Greenwashing: Grüne Märchen

Nur weil man einmal im Jahr an die Welthungerhilfe spendet, hat man noch lange nicht die globale Armut bekämpft – das sieht jeder ein. Aber wenn man dieses Prinzip auf das Verhalten von Firmen anwenden möchte, wird es schon schwieriger.

Immer mehr Unternehmen möchten ihr Image aufpolieren und vertuschen ihr umweltschädliches Handeln. Dafür wird ihr gutes Verhalten dann ein paar Mal zu oft betont. Das nennt sich Greenwashing und ist für den Verbraucher nur schwer zu durchschauen. Für ein grünes Image gehen einige Firmen aber noch weiter und verwenden falsche Siegel oder Zertifikate ohne Aussagewert. Und ganz gewitzt wird es, wenn sie mit Lobbyarbeit in der Umweltpolitik Einfluss nehmen.

Greenwashing durch Werbestrategien

Ein gutes Beispiel für Greenwashing durch Werbestrategien ist die Marketing-Arbeit von H&M. Mit ihrer „Conscious Collection“ will H&M in Zeiten großer Skandale in der Textilindustrie dafür sorgen, dass das eigene Unternehmen in einem guten Licht dasteht.

Es bringt aber nichts, eine „Conscious Collection“ herauszubringen, wenn der Rest der Kleidung Ausbeutung schreit. Und in Deutschland traut sich H&M auch gar nicht, das Wort „nachhaltig“ in den Mund zu nehmen. „Nachhaltiger“ und „umweltbewusster“ soll die Conscious Collection sein. Schön und gut. Ein Fairtrade-Zertifikat gibt es aber auf jeden Fall nicht.

Die Kunden des Fast-Fashion-Produzenten H&M werden schlicht und einfach geblendet mit hohlen Versprechungen und ein gutes Gewissen gibt es noch gratis dazu. Greenwashing vom Feinsten!

„Und jetzt machen wir noch irgend so ein Siegel drauf!“

Auch abseits von direkter Marketingarbeit sollte man als Verbraucher aufmerksam sein. Siegel sind zum Beispiel ein weiteres viel genutztes Mittel, um Greenwashing zu betreiben. Nicht selten kommt es vor, dass Siegel verwendet werden, für die ein Unternehmen nicht zertifiziert wurde. Und noch viel einfacher lässt sich ein Verbraucher mit einem Siegel täuschen, das gut aussieht, aber ansonsten nicht viel aussagt.

Hilfe von Entwicklungsminister Müller?

Ein gutes Beispiel für solch ein Jonglieren mit Zertifikaten kommt mit dem Textilbündnis auf uns zu, das wir Entwicklungsminister Müller zu verdanken haben. Ziel ist es, soziale und ökologische Mindeststandards einzuhalten. Aber wirklich aussagekräftig ist dieses Bündnis nicht, denn so lange die Ziele noch nicht erreicht sind, kauft man weiterhin Produkte, die unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werden.

Auch von Greenpeace hagelt es Kritik am Konzept: der Einsatz von umwelt- und gesundheitsgefährdenden Chemikalien wird nämlich nicht verboten. Und am Ende gibt’s dann trotzdem für die Unternehmen ein Zertifikat mit dem Namen „Grüner Knopf“. Grün? Wohl eher giftgrün…

Lobbyismus in der Umweltpolitik

Und die wohl am schlechtesten durchschaubare Version von Greenwashing ist das sogenannte Deep Greenwashing. Dabei versuchen Unternehmen durch Lobbyismus auf die Politik einzuwirken – auf den eigenen Vorteil bedacht, versteht sich.

Ziel ist es grundsätzlich, ein Prinzip der Selbstregulierung in der Umweltpolitik durchzusetzen. Es werden Selbstverpflichtungen eingegangen, um verbindlichen Umweltgesetzen aus dem Weg zu gehen. Klingt dann erst einmal gut und alle sind zufrieden. Aber ein paar Jahre später zeigt sich meist, dass Vereinbarungen nicht eingehalten werden und der Weg zum Erlass der Gesetze wird dadurch unnötig in die Länge gezogen.

Als Beispiel für Selbstverpflichtungen, die nicht oder nur unzureichend eingehalten wurden, nennt Lobby Control die freiwillige Mehrwegquote oder die Zusagen über einen sinkenden CO2-Ausstoß der europäischen Autoindustrie.

Lobby Control deckt auf

Lobby-Control hat es sich zur Aufgabe gemacht, Lobbyismus aufzudecken und damit Einflussnahmen auf die Politik für BürgerInnen erkennbar zu machen. Mit ihrer Online Datenbank Lobbypedia, die alle Ergebnisse von Lobby-Control zugänglich macht, haben sie 2012 den Grimme Online Award gewonnen.

Besonders „engagiert“: RWE

Unter den Stromanbietern ist vor allem RWE ganz vorne mit dabei, wenn es um Lobbyarbeit und Greenwashing geht. Die Lobbypedia ermöglicht einen Einblick: Nebenverdienste für Politiker, Einflussnahme bei Energiegesetzen und ein Lobbybüro im Regierungsviertel in Berlin. „VoRWEggehen“ – was Lobbyarbeit angeht schon.

Mit ihrer Werbekampagne von 2009, in der sie versucht haben, sich als Klimaschützer zu präsentieren, sind sie aber gnadenlos aufgelaufen. RWE hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nur 0,1 % Strom aus Windkrafträdern bezogen und lag damit weit unter dem bundesweiten Durchschnitt. Trotzdem wurde damit geworben, dass RWE stark auf erneuerbare Energien setzt. Lobbyarbeit und Greenwashing bei RWE haben sich redlichst den „Worst EU Lobby Award 2010“ verdient!

Bleibt nur noch zu sagen: Lasst euch nicht verarschen! Mit der Lobbypedia seid ihr jetzt aufgeklärte Verbraucher.

Und liebe Firmen, steckt doch bitte nur halb so viel Geld und Mühen in ein nachhaltiges Konzept, wie ihr für Lobbyarbeit und Greenwashing aufwendet. Dann kaufe ich auch wieder eure Produkte.

Credits: H&M unconscious collapses: © Clean Clothes Campaign via wuv.de

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