Don’t shave: Mehr Zeit für Wichtiges!

Die Achseln, die Beine, die Bikini-Zone. Frauen lernen schon als Mädchen, dass es eklig ist, wenn sie sich nicht rasieren. Das wird sich bald ändern!

Am Besten ist es, frau hat gar keine Haare am Körper. Auch wenn es aussieht wie bei einer 9-Jährigen, ist das Bild der komplett enthaarten Frau immer noch ein Ideal.

Allerdings wird es mit der fortschreitenden Emanzipation immer absurder. Frauen sollten ihren Körper nicht für die Öffentlichkeit verändern müssen, denn wir wissen doch alle, wie ein Frauenkörper eigentlich aussieht. Frauen haben bekanntermaßen auch Körperbehaarung. Wir sollten aufhören, so zu tun, als wüssten wir das nicht. Machen wir uns mal wieder bisschen locker!

Rasierte Frauen sind „normal“

Wo wir auch hinsehen, überall sind die Frauen rasiert. Und wenn sich mal wirklich eine traut, im Sommer unrasiert herumzulaufen, dann finden das die meisten immer noch eklig. Obwohl sie selbst auch behaart sind. Ich muss zugeben, dass auch ich zweimal hinschaue, wenn ich eine unrasierte Frau sehe. Ich bin eben auch nur das Produkt meiner Gesellschaft.

Dass wir unseren eigenen Körper im natürlichen Zustand abstoßend finden, ist eigentlich völlig krank und vor allem ein Ergebnis von tausenden Jahren der Unterdrückung. Und selbst jetzt, wo Frauen es fast geschafft haben, mit Männern auf einer gesetzlichen Stufe zu stehen, rasieren wir uns noch.

Das Argument der Hygiene zählt nicht, da man auch mit Körperbehaarung gepflegt sein kann, wie so viele Männer beweisen. Das Argument, dass Männer sich doch inzwischen auch rasieren, lasse ich auch nicht gelten, denn Gleichberechtigung bedeutet für mich, dass Frauen und Männer und alle dazwischen gleichermaßen frei sein können und nicht, dass sie sich gleichermaßen quälen müssen.

So gehen dann auch langsam die Argumente aus. Und trotzdem sind heutzutage sogar die klügsten und selbstbestimmtesten Frauen rasiert. Einfach weil es so sein muss, um als Frau ernst genommen zu werden. Wir sind mit diesem Schönheitsideal aufgewachsen und werden es auch nur schwer aus unseren Köpfen bekommen.

Sogar in Filmen und Serien mit Endzeitszenarien, in denen die Menschen mehr und mehr verwahrlosen weil sie weder Dusche noch Seife zur Verfügung haben (z.B. „The Walking Dead“), haben die Frauen offensichtlich trotzdem immer einen Rasierer parat, denn die Achseln der Schauspielerinnen sind glatt rasiert.

Dass das dazu führt, dass junge Mädels denken, sie wären als Einzige behaart und damit abnormal, kann man sich ja denken. Dieser scheiß Ekel vor der eigenen Natürlichkeit muss ein Ende finden!

Zurück in die 68er!

In einem Artikel auf Biorama werden 5 1/2 Gründe aufgezählt, weshalb Achselbehaarung bei Frauen absolut klar geht. Der Auslöser: Im Internet wird gerade ein Trend besonders stark diskutiert, auf theguardian.com sogar als „der subversivste Trend 2015“ bezeichnet.

Der Trend besteht darin, dass junge Frauen sich die Achselhaare wachsen lassen und dann in den unterschiedlichsten Farben einfärben. Das mit dem Färben muss ja nicht unbedingt sein, aber scheiß drauf. Immerhin schonmal die richtige Richtung.

Losgetreten hat den Trend mal wieder the one and only Madonna und ihr Foto auf Instagram, auf dem sie mit behaarten Achseln zu sehen ist. Dazu schreibt sie: „Long hair… Don’t care!!!!“

Und damit trifft sie zu 100 Prozent den Nerv der Zeit. Die Mode ist schon längst stark inspiriert von den 68ern, es wird nur mal Zeit, dass die Körperkultur auch wieder in diese Richtung geht. Und das sieht momentan ganz danach aus.

Nicht-sexualisierte Körperlichkeit von Frauen, also was bei dem weiblichen Körper so abgeht, zum Beispiel die Periode oder ähnliches, wird auch in den Medien immer weniger tabuisiert. Inzwischen gibt es auch im Fernsehen genug Protagonistinnen, die, wie in den Ami-Serien „2 Broke Girls“ und „The Mindy Project“, ohne Scham über ihren Körper sprechen.

Da wird dann auch übers Furzen geredet, ohne, dass gleich alle ausflippen. Auch wenn ich solche Serien nach wie vor mit Argwohn betrachte, ist das eine begrüßenswerte Entwicklung.

Eine britische Youtuberin spricht sehr reflektiert über ihre Erfahrungen und ihre Gedanken über Körperbehaarung

Don’t shave! Für mehr Selbstbestimmung

Es gibt viele Gründe, sich nicht mehr zu rasieren, und zwar am ganzen Körper. Jeder Mensch, der sich schonmal rasiert hat, weiß wie unangenehm das für die Haut sein kann. Kleine Pickelchen, die sich entzünden und Narben bilden. Sieht auch beschissen aus. Aber Hauptsache keine Haare.

Es ist auch nachhaltig. Weg mit den Plastik- und im schlimmsten Fall noch mit den Einwegrasierern! Schon alleine die Mehrwegrasierer produzieren viel zu viel Müll. Und Rasierklingen sind sowieso viel zu teuer.

Außerdem geben, wie bei den Männern auch, die weiblichen Achsel- und Schamhaare Pheromone ab, die als Sexual-Lockstoff fungieren. Rasieren, Deo und Parfum überdecken diesen Geruch. Sexual-Lockstoff! Kommt schon, Leute! Das ist doch auch für die Menschen ein Argument, die ihre Lebensaufgabe einzig und alleine darin sehen, einen Partner zu finden.

Einer der wichtigsten Gründe, sich nicht zu rasieren, ist für mich allerdings die Zeitersparnis. Gerade im Sommer muss man ja quasi bei jeder Dusche auch seinen Körper enthaaren. Das raubt unheimlich viel Zeit, die man für so viele wichtigere Dinge haben sollte. Die Logistik rund ums Rasieren ist so anstrengend. Im Winter bin ich jedesmal schockiert, wie gechillt es ist, sich nicht ständig übers Rasieren Gedanken machen zu müssen.

Und immerhin scheint es wirklich in die richtige Richtung zu gehen: Es gibt immer mehr Seiten über Achselbehaarung. Der Künstler Ben Hopper hat zum Beispiel die Fotoreihe „Natural Beauty“ veröffentlicht, in der (natürlich hübsche junge) Frauen mit Achselbehaarung zu sehen sind.

Und auf der Plattform don’t-shave.com gibt es unzählige Bilder von Frauen, die mit ihrer Haarpracht kokettieren. Find ich gut. Immerhin hört Selbstbestimmung nicht bei Körperbehaarung auf.

 

Credits: „razorblade“ von dabadoo, Lizenz: CC BY-ND 2.0; „confident“ von istolethetv, Lizenz: CC BY 2.0

 

 

 

 

 

 

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