Die Bunnys ziehen sich an – das Ende der Nacktheit?

Während wir uns im Internet nach wie vor jede noch so abgefahrene oder herabwürdigende Sexpraktik unzensiert reinziehen können, schafft der Playboy seine Nacktbilder ab…

Es ist soweit: Der Playboy druckt keine Nacktbilder mehr. Also, erstmal nur in der amerikanischen Ausgabe, aber trotzdem. Hä? Was denn dann? Naja, Artikel und Interviews und so. Das, was so viele Männer als Grund für den Kauf der Zeitschrift angeben. So wie halt jede andere Zeitschrift auch. Alleinstellungsmerkmal im Arsch. Das Alleinstellungsmerkmal war auf jeden Fall ein Fragwürdiges: Nackte Frauen mit Silikonbrüsten und perfekt enthaarten Vaginas, immer schön mit Weichzeichner bearbeitet.

Gegen die Objektifizierung des weiblichen Körpers?

Klar, das war die Objektifizierung des weiblichen Körpers schlechthin. Und ein unerreichbares Körperideal für jede Durchschnittsfrau wurde damit auch zementiert. Riesenbrüste und trotzdem superdünn, wie soll das gehen… Aber von nun an nur noch leicht bekleidete Frauen zu zeigen, das tritt der Objektifizierung nicht gerade entgegen. Immernoch werden junge Mädchen sehen: Die perfekte Frau sieht so aus, wie sie nie aussehen werden, wenn sie sich nicht hungern oder sich unter’s Messer legen. Und die Männer dieser Welt werden weiter einem Ideal hinterherrennen, das nicht existiert.

Eine Reform wäre beim Playboy viel wichtiger und besser gewesen: Schöne, nackte Frauen, die eben nicht die kaum erreichbaren 90-60-90-Maße haben, sondern ganz unterschiedlich, so wie im echten Leben auch. Und dann meinetwegen noch Weichzeichner drüber, damit die hochglanzverwöhnten Playboy-Leser zufrieden sind. Aber gar keine Nackten mehr? Ist das nicht mehr als heuchlerisch, wenn man sich währenddessen im Internet vor Angeboten von nackten Frauen nicht retten kann?

Innerhalb eines Klicks kann ich mir zwanzig Videos reinfahren, in denen der weibliche Körper nicht nur objektifiziert (heute mein Lieblingswort) wird, sondern in denen die Frau so herabgewürdigt wird, dass es an Vergewaltigung grenzt. Und die Pornos, die man sich umsonst auf Youporn ansehen kann, sind – gebt es zu, Männer – extrem langweilig und eintönig. Immer das Gleiche. Der nackte Körper ist nicht mehr faszinierend, nicht mehr erotisch, er dient lediglich der Durchführung von mechanischen Standard-Porno-Moves.

… Oder zurück in die Fünfziger?

Da sehnt man sich doch direkt nach dem Playboy. Das Magazin, das sich Jungs heimlich gekauft haben, unterm Bett versteckt, um dann abends ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Jetzt können die Jungs sich stumpf vor den Laptop setzen, innerhalb von ein paar Minuten ist das Masturbationserlebnis komplett und man kann weiterzocken oder zu facebook. Zeiteffizienter ist es definitiv, aber trotzdem irgendwie schade. Lässt sich aber eben auch nicht mehr rückgängig machen.

Was sich allerdings vermeiden lässt, ist der Prüderie-Feldzug der Medien, der wie ein verzweifelter Ausgleich zum Sündenpfuhl Internet wirkt. So nach dem Motto: Wer sich den Playboy kauft, der will offensichtlich die Artikel lesen, weil zum Wichsen geht man ins Internet. Kann ja schon sein, aber das muss doch deshalb nicht bedeuten, dass wir die Heuchlerschiene weiterfahren müssen. Immer schön Brüste und Ärsche zeigen, aber dann den einen Quadratzentimeter Nippel verpixeln.

Dass im Internet so viel kranke Scheiße zu sehen ist, ist keine Rechtfertigung dafür, dass die übrigen Medien sich nicht mehr ernsthaft damit auseinandersetzen müssen, was gezeigt werden sollte und was nicht. Einfach pauschal alle Brustwarzen zu verbannen, ist sicher nicht die Lösung. Vielmehr sollte Nacktheit nicht mystifiziert werden, sondern eher normalisiert.

Die Entscheidung des Playboys jedenfalls hat sicher keine moralischen Gründe, sondern vor allem geschäftliche: Der Umsatz von Playboy ging zusammen mit dem Großwerden des Internetpornos stark zurück und Nacktheit war schlichtweg nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal. Jetzt müssen sie eben mehr auf die Qualität ihrer Artikel setzen. Auch okay eigentlich. Und wir in Deutschland haben ja noch ein bisschen Zeit, uns an den Gedanken zu gewöhnen.

Die Angst davor, dass es aber in eine ganz andere Richtung geht, bleibt bei mir leider weiter bestehen. Davor nämlich, dass der weibliche Körper wieder zur Tabuzone wird, die Frau als sexuelles Wesen gar nicht mehr akzeptiert wird – außer im Internetporno – und sich wieder in ihren Pettycoat schmeißen und Abendessen kochen soll, um nur abends im Bett dann hinzuhalten,  Den weiblichen Körper zum Objekt zu degradieren, das geht auch ohne Nacktheit. Freie persönliche Entfaltung aber leider nicht.

Der Magazin-Chef von Playboy, der jetzt beschlossen hat, nur noch angezogene Frauen zu Objekten zu machen, heißt übrigens Flanders… Da dürfen doch auch mal die Alarmglocken läuten…

 

Credits: „Playboy, January 1985“ von Matthew Hurst ist lizensiert nach CC BY-SA 2.0

 

 

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