Mundraub: sammeln statt vergammeln!

Die Devise der Initiative Mundraub.org lautet „sammeln statt vergammeln!“. Mit ihrer interaktiven Landkarte soll endlich ein Verzeichnis entstehen, das aufzeigt, wo ungenutztes Obst, Nüsse oder Kräuter zu finden sind. Diese können dann von Jedermann gepflückt werden.

Das Herzstück der Organisation ist die MundraubMap

Seit 2009 stetig gewachsen, verzeichnet die MundraubMap inzwischen weltweit über 15.000 Fundorte. Davon liegen bis jetzt die meisten in Deutschland. Genauer: Im Norden Deutschlands. Im Süden findet sich nur ein Fünftel der in Deutschland eingetragenen Fundorte.

Auf der Karte könnt ihr einsehen, wo es in eurer Nähe die Möglichkeit gibt, Obst, Nüsse oder Kräuter zu sammeln. Auch regionale Mostereien sind dort verzeichnet. Eintragungen kann jeder machen, der einen „herrenlosen“ Baum gefunden hat und ihn mit der Community teilen möchte.

In Städten gibt es keine Früchte zu pflücken? Denkste!

Wer denkt, dass er als Großstädter an diesem Projekt nicht teilhaben kann, irrt. Gerade in deutschen Großstädten wie zum Beispiel Berlin ist die MundraubMap besonders detailliert und zeigt viele Obstschätze an.

Uns fehlt nur der Blick für diese Schätze und deswegen nehmen wir sie meist auch gar nicht mehr wahr. Schaut euch doch einmal eure direkte Umgebung auf Mundraub.org an. Und dann geht noch einmal euren täglichen Weg zur U-Bahn. Sieht direkt anders aus, was?

Geht doch mal auf MundraubTour!

Ihr könnt aber auch mit Madeleine und Andie zusammen auf MundraubTour gehen und so das Mundräubern von Experten lernen. Madeleine weiß, wovon sie redet, mit einem Bachelor in „Landschaftsnutzung und Naturschutz“. Sicher haben die zwei auch einige hilfreiche Tipps, wie ihr am besten erntet, ohne dabei den Pflanzen und der Natur zu schaden.

Sobald die Mundräuber arglos auf die Natur losgelassen werden, kann es nämlich auf die Dauer problematisch werden. Oft beschädigen Mundräuber bei ihrer Ernte Äste oder gehen einfach nicht sorgsam genug mit den Pflanzen um. Schnell gibt es Ärger mit Besitzern der Bäume und das Vertrauen in Mundraub.org schwindet.Unsere Empfehlung ist daher, vorher eine MundraubTour zu besuchen.

Mundraub ist Diebstahl – Was tun, damit ihr nicht zum Straftäter werdet?

Wenn ihr selber Fundorte eintragen möchtet, solltet ihr euch an die Mundräuber-Regeln halten. Zum Beispiel muss vor der Eintragung konkret abgeklärt werden, wem der Baum gehört. Der Besitzer muss damit einverstanden sein, dass sein Baum von Mundräubern geerntet wird. Ansonsten begeht ihr beim Ernten Diebstahl!

In Deutschland gibt es tatsächlich kaum Sträucher oder Bäume, die wirklich herrenlos sind. Und nur weil sich keiner darum kümmert, heißt das nicht gleich, dass man sich dort bedienen darf.

Mit seinem Namen möchte Mundraub vor allem provozieren. Diebstahl – das ist Mundraub nämlich – unterstützen sie aber ausdrücklich nicht. Ein eingetragener Fundort ist für euch trotzdem keine Garantie, dass ihr keinen Mundraub begeht – strafrechtlich gesehen. Wer sicher gehen möchte, fragt am besten selbst nach. Und wenn Zäune im Spiel sind, ist die Sache klar.

Die Mundräuber-Regeln:

Stellt vor dem Eintragen bzw. Ernten sicher, dass keine Eigentumsrechte verletzt werden.

Geht behutsam mit den Bäumen, der umgebenden Natur und den dort lebenden Tieren um.

Teilt die Früchte eurer Entdeckungen und gebt etwas zurück.

Engagiert euch bei der Pflege und Nachpflanzung von Obstbäumen.

Pflücken, eintragen, unterstützen!

Mundraub.org sieht seine Sache als ein „großes soziales Experiment“ an und hofft weiterhin auf viele Mitstreiter und Unterstützer. Es gilt also: pflückt, tragt ein und unterstützt Mundraub.org! Auch mit Spenden, so kann das Team weiterhin mit euch an einer „vielfältigen, wunderschönen Welt“ arbeiten.

„Eine vielfältige, wunderschöne Welt“ – das heißt auch, dass die Bäume und Sträucher, an denen ihr euch bedient, gepflegt werden wollen. Und auch Rücksicht auf die Tiere ist geboten. Insgesamt ist Mundraub.org bedacht, die Vielfalt der Natur zu wahren und hat deswegen ein Mundräuber-Handbuch für euch. Hier könnt ihr alles nachlesen, was den Umgang mit den Bäumen und Sträuchern angeht. Mundräubern heißt eben mehr, als nur kostenlose Früchte einzusammeln.

Das Konzept Mundraub.org ist nicht perfekt – muss es auch nicht sein

Trotzdem bleibt die Frage: Sind die Mundräuber zu eigennützig orientiert? Am Ende landet das Obst doch nur wieder in den Mündern der ohnehin satten Großstädter. Und nur wenige Mundräuber machen sich tatsächlich die Mühe, die Bäume und Sträucher langfristig zu pflegen. Geerntet wird meist für den Eigenbedarf. Und Weitergeben? Ist dann doch zu anstrengend.

Mundraub.org schlägt vor, sich aus dem geernteten Obst seinen eigenen Saft pressen zu lassen – das kann man in Eigenregie machen, oder man wendet sich an eine regionale Mosterei. Der Vorteil ist, dass der fertige Saft eine Haltbarkeit von über einem Jahr hat und so die Ernte wenigstens nicht im eigenen Keller verkommt.

Mundräuber sollten sich vernetzen und ihre Ernten teilen

Wer aber engagierter ist und sich mit seiner Ernte nützlich machen möchte, dem bleiben noch genug Optionen: Zum Beispiel kann man sich mit Tafeln vernetzen oder an Foodsharing wenden – das sind Experten, wenn es darum geht, ungenutzte Lebensmittel an den Mann zu bringen.

Und natürlich geht es auch auf dem klassischen Wege. Fragt doch einfach einmal eure Nachbarn, ob sie etwas von euren Errungenschaften gebrauchen können und teil eure Ernte mit euren Freunden und der Familie.

Pflueck.org – Ein Konkurrent?

Oder man schaut einmal rechts und links von Mundraub. Schnell stößt man auf pflueck.org. Anders als bei Mundraub hört deren Konzept nicht mit der Ernte auf – das überzeugt. Es wird eine Vernetzung zwischen Baumbesitzern, fleißigen Erntehelfern und gemeinnützigen Organisationen hergestellt.

Dadurch, dass der Besitzer aktiv einbezogen wird, ergibt sich auch eine bessere Perspektive für die langfristige Pflege der Bäume. Durch die Freigabe der Ernte kann er eine gemeinnützige Organisation unterstützen. Ein Besitzer wird seinen Baum wieder mehr wertschätzen, wenn er weiß, dass sein Baum als „Spende“ fungieren kann und so wahrscheinlich auch eher an der Erhaltung des Baumes interessiert sein.

Die Organisation kommt dem Besitzer auch entgegen. Er erhält Unterstützung bei der Ernte von freiwilligen Helfern. Wer von euch nicht gut stillsitzen kann, ist also jederzeit dazu aufgefordert, bei einer Ernte mitzuwirken. Diese werden auf http://www.meetup.com/pflueck_org/ angekündigt und geplant.

Pflueck.org – Ein Verbündeter?

Trotzdem, die Idee von Mundraub ist grundsätzlich wichtig und richtig. Die MundraubMap ist sehr benutzerfreundlich gestaltet und kann sich deswegen auch über rege Benutzung freuen. Auch was den behutsamen Umgang mit der Umwelt angeht, liefert Mundraub Anleitung. Eigentlich haben sie schließlich das gleiche Ziel wie pflueck.org – ein Bewusstsein für die Schätze der Umwelt schaffen und diese Schätze nicht ungenutzt verkommen zu lassen.

Wie wäre es also mit einem Zusammenbringen beider Plattformen? Foodsharing und die Lebensmittelretter machen es vor: eine Fusion findet schon im Dezember statt. Und auch was das Retten von nicht geerntetem Obst und Früchten angeht, kann eine Zusammenarbeit nur hilfreich sein.

Aber bis dahin: pflückt und mundraubt, was das Zeug hält. Aber vergesst dabei nicht, der Natur auch etwas zurück zu geben!

Credits Titelbild: „Newton left long time ago“ von Reza, Lizenz: CC BY 2.0; Bilder © mundraub

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