Büffelmozzarella: Blutiger Käse

Büffelmozzarella aus Italien ist unter Feinschmeckern als Premiumprodukt sehr beliebt. Diese Bezeichnung schließt allerdings nicht aus, dass sich dahinter großes Tierleid verbirgt.

Wenn etwas als Premiumprodukt bekannt ist, neigt man dazu, zu glauben, dass es qualitativ hochwertig ist. Und zwar in jeder Hinsicht. Dass dem nicht so ist, wissen wir aber eigentlich auch. Hier nochmal eine kleine Erinnerungsstütze, dass teurer nicht gleich besser heißen muss.

Premiumprodukt mit Tierleid

Der normale Mozzarella-Käse aus Kuhmilch schmeckt meistens etwas fad. Wenn man sich also ein bisschen auskennt, investiert man in guten Büffel-Mozzarella. Der hat dreimal so viel Fett und ist dadurch cremiger und aromatischer.

Ist zwar doppelt so teuer wie normaler Mozzarella, aber „Premiumprodukt“ hört sich eh ganz cool an und inzwischen weiß man ja auch, dass man die herkömmliche deutsche Milchkuhhaltung nicht unterstützen sollte.

Die italienische Büffelhaltung ist allerdings mindestens genau so beschissen. Das haben Recherchen der Tierrechtsorganisation VIER PFOTEN ans Licht gebracht. In der italienischen Region Kampanien befinden sich die meisten Büffelfarmen in Europa, etwa 1400 Betriebe mit 280.000 Tieren.

Die Tiere werden zur Milchgewinnung auf engstem Raum auf einer Schicht aus ihren eigenen Exrementen gehalten. Wenn sie ein wenig Bewegungsfreiheit haben, fällt es  ihnen schwer zu laufen, da ihre Klauen nicht gepflegt werden. Oft haben sie offene, unbehandelte Wunden.

Sie leben entweder in zu dunklen Räumen oder müssen brütende Hitze ertragen. Das Trinkwasser ist verschmutzt und wenn ein Büffel stirbt, wird der Kadaver oft wochenlang liegengelassen, was leicht zum Ausbrechen von Krankheiten führen kann.

Auch das Schlammbad, das für Wasserbüffel besonders wichtig ist, um sich zu kühlen und gegen Parasiten und Fliegen zu schützen, ist ihnen nicht vergönnt. Das höchste der Gefühle ist da meist eine Sprinkleranlage für die wärmeempflindlichen Tiere. Wenn überhaupt.

Dieses Video von VIER PFOTEN ist nur schwer zu ertragen. Die Organisation betont, dass diese Bilder keine Einzelfälle darstellen:

Das kurze Leben der männlichen Kälber

Büffelfleisch wird kaum konsumiert, unter anderem, weil die Aufzucht zum Fleischgewinn zu aufwendig wäre. Die männlichen Kälber sind also von Geburt an „Abfallprodukte“. Darüber hat vor ein paar Tagen auch die ZEIT eine Reportage veröffentlicht.

In Italien werden rund 380.000 Büffel gehalten, hauptsächlich für die Milchproduktion. Damit die Kühe Milch geben, müssen sie jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Die Hälfte der zur Welt gebrachten Kälber sind männlichen Geschlechts.

In ihrem Blog schreibt Tierschützerin Lorie Esser von 50.000 männlichen Kälbern, die jährlich zur Welt kommen und legal oder illegal ermordet werden. Der legale Weg, die Tiere zu ermorden, ist, sie zwanzig Tage nach ihrer Geburt zum Schlachthof zu bringen, wenn die Wunde der abgetrennten Nabelschnur verheilt ist.

Oft werden die Kälber aber auf kostengünstigere Weise getötet. Sie werden in einem Tümpel aus Gülle ertränkt, mit dem Hammer erschlagen, oder man lässt sie vor den Augen ihrer Mütter verhungern.

Ein extrem unangenehmes Thema, aber zusammen mit Frankreich und den USA sind wir Deutschen nun mal die Hauptabnehmer für Büffelmozzarella. Um an den verheerenden Zuständen etwas zu ändern, hat VIER PFOTEN Mindestforderungen für Büffelfarmen erarbeitet, die über die EU-Gesetzgebung hinausgehen.

Unter anderem werden folgende Kriterien darin aufgelistet: Ein Stopp des brutalen Kälbertötens, regelmäßige Kontrollen, Pflege und medizinische Versorgung der Tiere, hygienische Haltungsbedingungen, Zugang zu Schlammbädern oder Wasserspritzanlagen sowie permanenter Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Ob es etwas bringt, bleibt abzuwarten. Was wir tun können, ist eh klar: Auf Büffelmozzarella verzichten. Und auf normalen am besten auch gleich. So gut kann kein Käse schmecken, dass man dafür Tierquälerei in Kauf nimmt.

 

Credits: „Büffel / Buffalo“ von Michael Jansen, Lizenz: CC BY-ND 2.0

 

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