Dreckiges Gold: Was sich hinter dem Glanz verbirgt

Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung: Das beliebteste Metall der Welt wird alles andere als fair gewonnen. Fast alle großen Akteure im Goldbergbau haben Dreck am Stecken.

Der Abbau von Gold hat verheerende soziale und ökologische Folgen. Das wertvolle Metall wird nicht nur für Schmuck verwendet, sondern auch als Anlageprodukt für Staaten, sowie für Privatpersonen. Der Bedarf und damit auch der Preis wird immer mehr steigen, denn auch in unseren Smartphones und Laptops ist Gold enthalten.

Quecksilber und Zyanid im Grundwasser

Ein einzelner Ehering produziert 20 Tonnen Giftmüll. Das liegt daran, dass für den oberirdischen Abbau von Gold Quecksilber und Natriumzyanid verwendet wird, um das Gold damit auszuwaschen.

Weltweit werden jedes Jahr schätzungsweise 182.000 Tonnen Zyanid verbraucht – allein von den Goldminen. Davon wird kaum etwas so entsorgt, dass es wenigstens nicht ganz so umwelt- und gesundheitsschädlich ist. Im Gegenteil.

Es gelangt beim Durchspülen ins Grundwasser und in die Flüsse, womit die Gifte sich auch in der Nahrungskette ansammeln. Der Rest wird auf schlecht gesicherten Halden gelagert oder in Seen und manchmal sogar ins Meer gekippt.

Doch auch andere Schwermetalle werden durch Zyanid gelöst und können nicht abgebaut werden sondern lagern sich in Tieren und Menschen ab. Um aus einer Tonne Schutt Gold zu gewinnen, wird ein Kilo Zynaid benötigt. Daraus werden mickrige 0,2 bis 7 Gramm Gold gewonnen. Dafür wird die Umwelt nachhaltig geschädigt. Und auch die Existenz der Menschen wird immens gefährdet.

Beitrag der WDR-Sendung „Markt“ von 2011

Ausbeutung, Vertreibung, Konfliktfinanzierung

100.000 Tonnen Gold gibt es schätzungsweise noch auf der Erde. Und die restlos zu finden, haben sich die Unternehmen wohl zur Aufgabe gemacht. Koste es, was es wolle. Die Zustände in Minen und deren Umgebung sind weltweit ähnlich katastrophal.

Unter anderem wird in Indonesien, Tansania, Peru und Ghana geschürft. In China auch, aber da gibt es keine Infos über die Arbeitsbedingungen. Denken können wir uns dazu unseren Teil.

Die Menschen, die in einer Mine arbeiten oder in der Umgebung wohnen sind ständig den gefährlichen Giften ausgesetzt, die in den Körper eindringen. Die Seen und Flüsse, aus denen sie ihr Trinkwasser beziehen, sind vergiftet und die Bergbaufirmen stellen viel zu wenig sauberes Trinkwasser zur Verfügung.

Trotz Widerständen werden außerdem die Bewohner der sogenannten Entwicklungsländer für den Abbau von Gold von ihrem Land vertrieben, darunter auch Urvölker. Wenn es ganz schlimm kommt, geraten sie außerdem noch in einen Krieg, der ebenfalls mit dem Abbau von Gold finanziert wird. Gold kann also genauso ein Konfliktmaterial darstellen wie Blutdiamanten.

Nicht nur die Menschen, die in Minen arbeiten, sondern auch die, die alleine nach Gold schürfen und das dann verkaufen, sind hohen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt und schuften für einen Hungerlohn.

Oft müssen die ArbeiterInnen ihre Familie von umgerechnet 30 Euro im Monat ernähren, wobei der Goldpreis bei 1050 Euro pro 30 Gramm liegt. Das Zynische: Eine bessere Bezahlung würde sich kaum auf den Preis auswirken, da die Löhne nur einen geringen Prozentsatz ausmachen.

Gold in Bio und Fairtrade

Immer populärer wird es, Gold aus Altgeräten zu recyceln, was nicht nur Elektroschrott zu einer Ressource macht, sondern die Umwelt enorm schont. Recyceltes Gold ist inzwischen gar nicht schwer zu finden, Bio und Fairtrade-Gold hingegen schon.

In Großbritannien wurde bereits 2011 das erste Siegel für Gold und Silber nach Standards von “Fairtrade International” eingeführt. In Deutschland verläuft das leider etwas schleppend.

An fairen Schmuckverkäufern gibt es in Deutschland das Hamburger Schmuckatelier Jan Spille, das eine sozial und ökologisch korrekte Herkunft des Goldes garantieren kann.

Außerdem  fördert die Holcim Kies und Beton GmbH in Süddeutschland in ihrem Kieswerk Gold als Nebenprodukt, ganz ohne Chemikalien, wodurch das Gold als „Biogold“ bezeichnet werden kann. Ansonsten ist es leider schwer, nachzuvollziehen, wo das Gold tatsächlich herkommt, da bereits die Goldschmiede bei dem Kauf des Goldes meist keine Informationen über die Herkunft bekommen. Wie immer wird also verschleiert, wo es nur geht.

Wer also unbedingt heiraten will, kann sich ja mal im Antiquariat umsehen, oder kann vielleicht die Ringe der Großeltern wiederverwenden. Und wer einfach nur hübschen Schmuck kaufen möchte, kann ja mal hier nachlessen, was es noch für Alternativen gibt.

Die Kampagne „No Dirty Gold“ setzt sich für Transparenz, bessere Arbeitsbedingungen und umweltschonende Methoden im Goldbergbau ein. Hier könnt ihr sie mit eurer Unterschrift unterstützen.

 

Credits: „would you…“ von chiefprogrammer lizensiert nach CC BY 2.0

 

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