Fahrrad-Highway: Zieht London Kopenhagen nach?

Seit April 2012 ist ein sogenannter Radschnellweg inmitten der dänischen Hauptstadt Kopenhagen in Betrieb, jetzt will London mit einer geplanten Fertigstellung kommenden Jahres nachlegen. 22 Kilometer in Dänemark versus angehende 30 Kilometer in England. Doch wer nutzt diese „Fahrrad-Highways“ überhaupt, und ist man mit dem Rad denn tatsächlich schneller als mit dem Auto?

Die Idee, zugegebenermaßen, ist gigantisch. Wer kennt es nicht, das Radfahren durch die Stadt, mitten im alltäglichen Verkehrschaos? Da bleibt vom Spaßfaktor nicht mehr viel übrig. Zudem ist das Radfahren auf Straßen, speziell vielbefahrenen Straßen, nicht gerade ungefährlich. Diese Radschnellwege sollen dem aber entgegenwirken. Kein Stau, keine verantwortungslosen Autofahrer, vielmehr ein entspanntes Radeln für die Gesundheit im völlig normalen Alltagstrott.

Radfahren für die Gesundheit

Dass Radfahren einen fit hält, dürfte jedem von uns bewusst sein. Aber sind die ausgestoßenen Abgase der Fahrzeuge nicht schädlich? Und wie ist es mit der Gefahr ausgehend von fahrlässigen PKW-, LKW- und Busfahrern?

Ein Artikel von spiegel.de klärt zumindest über die Risiken der Abgase auf. Ein Radfahrer, der täglich 15 km fährt, soll so etwa 40 Tage seines Lebens, aufgrund des direkten Einatmens der Abgase, verlieren.

Das mag erst einmal schockieren. Doch denkt man weiter, hat Fahrradfahren ja auch einen deutlich positiven Effekt auf die Gesundheit: Bewegung und damit die Minderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein Radfahrer, der täglich 15 Km fährt, soll so 14 Monate an Lebenszeit gewinnen. Was übrig bleibt ist also gewonnene Lebenszeit und keinerlei Verluste.

Auch das Unfallrisiko ist unglaublich gering. So muss ein Radfahrer etwa 100 Mal um die Erde fahren, das ergibt rund 4,1 Millionen Kilometer, bevor er einen schweren Unfall erleidet. Jetzt mal unter uns: Gibt es jemanden unter uns, der von sich behaupten kann, er sei 100 Mal um die Erde gefahren? MIT DEM FAHRRAD?

Schaut man aufs Autofahren, so gibt es weltweit jährlich rund 1,2 Millionen tödlich verunglückte Opfer, beziehungsweise 276 verunglückte Menschen pro einer Milliarde Kilometer allein in Deutschland. Selbst wenn man die Zahl zum Vergleich runterrechnet, ist es eindeutig, dass das Autofahren immer noch gefährlicher ist als das Fahrradfahren.

Radschnellweg in Kopenhagen und London

Zwei europäische Metropolen in denen das Autofahren wahrlich keinen Spaß mehr macht. In Kopenhagen kann man schon zur Alternative greifen, in London ist es ab 2016 geplant. Für beide Städte ist der Bau für solche Fahrrad-Highways alles andere als ein Schnäppchen. Kopenhagen habe 5,1 Millionen Euro, London soll sogar noch mehr, nämlich etwa 1 Milliarde Euro hinblättern. Nur zum Vergleich: Die deutsche Bundesregierung gibt etwa 74 Millionen Euro für den Radverkehr aus.

Doch diese Investitionen sollen sich für alle Nutzer lohnen! Es wird mit einem entspannten Fahren und Zeitgewinnung geworben. In London soll man für den 12 Kilometer langen Radweg, der im Übrigen auf der Themse schwimmen soll, 30 Minuten planen, in Kopenhagen hingegen spricht man von 45 Minuten für den 15 Kilometer-Weg von Albertslund in die dänische Hauptstadt.

Ein nettes Werbevideo aus Dänemark zeigt, wieso man als Radfahrer Zeit einsparen kann.


Neben den bereits genannten Vorteilen ist natürlich der Umweltschutz ein weiterer, sehr wichtiger Faktor, der für solche Radschnellwege spricht. Allein Kopenhagen verspricht sich von ihrem Fahrrad-Highway eine Ersparnis von 7000 Tonnen CO2-Emission.

Ein Fahrrad-Highway bringt also durchaus einige Vorteile mit sich. Nicht nur im persönlichen Sinne, sondern auch das Stadtbild verändert sich und wenn man den Radschnellweg individuell gestaltet, kann er sich durchaus zu was Sehenswertem entwickeln. So ist die „Fahrradschlange“ in Kopenhagen bereits eine Bekanntheit, und es ist durchaus vorstellbar, dass ein schwimmender Radweg auf der Themse in London mindestens genauso spannend wird.

Bis wir in Deutschland aber so weit sind, über einen Bau derartigen Radschnellwege nachzudenken, werden wohl noch Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte verstreichen. Aber vielleicht lohnt es sich ja, Kopenhagen oder London zu besuchen, um einen Fahrrad-Highway auszuprobieren.

 

Credits: Titelbild von Foster & Partners / fosterandpartners.com/ Architekturbüro Norman Foster

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