Braun statt Grün: Rechte Szene lockt mit Umweltschutz

„Schützt unseren Lebensraum“, „Tierschutz muß konsequenter umgesetzt werden“ und „Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen“. Das klingt nach vernünftigen Forderungen – wenn nicht die Nationalistische Partei Deutschlands (NPD) dahinter stecken würde. Mit ihrem Umweltengagement will die rechte Szene „Brücken zu umweltbewußten Personen“ aufbauen.

„Gemeinsam für eine saubere Umwelt“. Naturbewusst und engagiert präsentiert sich die NPD Niedersachsen auf ihrer Website.

Heimattreue Aktivisten, die für eine saubere Umwelt sorgen. So stellen sich die Mitglieder der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) gerne dar. Umweltschutz haben sie sich nach eigener Aussage schon auf die Fahne geschrieben, „als die Grünen noch Quark im Schaufenster waren.“

Im NPD-Parteiprogramm wird klar, warum sich Rechtsradikale mit Natur- und Umweltschutz beschäftigen. Der Staat hat eine Verantwortung für „heimische Erzeuger“, „Naturschutz ist Heimatschutz“, eine „weitestgehend nationale Selbstversorgung“ wird angestrebt.

Umweltmagazin schreibt über Bäume pflanzen, Tierversuche und germanische Vornamen

Auch außerhalb der Partei gibt es rechtsextremen Naturschutz: Das Magazin „Umwelt & Aktiv“ befasst sich auf den ersten Blick mit Umweltthemen.

Aber neben Artikeln über Robbensterben und Forstwirtschaft findet der Leser Schlagzeilen wie „Die Ur-Bevölkerung Europas – Eine längst fällige Richtigstellung“, „Die Sprache in Deutschland ist klares Deutsch“ und „Germanische Vornamen“.

Gegründet wurde das Magazin „Umwelt & Aktiv“ vom Verein Midgard e.V. Zwar behauptet der unabhängig zu sein – im Sprachgebrauch auf der Website des Magazins lassen sich aber deutliche Parallelen und wortgleiche Formulierungen zum NPD-Parteiprogramm finden.

Ein Hauch von Dschungelcamp-Prominenz und Wissenschaft

Namenhafte Umweltschützer, wie Atomkritiker Holger Strohm und die indische Physikerin Vandana Shiva, gaben dem Magazin bereits Interviews, die nicht auf rechtes Gedankengut schließen lassen.

Einer der Interviewpartner war auch Dr. Volkmar Weiss. Der Genetiker steht aufgrund seiner Aussage, Intelligenz sei vererblich, in der Kritik. Auch der Sozialwissenschaftler Volker Kempf steht dem Magazin Rede und Antwort. Kempf ist in der Partei „Alternative für Deutschland“ aktiv – die als nationalkonservativ und rechtspopulistisch gilt.

Sogar ein Gesicht, das RTL-Zuschauern bekannt sein dürfte, hat mit „Umwelt & Aktiv“ gesprochen: Dschungelcamp-Kandidat Rainer Langhans. Dem Kommunard, Autor und Schauspieler wurde schon früher vorgeworfen, durch ein Interview mit dem rechtsextremen Magazin „Zuerst!“ die Verbeitung von rechtem Gedankengut über die Szene hinaus zu ermöglichen.

Brücken bauen zu umweltbewussten Personen

Durch die Themen und Gesprächspartner ist „Umwelt & Aktiv“ nicht ausschließlich oder offensichtlich an ein rechtes Publikum gerichtet.

Und tatsächlich: Das Magazin will laut eigener Aussage einerseits „das Thema Naturschutz wieder zurück in nationalkonservative Hände legen“ und andererseits „Brücken zu jenen umweltbewußten Personen bauen, die sich heute noch selbst eher dem ‚linken‘ Spektrum zuordnen würden.“

Das Ziel: Verbreitung rechtsradikaler Ansichten über den Umweltschutz.

Braunes Gedankengut grün gekleidet

Dabei zielt Natur- und Umweltschutz aus Sicht der Rechtsradikalen auf den Schutz des germanischen Lebensraums ab – auf den Schutz des Landes, von dem Rechtsextreme denken, es wäre anderen Kulturen und Lebensformen überlegen.

Dass die rechte Szene mit grünen Ideen und Forderungen auf Stimmen- und Mitgliederfang geht, wurde auch auf politischer Ebene erkannt. Die Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz hat eine Broschüre herausgegeben. Sie gibt Tipps, wie man die Braunen hinter dem vermeintlich grünen Engangement erkennen kann – und kritische Nachfragen und Gegenargumente findet, damit rechtes Gedankengut im Umweltschutz keine Chance hat.

Auch wenn Umwelt-, Natur- und Tierschutz sich zunächst gut anhört: Manchmal lohnt es sich genauer hinzuschauen, wer hinter dem Engagement steckt – denn Nachhaltigkeit ist grün und nicht braun.

 

Credits: Scheiße am Boden I / Shit on the ground I © Daniel Ullrich, Lizenz: CC BY-SA 2.0

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