Mikroplastik: Wie Partikel aus Kosmetika in unsere Nahrungskette gelangen

Plastikteilchen, die mikroskopisch klein sind, werden vielfach in Kosmetika eingesetzt. Sie finden sich in Zahncremes oder Peelingprodukten – und Forscher haben sie nun ebenfalls im Trinkwasser und in Honig nachgewiesen. Der Kunststoff wandert vermutlich aus den Kosmetika direkt ins Abwasser und von dort aus in die Luft, wo er sich beispielsweise auf Blüten oder Getreide absetzen kann. So kommt das Plastik letztlich in unseren Honig.

Wie schädlich Kosmetikbestandteile sein können

Die in die Kritik geratenen Mikroplastikteilchen werden zumeist aus Polyethylen und Polypropylen hergestellt. Kunststoffe, die langlebig, preiswert und auf vielfache Weise verwendbar sind – für die Industrie perfekt, für die Umwelt eine große Last, da sie nicht abgebaut werden können. In der Kosmetik werden sie in Lippenstift oder Puder als schimmernder Füllstoff oder Bindemittel eingesetzt, aber auch für einen peelenden Effekt in Duschgels oder Gesichtspeelings. Sie sind so klein, dass sie die Kläranlagen passieren können und so ins Meer gelangen. Dort richten sie bereits großen Schaden an – die Partikel nisten sich beispielsweise im Gewebe von Miesmuscheln ein und bilden Entzündungen. Auch andere kleine und große Organismen wie Fische oder Seevögel nehmen Plastik auf. Neben den Schleimhautverletzungen, die sie dadurch erleiden können, besteht auch die Gefahr, dass die Tiere durch die Aufnahme von zu vielen Plastikpartikeln mit vollem Magen verhungern.

Doch nicht nur im Meer sind die kleinen Plastikteilchen zu finden. Es ist davon auszugehen, dass sie sich überall in der Atmosphäre befinden, in der Luft wurden sie bereits ebenso nachgewiesen wie im Regenwasser. Fasern und sogar kleine Plastikkügelchen, wie sie in kosmetischen Pflegeprodukten verwendet werden, wurden von Forschern auch in Honig entdeckt und finden sich vermutlich auch schon in zahlreichen weiteren Lebensmitteln, die wir täglich zu uns nehmen. Das ist auch deshalb so bedenklich, da Mikroplastikpartikel toxische Schadstoffe wie Insektizide oder Pestizide binden und im Verdauungstrakt des Lebewesens, das die Partikel aufgenommen hat, wieder freisetzen können. Hinzu kommen auch die schädlichen Inhalte von Plastik selbst – insbesondere Weichmacher können zu Diabetes, Unfruchtbarkeit und Fettleibigkeit führen.

Kosmetika mit Mikroplastik erkennen und vermeiden

Wir können auf ganz einfachem Weg etwas für die Umwelt tun, indem wir Produkte meiden, die die mikroskopisch kleinen Plastikpartikel enthalten und stattdessen zu ökologischen Alternativen greifen. Dafür ist es wichtig, sich die Inhaltsstoffe von Kosmetika genau anzuschauen. Hinter Abkürzungen wie PE (Polyethylen), PP (Polypropylen), PA (Polyamid) oder PET (Polyethylenterephthalat) verbergen sich umweltschädliche Kunststoffe.

Besser ist es, auf Naturkosmetik mit biologisch abbaubaren Peelingbestandteilen wie Fruchtkerngranulat, Reiskörnern oder Jojobawachsperlen auszuweichen.Für die schimmernden Puder oder Lippenstifte gibt es zudem das Mineral Mica oder auch pulverisierte Edelsteine. Der Protest von Umweltschützern und Konsumenten zeigt auch erste Erfolge, denn viele große Hersteller von konventioneller Kosmetik haben bereits angekündigt, in der Zukunft keine Mikroplastikteile mehr verwenden zu wollen. Es bleibt allerdings zu hoffen, dass sie dieses Versprechen auch realisieren und eine ökologisch vertretbare Alternative zum gefährlichen Plastik finden.

Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) hat eine Übersicht der Produkte veröffentlicht , die Mikroplastik enthalten. Sie liest sich wie ein Who-is-who der Kosmetikindustrie. Auch der britische Konzern The Body Shop, der auf sein naturverbundenes Image setzt, verwendet die umweltschädlichen Kunststoffe. Die Liste findet ihr hier.

Credits: Bild von www.bund.net ; Bildrechte © Stephan Glinka

Written By
More from Lisa Stanew

Braune Energie: Strom aus dem Klo

Geld aus Scheiße machen kennen wir ja. Das haben viele Firmen und...
Read More

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.