Hefe statt Palmöl: Endlich eine echte Alternative?

Der massenhafte Einsatz von Palmöl in zahlreichen Produkten verursacht Umweltschäden und das Aussterben bedrohter Tierarten. Jetzt haben Forscher eine Möglichkeit gefunden, wie Palmöl ersetzt werden kann.

Palmöl wird seit vielen Jahren als billige Alternative zu tierischem Fett verwendet. Das Pflanzenöl, das aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen wird, ist inzwischen überall enthalten: In Nahrungsmitteln, Kosmetikartikeln, Waschmitteln und auch in Autos in Form von Biodiesel.

Ironischerweise wird durch die Verwendung von Agrartreibstoffen gegen den Klimawandel dieser vorangetrieben und durch den Verzicht auf tierische Fette die Ausrottung mehrerer Tierarten gefördert.

Durch die Rodung der Regenwälder für riesige Palmöl-Plantagen wird nicht nur die Umwelt in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch die Tiere, deren Lebensraum zerstört wird. Exportweltmeister ist Indonesien, in dessen Urwäldern vom Aussterben bedrohte Tierarten beheimatet sind: Orang-Utans, Nashörner und Sumatra-Tiger.

Für verantwortungsbewusste Palmölproduktion

Ein bisschen etwas hat sich getan, aber eben leider nur ein bisschen. Initiativen wie die Vereinigung für eine verantwortungsbewusste Erzeugung des Rohstoffs (Round Table on Sustainable Palm Oil) gibt es zwar schon seit einigen Jahren, kommen aber kaum voran.

Seit Ende letzten Jahres hat die Europäische Union mit einer neuen Vorschrift aber wenigstens einen Schritt in die richtige Richtung gemacht,was die Kennzeichnung von Palmöl in Produkten angeht.

Schwammige Bezeichnungen wie „pflanzliche Öle“ oder „Pflanzenfett“ auf Produktverpackungen sind nicht mehr erlaubt. Wenn Palmöl drin ist, muss auch Palmöl draufstehen. Damit soll mehr Transparenz geschaffen werden und wir können Produkte, die Palmöl beinhalten, einfacher meiden.

ZDF-Doku über die Auswirkungen des Palmölanbaus

Hefekulturen als neue Alternative

An der britischen University of Bath hat ein Forscherteam nun nach drei Jahren eine Alternative zu Palmöl gefunden, für deren Anbau keine großflächigen Plantagen, sondern lediglich große Tanks benötigt werden.

Damit Hefepilze sich vermehren brauchen sie eine Energiequelle: Zucker, der sich in einer Vielzahl von Essensresten, in Abfällen der Landwirtschaft oder in Energiepflanzen befindet.

Dieser wurde bei den Versuchen mit Hilfe chemischer Prozesse gelöst und mit der Hefe vermengt. Nach rund einem Monat hatte sich das Gemisch aus Hefe und gelöstem Zucker in einen Stoff verwandelt, der einen Fettgehalt von 40 Prozent und dem Palmöl sehr ähnliche Eigenschaften hatte.

Der Praxistest für diese Entdeckung steht noch aus. Bis das Verfahren industriell genutzt werden kann, wird es wohl noch ein Weilchen dauern, da der chemische Prozess, in dem der Zucker aus Abfallstoffen herausgelöst wird, bislang noch sehr aufwendig und teuer ist.

Der belgische Hersteller von Reinigungs- und Waschmitteln, Ecover, hat den Anfang schon gemacht. Er hat das weltweit erste Waschmittel auf Algenbasis entwickelt, das ebenfalls industriell hergestellt wird.

Der Vorteil von Hefekulturen wäre allerdings, dass sie aus der gleichen Menge Biomasse viel mehr Öl produzieren könnten als Algen und zudem für die Produktion kein Licht bräuchten.

Es tut sich also was. Drücken wir die Daumen, dass sich bald ein Verfahren findet, das dafür sorgt, dass Palmöl-Monokulturen der Vergangenheit angehören.

 

Credits: „Aid Environment – Akvo FLOW training – 13-14 Maret 2015“ von Aul Rah, Lizenz: CC BY 2.0

 

Written By
More from Lisa Stanew

Organischer Baustoff: Ein Architekt macht den Anfang

Zu hundert Prozent organisch, nachhaltig und verdammt innovativ: Im MoMA PS1 in...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.