Mud Jeans: Das Gegenteil von „Fast Fashion“

Jedes  Jahr eine neue Jeans – ohne, dass es der Umwelt schadet. Die Möglichkeit hat uns nun der Niederländer Bert van Son eröffnet. Mit Jeans, die man mieten kann. Und das zu einem fairen Preis.

8000 Liter Wasser werden zur Herstellung von einem Paar Jeans benötigt. 400.000 bis 800.000 Tonnen Altkleider landen in Deutschland jährlich im Müll. Und obwohl nur 2,4 Prozent  des Ackerlandes auf der ganzen Welt mit Baumwolle bepflanzt sind, werden dafür 24 Prozent aller weltweit erzeugten Pestizide und 11 Prozent aller Insektizide verbraucht. Auf jeden Fall ein Grund, den eigenen Klamotten-Konsum zu überdenken.

Das Konzept von Mud Jeans soll dem entgegenwirken. Wozu immer eine neue Hose kaufen, wenn man eine mieten kann? Für eine einmalige Gebühr von 20 Euro plus 5 Euro im Monat kann man eine Fairtrade-Jeans leasen, die aus zu 100% GOTS zertifizierter Baumwolle besteht und in Italien hergestellt wird.

Nach einem Jahr kann man sie gegen eine neue Jeans eintauschen, oder einfach nur abgeben. Wenn man sie noch länger tragen will, zahlt man nochmal für 4 Monate die Leasing-Gebühren von 5 Euro und kann sie dann sogar behalten. So hat man für eine Hose 100 Euro ausgegeben. Zusätzlich bietet das Unternehmen einen kostenlosen Reparatur-Service an.

Wenn man allerdings nach Jahren die Hose nicht mehr will, kann man sie auch wieder zurückgeben. Die Jeans werden nämlich recycelt und zu neuen Hosen oder Hoodies weiterverarbeitet. Kreislaufwirtschaft nennt man das.

1500 Leute nutzen das Jeans-Abo inzwischen. Nur zehn Prozent davon sind nach einem Jahr abgesprungen. 60 Prozent wechseln nach einem Jahr die Jeans und 30 Prozent behalten sie.

Die Idee klingt erst einmal etwas seltsam, wenn man es gewohnt ist, die Klamotten, die man trägt zu besitzen. Die Option darauf, die Hose behalten zu können, ist sicherlich sehr wichtig, da vermutlich nicht nur ich ein besonderes Verhältnis zu meiner Jeans habe. Ich muss sie lieben, oder ich ziehe sie nicht an. Sollte ich das Angebot von Mud Jeans nutzen, würde ich vermutlich zu den 30 Prozent gehören, die die Jeans behalten. Aber auch gut.

100 Euro für eine Fairtrade-Bio-Jeans, die man jederzeit zur Reperatur einschicken kann. Und wenn der lange gefürchtete Tag gekommen ist und die Jeans fast zerfällt, kann man sie zurückgeben und weiß, dass es für sie ein Leben nach dem Tod geben wird. Und das ist doch schön!

Dass man mit diesem Konzept nicht reich werden kann, ist sicherlich auch dem Gründer Bert van Son klar. Der kann aber dafür ein paar Pluspunkte auf seinem Karmakonto verbuchen. Gerade heute in den Zeiten von „Fast Fashion“, die durch Primark wohl am besten vertreten wird, ist es richtig cool, dass jemand auf den großen Profit scheißt und uns daran erinnert: Es reicht eine Lieblingsjeans.

Bert van Sons jüngste Geschäftsidee: „Lease a Fleece“. Funktioniert genau gleich nur mit Pullis. Die Crowdfunding-Kampagne war schonmal erfolgreich: Über 50.000 Euro wurde gespendet.

 

Credits: Bild von Mud Jeans

 

 

 

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