Greenwashing bei Nespresso: Mit Kaffeekapseln für den Umweltschutz

Der Lebensmittelgigant Nestlé will dem Kapselkaffee endlich sein ach so unverdientes Umweltsünder-Image nehmen. Und zwar mit einer Greenwashing-Kampagne, die beweisen soll, dass Nespresso verdammt nachhaltig ist. Ja, genau…

Das Geschäftsmodell von Nespresso, überteuerten Kaffee in Aluminiumkapseln als Lebensgefühl zu verkaufen, ist einzigartig. Und es funktioniert ja auch wunderbar. Aber so langsam stört das wachsende Umweltbewusstsein der KonsumentInnen schon ein bisschen beim Geldverdienen.

Plötzlich ist Nachhaltigkeit sogar auch für diejenigen ein Begriff, die früher fröhlich ihre Brote mit Ja!-Lyoner belegten. Die Konsequenz: Nestlé muss anfangen, sich für seine mit Kaffee befüllten Aluminiumkapseln zu rechtfertigen.

Und siehe da: Entwarnung, Leute! Kaffeekapseln sind gar nicht so scheiße für die Umwelt! Sagt jedenfalls Nespresso. Und warum sollten die denn lügen…

Das Ding mit der Nachhaltigkeit…

Eigentlich ist Nespresso nämlich sogar sehr nachhaltig unterwegs: Das Zauberwort heißt „ecolaboration“, eine Initiative, in der sich das Unternehmen selbst Nachhaltigkeitsziele steckt. Zum Beispiel wurde der Anteil an „AAA Sustainable Quality“-Kaffee von 50 auf 80 % erhöht.

Außerdem will Nespresso enger mit der Rainforest Alliance, einer US-amerikanischen NGO, zusammenarbeiten. Der wird übrigens von Kritikern oft ihre starke Wirtschaftsorientierung vorgeworfen…

Desweiteren will Nespresso seinen Materialeinsatz je Kapsel um rund 15 % vermindern und sich verstärkt dem Recycling der Aluminiumkapseln widmen: Über die „Boutiquen“ (so heißen die Nespresso-Verkaufstellen nämlich. Ganz exklusiv. Lifestyle und so.), Kurierdienste oder spezielle Büros sollen die Kapseln in rund 25 Ländern wieder eingesammelt und recycelt werden.

Hier in Deutschland hauen wir die Kapseln einfach in den gelben Sack. „Aber da ist doch noch Kaffeesatz drinne, muss ich den dann erst rauspulen?“ Nein, Quatsch, immerhin hast du fast 40 Cent für 5 Gramm Kaffee gezahlt, umgerechnet also so zwischen 60 und 80 Euro für ein Kilo. Soviel Kaufkraft muss belohnt werden!

Normalerweise muss man die Sachen reinigen bevor man sie in die gelbe Tonne wirft, das stimmt. Aber Nestlé hat sich extra für dich die Ausnahme vom Dualen System Deutschland (DSD) erkauft. Der Kaffeesatz ist nämlich sogar GUT für den Recycling-Prozess weil er Brennstoff liefert für die Pyrolyse, bei der Lacke und Etiketten verschwelt werden.

Das ist deswegen so interessant, weil man ja eigentlich darum gebeten wird, nur „löffelreine“ Behältnisse in den gelben Sack zu werfen. Aber Nespresso-Kaffee scheint da halt einfach irgendwie was Besonderes zu sein…

Kurzfilm „Kill The K-Cup“

… und das Ding mit dem Greenwashing

Vorausgesetzt wir nehmen das ganze Rumtheoretisieren mal ernst: Was ändert das tatsächlich an der Umweltunverträglichkeit von Aluminiumkapseln? Recycling ist ja erstmal immer gut, um Rohstoffe zu sparen und Müll zu vermeiden.

Die Verarbeitung von recyceltem Aluminium ist ja auch tatsächlich um einiges energiesparender und ressourcenschonender als die Erstproduktion. Allerdings ist das vor allem eines: Augenwischerei.

Recycling liegt immer sehr stark beim Verbraucher. Und der hat 40 Cent für 5 Gramm Kaffee in einer Alukapsel bezahlt. Vielleicht traue ich ihm auch zu wenig zu, aber ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass er eher nicht so der Mensch ist, der gerne Müll trennt, geschweige denn extra in irgendeine „Boutique“ geht, um die Kapseln zu recyceln.

Außerdem: eine Notlösung für ein Problem zu finden, das man selbst geschaffen hat, indem man ein extrem umweltschädliches Produkt auf den Markt gebracht hat, das niemand wirklich benötigt, ist aus meiner Sicht keine Heldentat, sondern im Endeffekt das Minimum an Schadensbegrenzung.

Nach wie vor sind Aluminiumkapseln die umweltschädlichste Form, Kaffee zuzubereiten. Das liegt schlicht und einfach daran, dass, trotz Recycling-Gedöns Energie und Rohstoffe verschwendet werden und Müll produziert wird, ohne, dass es eine Notwendigkeit dafür gibt.

Ich bleibe also bei meiner Meinung: Ich möchte in einer Welt leben, in der es keinen Kaffee in Kapseln gibt.

Hier könnt ihr eine Petition von SumOfUs gegen Nespresso unterschreiben.

 

 

Credits: „Nespresso“ von Peter Dutton, Lizenz: CC BY 2.0

 

 

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