Mit Kanonen auf Spatzen: Die Jagd auf Singvögel

In Italien wurde jetzt der Import gejagter Singvögel verboten. Sehr zum Ärger der Rechtskonservativen, die die regionale „Delikatesse“ schützen wollen.

Italien verbietet den Import gejagter Singvögel. Alle so: „Was zur Hölle? Welcher Mensch will überhaupt Singvögel schießen?“ Naja, ein paar Leute in Oberitalien, die sich selbst vermutlich als „traditionsbewusst“ betiteln würden.

Eine zweifelhafte Tradition

Tatsächlich haben Singvogel-Speisen in Italien Tradition. Und das hatte früher auch einen guten Grund: Zugvögel, die jedes Jahr aus Mittel-und Nordeuropa vorbeikamen, waren eine der wenigen Eiweißlieferanten für die Einwohner der Mittelmeerregion.

Das ergibt dann ja auch Sinn, ist aber ja nicht mehr so. Inzwischen können glücklicherweise auch die Einwohner in Italien ihren Eiweißbedarf anderweitig decken.

Das Verspeisen von Singvögeln wurde deswegen aber leider nicht aufgegeben, sondern mal wieder trotzigerweise von Rechtskonservativen als „regionale Tradition“ weitergeführt.

Zweifelhafte Delikatessen wie „Polenta mit Singvögeln“ oder Grillspieß aus Schweinefleisch mit Spatzen als Beilage (also quasi Fleisch garniert mit Fleisch) dürfen auch nach wie vor privat verzehrt werden.

Weil damit aber natürlich auch Geld verdient werden sollte, importierten Restaurants bis vor Kurzem noch gejagte Singvögel aus Tunesien, China oder Thailand. Genau damit ist jetzt Schluss, hat die italienische Regierung beschlossen.

Der Trotz der Rechtskonservativen

Die nationalistische, rechtsextreme Partei Lega Nord, der die momentane Rezession in Italien zum Comeback verholfen hat, nutzt dies natürlich auch, um gegen die EU und die italienische Regierung zu wettern.

„Tausend Restaurants sterben, tausende von Arbeitsplätzen gehen verloren!“ So und ähnlich klingen die Klagen der Rechskonservativen, die ihre Vogelspezialitäten als „gastronomische Spitzenprodukte“ bezeichnen.

Bereits 1992 wurden die armen traditionsbewussten Singvogeljäger unfreiwillig von der italienischen Regierung zu Wilderern gemacht, indem das schon damals längst überfällige Jagdgesetz verabschiedet wurde, das den Einsatz von Fangnetzen verbietet.

Die wurden und werden leider noch immer kilometerweit gespannt, um Zugvögel, die in Millionenscharen auf dem Weg in den Süden vorbeiziehen, einzufangen, um dann zu verspeisen.

Und die, die lieber selbst abknallen, fahren nach Osteuropa, um zu jagen und schmuggeln die Beute dann nach Italien. Was für ein Aufwand für eine hoffentlich bald ausgestorbene Tradition.

Das Gute ist, dass solche Menschen wie zum Beispiel Viviana Beccalossi, Landtagsabgeordnete in der Lombardei, den Hintergrund solcher Trotzreaktionen doch sehr schnell offenbaren:

„Man stoppt unsere Traditionen, aber Kebab und China-Restaurants dürfen sich ausbreiten. In einem Europa, das immer mehr die zumeist illegalen Einwanderer bevorzugt, zahlt unsere Wirtschaft die Zeche.“  Aha. Da haben wirs doch.

 

Credits: „spatz“ von maaddin, Lizenz: CC BY-ND 2.0

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