Einkaufstüten: Plastik oder Papier?

Darauf haben wir alle direkt eine klare Antwort: Papier. Ganz klar. Denkste. Papier hat nämlich sogar die schlechtere Ökobilanz…

Durchschnittlich verbraucht ein/e EuropäerIn mehr als 100 Kilo Plastik jährlich. Normalerweise wird der auf Mülldeponien verbrannt, allerdings landet er auch nicht selten im Meer.

Im Frühjahr 2015 veröffentlichte die EU-Kommission Richtlinien zur Reduktion von Plastikmüll. Immerhin verbrauchen EU-BürgerInnen laut einer Studie aus dem Jahr 2010 bis zu 100 Milliarden Plastiktüten im Jahr. Hundert Milliarden, Alter!

90% davon werden nur einmal benutzt und landen direkt im Müll. Im Schnitt wird eine Plastiktüte nur 25 Minuten benutzt. Und im Ozean hat sich bereits ein neuer Kontinent gebildet. Aus Plastik. Der ist so groß wie Europa. Die Ozeane sind also voll mit Plastik, unser Essen ist voll mit Plastik und wir benutzen weiterhin fröhlich die Plastiktüten für das Gemüse im Supermarkt. Die sind nämlich nicht in der EU-Richtlinie enthalten…

Papier statt Plastik ?

Gerade beim Obst und Gemüse im Supermarkt fragt man sich doch immer häufiger: Müssen das Plastiktüten sein, die wir zur Verpackung verwenden? Warum kein Papier? Immerhin braucht Papier keine 100 bis 100 Jahre, bis es sich abgebaut hat.

Allerdings belastet die Herstellung einer Papiertüte die Umwelt sogar mehr als die Herstellung einer Plastiktüte. Es werden mehr Rohstoffe und Wasser verbraucht und mehr Kohlendioxid erzeugt als bei der Herstellung der Plastiktüte. Dadurch, dass Papiertüten schwerer sind als die aus Plastik, verbraucht auch der Transport noch zusätzlich mehr Energie.

Insgesamt wird für eine Papiertüte fast doppelt soviel Energie benötigt als für eine Plastiktüte. Damit eine Papiertüte die selbe Ökobilanz hätte, müsste man sie dreimal so oft verwenden wie eine Plastiktüte. Allerdings reißt Papier viel, viel schneller und ist auch nicht wasserresistent. Das würde bedeuten: Plastik ist besser als Papier. Oder?

Plastik statt Papier?

Ist das wirklich so? Dass wir lieber weiter Plastiktüten verwenden sollten statt die aus Papier? Das würde ja mein Weltbild komplett auf den Kopf stellen – und ist zum Glück auch nicht so.

Immerhin hängt die Umweltverträglichkeit eines Stoffes nicht nur von der Herstellung, sondern auch von der Art der Entsorgung ab. Und die ist bei Papiertüten wesentlich einfacher. Außerdem kommt es auch darauf an welcher Rohstoff verwendet wurde. Wurde beispielsweise Altpapier benutzt, ist die Papiertüte viel umweltschonender als eine herkömmliche.

Und auch wenn der Plastikbeutel im Vergleich zur Papiertüte in der Herstellung umweltfreundlicher ist bedeutet das nicht, dass er umweltfreundlich ist. Auch nicht in der Öko-Variante. Und die Herstellung von Jutebeuteln hat allerdings ja leider auch eine miese Ökobilanz. Was sollen wir da nur tun?

Ganz einfach: Keine Einwegnutzung von Tragetaschen. Am Besten gar kein Plastik und kein Papier, sondern Jutebeutel oder Einkaufstaschen von zu Hause zum Einkaufen mitbringen und nicht jedesmal neue kaufen. Das Gemüse und das Obst, das wir im Supermarkt kaufen braucht auch keine extra Verpackung. Waschen müssen wir es sowieso bevor wir es essen.

Eine Alternative zur herkömmlichen Papiertüte könnte übrigens das „Tütle“ darstellen, ein erdölfreier Papierbeutel mit doppeltem Boden, der auch nass funktioniert.

Credits: „canal debris“ von Andrew, Lizenz: CC BY 2.0

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