Energiewände am Balkon

Ohne ein eigenes Dach war es bisher schwierig, selbst regenerativen Strom zu erzeugen. Jetzt nicht mehr. Ein Berliner Startup hat nämlich eine Solaranlage entwickelt, die man am Balkon befestigen kann.

So einfach zu montieren wie ein Ikearegal sollen die Kleinkraftwerke für den Balkon sein. Mathias Helfert und Marcus Vietzke wollen mit ihrem Startup Indielux den Markt für Kleinstsolaranlagen erobern.

Kraftwerke für den eigenen Balkon sind keine gänzlich neue Idee, allerdings haben die beiden ein Haltesystem entwickelt, mit dem man herkömmliche Solarmodule sicher befestigen kann. Zudem soll es „kinderleicht“ sein, die Anlage zu montieren, man brauche nicht einmal Werkzeug dazu.

Die Umwelt schonen mit Solarstrom: Nicht mehr nur für HausbesitzerInnen möglich

Das Indielux-Modul, das 1,60 auf einen Meter groß ist, wird auf der Balkonbrüstung eingehakt und der Strom kann, dank eingebautem Wechselrichter, direkt genutzt werden. 240 Watt kann die Anlage maximal leisten. Im Durchschnitt lässt sich davon ein Zehntel des Stromverbrauchs eines Haushalts abdecken.

Im Vergleich zum Strom aus der Steckdose können die VerbraucherInnen ungefähr 145 Kilo CO2 einsparen. Soviel stößt ein sparsamer Pkw auf 1400 km aus. Pro Jahr könnten auf die Menge der Balkone in Deutschland hochgerechnet 188.000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Das klingt erstmal ziemlich verlockend, jedoch leider noch recht unrealistisch. Dass tatsächlich an allen Balkonen Deutschlands eine kleine Solaranlage hängt, ist ein schöner Traum.

Aber auch wenn das Kleinkraftwerk Geld einsparen würde, nämlich die Hälfte der Stromkosten für den selbst produzierten Teil, bleiben die VerbraucherInnen skeptisch, was die Sicherheit der Anlagen angeht.

Solarstrommodul von Indielux
© Indielux

Die kleinen Hindernisse, die es zu bewältigen gibt

Ein noch zu lösendes Problem ist auch der Stromverbrauch. Sollte der selbst produzierte Strom nämlich nicht direkt verbraucht werden, kann man ihn nicht ins Netz einspeisen.

In den USA wurde dafür eine Lösung gefunden: Auch Kleinsolaranlagen können dort ihren Strom in die öffentliche Stromversorgung einbringen. Dann läuft der Stromzähler des Besitzers rückwärts.

Soweit sind wir in Deutschland leider noch nicht, allerdings wurde bereits vor einem Jahr in dem Entschließungsantrag zur Strom- und Wärmeerzeugung in Brüssel „bekräftigt, dass Stromerzeugung in kleinstem Maßstab künftig von wesentlicher Bedeutung für die Stromerzeugung sein wird“.

Das hört sich doch gut an. Es bedeutet nämlich, dass das amerikanische Strommodell hoffentlich auch bald in Deutschland möglich sein wird, die Solarpanele an den eigenen Balkonen mit etwas Glück zur Normalität werden und wir damit tatsächlich einige Tausend Tonnen CO2 einsparen können.

Und: So ein eigener kleiner Kräutergarten auf dem Balkon ist ja was Feines. Aber ein eigenes kleines Kraftwerk, das ist schon nochmal ein ganz anderes Kaliber. Und wenn sich jemand so ein grandioses Wortspiel, wie „Energiewände am Balkon“ ausdenken kann, dann kann ich eigentlich gar nicht anders, als ihn zu unterstützen.

 

Credits: Titelbild © indielux.com

 

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