Lebensmittel retten: „Es tut mir weh, dass so viel im Müll landet“

Die Mission von David Jans: Lebensmittel retten. Über eine halbe Million Kilogramm Essen haben der 31-Jährige und die Foodsaver der Initiative Lebensmittelretter schon vor dem Müll bewahrt. So viel, dass ganze Familien mit Essen versorgt werden können. Und David? Der konnte schon eine beachtliche Menge an Lebensmitteln retten – und war seit über einem Jahr nicht mehr einkaufen.

David ist Lebensmittelretter, Foodsharer und geht containern. Seit über einem Jahr hat er keine Lebensmittel mehr eingekauft.

GREENALITY: Jedes Jahr werden elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – unfassbar viel. Was ist deine Lösung für diese Verschwendung?
DAVID JANS: Ich hole von Privatleuten, Supermärkte oder Restaurants das, was sie nicht mehr brauchen. Parallel dazu gehe ich noch containern. Deswegen habe ich auch seit über einem Jahr keine Lebensmittel mehr eingekauft.

GREENALITY: Wow, wie sieht denn dann dein Speiseplan aus?
DAVID: Der ist jetzt vielseitiger, als er jemals war. Man bekommt wirklich Unmengen von allem: Kaffee, Schokolade, Honig, Fisch, Fleisch, Müsli, Obst und Gemüse. Aber ich achte generell auf Nachhaltigkeit, egal ob bei Lebensmitteln, Kleidung oder Mobilität.

GREENALITY: Wie viele Lebensmittel hast du schon gerettet?
DAVID: Puh, schwer zu sagen. Geschätzt 170 Kilogramm, aber das ist eher ein Richtwert. Die Zahl ist mir aber auch relativ egal. Wir wollen einfach so viele Lebensmittel wie möglich retten. Da ist noch viel Luft nach oben. Aber dazu brauchen wir natürlich mehr aktive Foodsaver.

GREENALITY: Was passiert bei einer Lebensmittelrettungsaktion?
DAVID: Ich als Foodsaver kann mich bei einer Filiale, die bei Lebensmittelretten mitmacht, bewerben und für die Abholung eintragen. In Stuttgart gehe ich zu Bäckereien, Markt- und Naturkostläden, einem türkischen Gemüsehändler und einem Restaurant – also querbeet. Die Sachen sind alle noch gut, werden aber nicht mehr verkauft. Ich kann sie dann nach Belieben behalten und verteilen.

GREENALITY: An wen verteilst du die Sachen?
DAVID: Ich bringe die Lebensmittel zum Fair-Teiler oder gebe sie an Freunde, Familien, Rentner und Obdachlose. Viele sind natürlich froh über eine Tüte Brötchen und anderes kostenloses Essen. Aber es geht auch darum, dass Lebensmittel nicht einfach so weggeworfen werden. Es tut mir weh, dass so viel im Müll landet und einfach neu gekauft wird.

GREENALITY: Machen große Lebensmittelketten auch bei den Rettungsaktionen mit?
DAVID: Die Filialen können das oft nicht selbst entscheiden. Der foodsharing Verein, der die Bewegung Lebensmittelretten initiiert hat, spricht gerade mit den großen Lebensmittelketten. Aber wenn alles läuft, können die Foodsaver bald zwei Ketten bundesweit für das Retten von Lebensmitteln gewinnen.

GREENALITY: Finanziert sich Lebensmittelretten über Spenden?
DAVID: Nein, das läuft alles ehrenamtlich. Wir wollen auch keine Spenden, sondern Aktive, die mitmachen und Lebensmittel abholen. Wenn aber zum Beispiel eine Druckfirma unsere Arbeit toll findet und uns Flyer ausgibt, sind wir natürlich auch nicht böse.

David Jans, 31 Jahre, ist Lebensmittel-Botschafter für Stuttgart und im Bundesorga-Team von Foodsharing e.V. Der gelernte Verwaltungsfachangestellte und Schauspieler baut gerade ein Lebensmittelretten-Netzwerk in der Region Ulm auf.

Credits: © „…“ von Oliver Hallman lizensiert nach CC BY 2.0

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