auswahl von Cuts geht und ist vor allem live eine Bereicherung, weil er verdammt gut scratchen kann. Und er ist ein Sunnyboy, der auf entspannte Art gute Laune verbreitet. Eigentlich will er auch immer, dass wir im Einheitsoutfit mit B-Boy Moves auftreten. Da konnte er aber bisher seinen Einfluss nicht geltend machen.

GREENALITY: Neben den üblichen Verdächtigen wie Avicii und Co werden die Charts momentan immer wieder vom deutschsprachigen Rap aufgemischt. Eine feine Entwicklung?

Neonschwarz: Es kommt uns natürlich entgegen, dass Rap gerade wieder ziemlich „in“ ist – vor allem freuen wir uns aber über die Entwicklung innerhalb der Hip Hop Szene, in der es inzwischen wieder mehr intelligenten Rap ohne homophobe und sexistische Aussagen gibt, der sich von vielem abhebt, was sonst leider an Hip Hop in den Charts landet.

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GREENALITY: Seht ihr eine Chance mit euren sozialkritischen Texten auch den Mainstream zu erreichen oder bleibt das ein Wunschdenken? Ist in den Charts eher Platz für seichte Themen?

Neonschwarz: Wenn man sieht, dass die Antilopengang mit ihrer seit langem politisch explizitesten Veröffentlichung in den Charts gelandet ist (natürlich auch die erste beim großen Label), dann scheint ja schon Platz dafür zu sein. Aktuell gibt es auch großes mediales Interesse für Zeckenrap. Da gibt es wohl viele Leute, die sich freuen, dass Rap mit klaren politischen Aussagen und „Haltung“, wie es immer so schön heißt, wieder nach vorne kommt. Ein paar Songs von uns laufen auch in relativ großen Radiostationen. Eine ganz klare Abgrenzung vom Mainstream, von welcher Seite auch immer, gibt es also nicht. Mit der Chartplatzierung müssen wir aber bestimmt bis zum nächsten Album warten. =)

GREENALITY: Marie, in der Hip-Hop Szene sind wir Frauen noch deutlich in der Unterzahl. Hast du noch einen Musiktipp, was weibliche Hip-Hopper oder Rapperinnen angeht?

Marie: Da muss ich natürlich erstmal meine Ticktickboom-Kollegin Sookee nennen. Außerdem hab ich mir letztens in Berlin Lady Leshurr angeguckt und hab’s ziemlich gefeiert. Die ist technisch unglaublich und so ein kleines Powerpaket, dass sie alle angesteckt hat. Wer noch nicht die Female Takeover Version von „Game Over“ gehört hat, der sollte das jetzt tun! Angel Haze gefällt mir auch ganz gut und bestimmt hab ich noch einige vergessen. =)

GREENALITY: Oft liest man über euch, dass ihr Hip-Hop als Sprachrohr für politische Ansichten nutzt. Wie weit geht denn euer politisches Engagement außerhalb der Musik?

Neonschwarz: Das hört sich ein bisschen so an, als wären wir auf politischer Mission unterwegs und machen deswegen Musik – ganz so ist es nicht. Die politischen Themen kommen eher dadurch, dass wir uns persönlich damit beschäftigen und uns über bestimmte Dinge aufregen oder wundern, die dann ihren Weg in die Songs finden. Wir wollen jetzt aber keine Aufzählung über unser tolles Engagement und unsere letzten Demobesuche starten, das fänden wir etwas daneben.

GREENALITY: In einem älteren Song von 2012, „On A Journey“, geht es ums Aussteigen aus dem Alltag, der Hektik und dem selbst gewählten Stress. Was entspannt euch?

Neonschwarz: Captain Gips schreibt gerne Songs, in denen er so tut als wäre sein Leben total tiefenentspannt. Das entspannt ihn dann. Ansonsten können wir stark empfehlen, das Handy irgendwo liegen zu lassen.

GREENALITY: Versucht ihr, euch von Statussymbolen freizumachen?

Neonschwarz: Nein, versuchen wir nicht, unsere Statussymbole versteht nur keiner.

GREENALITY: Der wohl politischste Song auf eurem jetzigen Album ist „2014“. Warum durfte er auf eurem Album nicht fehlen?

Neonschwarz: Das Flüchtlingsthema war bei uns schon länger präsent, wir haben die Vorgänge unter anderem in Hellersdorf beobachtet und waren entsetzt, wie sich in diesem Jahr die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte und die Demos und Bürgerinitiativen gehäuft haben. Egal, wo ein Flüchtlingsheim entstehen soll, überall finden sich schnell Argumente, warum es gerade an diesem Ort überhaupt nicht passt. Dabei scheint vollkommen aus dem Blick zu geraten, dass da Leute Schutz und Hilfe suchen, weil sie vor Krieg und Verfolgung fliehen – dann hoffen sie hier darauf und werden ernsthaft von keifenden Bürgern empfangen, die sie Sozialschmarotzer nennen und Anschläge verüben. Das ist doch vollkommen krank.

Besonders schlimm ist, dass die Stimmung nicht nur am rechten Rand aufgeheizt ist, sondern es immer wieder NPD-initiierte Demos gibt, bei denen haufenweise Bürger auflaufen. Wenn rechte Meinungen zum Mainstream werden, dann wird es wirklich gefährlich. Diese sich langsam aufschaukelnde Stimmung erinnert uns stark an die 90er, in denen es bekanntlich mehrfach zu rassistischen Mordanschlägen gekommen ist. Das wollten wir in „2014“ unbedingt thematisieren.

GREENALITY: Und was hat es mit dem Albumtitel „Fliegende Fische“ auf sich?

Neonschwarz: Fliegende Fische sind eine gute Metapher für das Ausbrechen aus bestehenden Verhältnissen, bzw. aus dem Element, was einem vorgegeben zu sein scheint. Sie schaffen es immer wieder für einen Moment auszubrechen und frische Luft zu schnuppern, plumpsen aber leider nach ein paar Metern wieder zurück ins Wasser. Damit verkörpern sie eine Mischung aus luftiger Utopie und oft bedrückender Realität und zwischen diesen beiden Polen bewegt sich eigentlich das ganze Album.

GREENALITY: Mit „Fliegende Fische“ seid ihr natürlich auch live zu sehen. Na, wer kann sich bei euch auf der Bühne so gar nicht zurückhalten? Was geht so auf eurer Herbsttour?

Neonschwarz: Ganz seriös sind wir alle nicht bei Konzerten! Wir haben auf jeden Fall ein paar Neuerungen in der Bühnenshow und freuen uns, mit so vielen neuen Songs aufzutreten. Außerdem verstoßen wir gegen das Vermummungsgesetz. Und wir haben Bock.

5Und zum Schluss müsst ihr euch entscheiden:

Miley Cyrus oder Lady Gaga? Musikalisch Miley Cyrus, Marie steht auf Lady Gagas “Telephone” Video, der Spion sagt Lady Gaga, also Lady Gaga.

Sitz- oder Stehpinkler? SITZ!

Kool Savas oder Xavier Naidoo? Haha, also Xavier Naidoo war ja schon immer komisch mit seiner „Alles für den Herrn“ Schiene, mit seinen neueren Aussagen und Verschwörungstheorien hat er sich aber noch viel weiter ins Aus befördert. Dann bleibt also Kool Savas.

Pyros oder Klatschpappen? Wir wissen nichtmal, was Klatschpappen sind, also Pyros.

NEONSCHWARZ AUF TOUR:
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Website: Neonschwarz Music

Facebook: Neonschwarz

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