Es grünt so grün: „Best of“ Greenwashing

Greenwashing ist das Bestreben eines Unternehmens, seine Marken als nachhaltig und ökologisch darzustellen, oft auch, um das genaue Gegenteil zu vertuschen. So kann es vorkommen, dass die Werbekampagnen teurer sind als die Maßnahmen zum Umweltschutz. Hier ein paar Klassiker…

BP und der gescheiterte Versuch

Vor fast einem Jahrzehnt begann der britische Ölkonzern BP damit, sich ein grüneres Image anzulegen. Dazu brauchen große Unternehmen glücklicherweise nur Farbe und Pinsel. Und so starteten kuriose Kampagnen, in denen Ölförderung und Umweltschutz plötzlich nichts Gegensätzliches mehr darstellen sollten. Eine Kampagne, die das bekräftigt, ist einem schon mal 200 Millionen Dollar Wert.

Und dann das Desaster: Am 20. April 2010 explodierte eine Ölplattform im Golf von Mexiko, versank im Meer und setzte schätzungsweise 8000 Millionen Liter Öl, sowie 500.000 Tonnen Gas frei. Dass die Katastrophe so ungebremst ihren Lauf nehmen konnte, lag an bewusst oder unbewusst ignorierten bzw. vermiedenen sicherheitsrelevanten Maßnahmen.

BP reagierte sofort. Mit oberpeinlichen PR-Kampagnen, gefälschten Fotos, Nachrichtenverbot zum Thema und Zahlungen von Schweigegeld. Und schließlich mit etwas hilflos wirkenden Rettungsversuchen, bei denen das Öl an der Wasseroberfläche angezündet wurde, sodass giftige Abgase in die Atmosphäre gelangen.

Ein weiterer Rettungsversuch bestand darin, den Ölteppich mit dem Öllösemittel Corexit zu Mikrotröpfchen zu zerteilen, sodass sich das Öl und die hinzugefügte Chemie letztendlich noch besser im gesamten Ozean verteilen konnte. Die Kosten der Aufräumarbeiten kamen auf geschätzte 60 Milliarden Dollar.

Was uns bleibt, sind irreparable Umweltschäden, ein Ölkonzern, der es besser hätte wissen müssen und eine PR-Kampagne, bei der man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Zum Glück haben sich ein paar Leute fürs Lachen entschieden…

Der „grüne Riese“ RWE

Für mich das eindrucksvollste Beispiel für Greenwashing war die RWE-Kampagne von 2009. Der Werbespot über den liebenswerten Energieriesen, der durch die herrliche Landschaft wandert und Windräder in den Boden steckt, lief in den deutschen Kinos und war, zugegeben, recht eindrucksvoll.

Ich habe den Spot auch im Kino gesehen und einige KinobesucherInnen haben tatsächlich laut gelacht. „Immerhin“, dachte ich mir damals, „haben Jung von Matt mit der Kampagne wenigstens ein paar Menschen zum Lachen gebracht.“

Eigentlich war es natürlich alles andere als zum Lachen. RWE war zu dieser Zeit verantwortlich für 20 % der jährlichen Gesamtmenge an CO2 in Deutschland und bezog nur etwa 2 % seiner Energie aus erneuerbaren Energien. Und die Windräder, die der sanfte Riese in die Landschaft pflanzte, produzierten bei RWE gerade mal 0,1 % des gesamten Stroms.

Greenpeace hat den Werbespot übernommen und die eingeblendeten Fakten hinzugefügt. Manchmal funktioniert Satire auch einfach so. Mit der schlichten Wahrheit.

Inzwischen ist RWE Innogy, die Tochtergesellschaft, die für grüne Energie zuständig ist, mit gut 2,8 Gigawatt installierter Leistung mit erneuerbarer Energie einer der zehn größten Anbietern der Branche in Europa. Das muss aber erstmal nicht so viel bedeuten. Der Anteil an konzernweiter Gesamterzeugung ist weiterhin lächerlich gering.

McDonald’s und das grüne Logo

Spätestens nach dem Film „Supersize Me“ muss auch dem letzten Menschen dieser Erde klar geworden sein: McDonald’s-Essen ist scheiße. Für die Gesundheit genauso wie für die Umwelt. Und das nicht nur wegen der Unmengen an Verpackungsmüll.

Die Fast-Food-Kette kam auch schnell auf den Trichter: Bewusste Ernährung und Nachhaltigkeit werden immer hipper. Die Leute lassen sich nicht mehr jeden Müll andrehen. Schlecht für ein Unternehmen, das auf Billigfleisch, Chemikalien und Ausbeutung setzt.

Die Image-Rettung für McDonald’s war nicht etwa die Bemühung, sich zu bessern, sondern wie bei allen großen Unternehmen: (*Trommelwirbel*) Grüne PR. In dem Fall was ganz Einfaches: Einen grünen Hintergrund fürs Logo anstelle eines roten. Punkt.

So enthält das Salatdressing immer noch mehr Kalorien als ein Burger, Säfte und Milkshakes werden aus Konzentraten und Pulvern zubereitet und die Rohstoffe werden weiterhin unter Missachtung von Mensch und Umwelt in den Erzeugerländern Asiens, Afrikas und Südamerikas hergestellt.

Allein in Deutschland kaufte McDonald’s im vergangenen Jahr 41.000 Tonnen Rind, 3300 Tonnen Geflügel und 3500 Tonnen Schwein. Laut dem World Watch Institute ist die Produktion von Fleisch für die Hälfte der klimaschädlichen Gase verantwortlich.

Der Anbau von Soja als Futtermittel ist nicht nur wegen der Rodungen für Anbauflächen, sondern auch wegen des Einsatzes von Pestiziden eine hohe Umweltbelastung. Außerdem will McDonald’s wieder Gentechnik im Geflügelfutter einsetzen. Naja, hauptsache das Logo leuchtet grün…

 

Credits: „Verwitterter Lack“ von screenguide, Lizenz: CC BY-ND 2.0, flickr.com

Written By
More from Lisa Stanew

Strom und Nahrung in Einem mit Agro-Photovoltaik

In Deutschland steigt die Landnutzungskonkurrenz zwischen der Produktion von Solarstrom und der...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.