Ein Maßstab für die Nachhaltigkeit

Dass die momentane Situation in der Textil- und auch der Schuhbranche nicht tragbar ist und sich etwas ändern muss, das ist spätestens seit der Rana-Plaza-Katastrophe mit mehr als 1.100 Toten klar.
Doch was tun? Klar, wir als Verbraucher haben die bewusste Wahl, ob wir auf Marken wie H&M, Primark und Co. setzen oder auf faire Biokleidung.
Doch langsam sollte sich auch etwas in der breiten Masse tun! Jedes Unternehmen sollte die eigenen Umweltauswirkungen und Produktionsbedingungen kennen und stets verbessern. Dagegen ist nichts einzuwenden, oder?

Wie die SAC das umsetzen möchte

Bei diesem Gedanken setzt die SAC (Sustainable Apparel Coalition) an. Die Koalition ist ein Zusammenschluss von großen Marken wie etwa Puma oder adidas, Einzelhändlern, Nicht-Regierungsorganisationen, Produzenten der Textil- & Schuhindustrie und der amerikanischen Umweltbehörde und wurde im März 2011 gegründet.
Ihr Ziel ist es, einen internationalen Maßstab zu schaffen, der Unternehmen der Bekleidungs- und der Schuhbranche nach ökologischen und sozialen Gesichtspunkten bewertet und ihnen so die Chance auf Vergleich und Verbesserung bietet.

Higg Index

Das Werkzeug zur Umsetzung des Ganzen ist der sogenannte Higg Index. Durch ihn können die Unternehmen die eigenen ökologischen und sozialen Auswirkungen messen und verbessern. Dabei wird der gesamte Lebenszyklus eines Produktes betrachtet.
Der Name ist inspiriert von der Suche nach dem Higgs-Boson Teilchen, welches das Verständnis vom Universum und der Wissenschaft änderte. Die Suche nach den Teilen der Wertschöpfungskette soll die Nachhaltigkeit verändern, so der Zusammenhang. Der Name musste kurz, einfach und in vielen Sprachen aussprechbar sein. Das Wort Index ist hier mit dem Wort Zusammenstellung gleichzusetzen.

Die unterschiedlichen Bereiche

Der Higg Index ist in drei Teile aufgebaut: Marken-Modul, Produkt-Modul und Anlagen-Modul.
Das Marken-Modul nimmt die Policies und Praktiken des entsprechenden Unternehmens ins Visier. Es sollen Maßnahmen für ein möglichst langlebiges Design und für einen möglichst geringen Anfall an Abfällen und Verpackungen erforscht und umgesetzt werden.
Beim Produkt-Modul geht es um die Optimierung der Stoffe und verwendeten Materialien.
Das Anlagen-Modul hat die eigentliche Herstellung der textilen Produkte im Blick und strebt die Verbesserung aller Maßnahmen bezüglich Energie, Wasser und Abfall an.

image showing earth sinking in heavy water pollution with tons of plastic containers

Versionen des Index

Im Juli 2012 wurde zunächst der Higg Index 1.0 veröffentlicht, welcher sich mit dem Lebenszyklus von Bekleidungsprodukten hinsichtlich Materialien, Herstellung, Verpackung, Transport, Verwendung und Entsorgung beschäftigte und so vor allem die Umweltauswirkungen des jeweiligen Produktes betrachtete.
Seit Dezember 2013 gibt es den Higg Index 2.0, der ebenfalls Schuhe bewertet und neben den Umweltaspekten auch arbeits-und sozialrechtliche Auswirkungen mit einbezieht.

Die Idee dahinter

Durch die Schaffung eines einheitlichen Maßstabes können sich die Unternehmen über Produktionsstrategien zur Verbesserung der eigenen Nachhaltigkeit austauschen – die Mitglieder sind sogar verpflichtet, über optimale Strategien zu informieren.
Dadurch sollen langfristig der weltweite Chemikalien-, Energie- und Wasserverbrauch der Bekleidungs- und der Schuhbranche reduziert werden, ebenso wie Abfälle durch die Produktion. Eine große Rolle spielt auch die Verbesserung der sozialen Standards in den Produktionsländern.
Die Idee kann nur funktionieren, wenn die teilnehmenden Unternehmen für Transparenz in ihrer kompletten Lieferkette sorgen, also bei den Zulieferern Informationen über die bisherige Herstellung der Produkte verlangen. Denn nur mit dem Wissen über die aktuelle Situation kann etwas verbessert werden.

Erste Probleme

Hierbei macht sich allerdings bereits das erste Problem bemerkbar: Zwar sind über 40% der weltweiten Bekleidungsindustrie bereits Mitglied, jedoch gehen die Unternehmen mit ganz unterschiedlich hoher Motivation an den Start. Viele Unternehmen weigern sich, Zeit und Energie aufzubringen, um die erforderlichen Daten zu erhalten, was oft sehr aufwendig ist, da kein direkter Kontakt zu den Zulieferungsketten besteht.

Ein langer Weg

Ob der Higg Index tatsächlich zur Verbesserung von sozialen und Umweltstandards beiträgt, ist nicht bewiesen. Das Ganze wird momentan noch als ein großes Experiment, mitten in der Entwicklungsphase, betrachtet. Die erfolgreiche Umsetzung des Projektes ist komplex und langwierig.
Aktuell sind noch sehr wenige und einseitige Informationen vorhanden. So sagt beispielsweise die Verwendung von Bio-Baumwolle nichts über die soziale Situation und Produktionsbedingungen aus, was es für bewusste Konsumenten sehr schwer macht, sich einen Überblick zu verschaffen. Da sich alles noch in der Entwicklungsphase befindet, ist es den Unternehmen nicht erlaubt, die eigenen Higg Index-Daten zu veröffentlichen.
Dieses Problem soll durch ein Label aufgegriffen werden, welches dem Verbraucher die notwendigen Informationen gibt und die Daten des jeweiligen Produktes transparent aufzeigt.
Als ein weiteres Ziel nennt die SAC die Schaffung eines Mindestlevels, welches für alle Mitglieder in der Produktherstellung verpflichtend sein soll.
Da bleibt nur die Frage, ob die ganzen Unternehmen tatsächlich bereit sind, Jahr für Jahr Informationen zu erforschen und weiter zu geben. Und ob große Unternehmen wie H&M es dadurch wirklich ernstnehmen mit der positiven Veränderung für Umwelt und Arbeiter. Wir hoffen es und bleiben optimistisch, denn: Alles wird gut!

Foto-Credits: © Cherries / Adobe Stock

Bilder: © Stéphane Bidouze / Adobe Stock ; © Kuyichi

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1 Comment

  • Tjaja, manchmal macht’s das Leben nicht unbedingt leichter, besser, nachhaltiger, wenn man versucht, es sauber wissenschaftlich anzugehen und sich im Detail zu verlieren, oder?

    Die Energie, die fürs Aufdröseln verwendet wird, könnten die großen Konvi-Unternehmen gerne einfach ins Bessermachen stecken!

    Alles wird gut 🙂
    Kerstin

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