Biokunststoff – (k)eine Alternative?

Könnt ihr euch vorstellen, wie viel 5,45 Millionen Tonnen sind? Das entspricht etwa 18.000 Jumbojets, knapp 100.000 Elefanten oder 26.000-mal dem Gewicht der Freiheitsstatue. So viel Tonnen Kunststoffabfall gab es 2011 in Deutschland. Eine Alternative zum umweltschädlichen Plastik aus Erdöl schien Biokunststoff zu sein. Doch manche sehen ihn als ein noch viel größeres Problem.

Biokunststoff – das klingt erst einmal gut: herstellbar aus nachwachsenden Rohstoffen und biologisch abbaubar. Neben Zellulose und Zucker ist Stärke eine wichtige Basis für den Biokunststoff.

Kartoffeln, Mais und Weizen sind Hauptlieferanten für Stärke und dementsprechend beliebt für den Anbau. „Damit werden Ackerflächen belegt, auf denen Nahrungsmittel gepflanzt werden könnten“, so Dipl.-Ing. Thomas Wodke, stellvertretender Abteilungsleiter Biobasierte Kunststoffe beim Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT. „Zudem kann extensive Landwirtschaft mit Monokulturen zum Beispiel durch den Einsatz von Düngemittel zu Umweltbelastungen, wie Versauerung von Gewässern und Überdüngung von Böden führen.“ In der Herstellung sind biobasierte Kunststoffe also nicht unumstritten.

Entsorgung von Biokunststoffen bleibt schwierig

Immerhin: CO2-Ausstoß und Erdölverbrauch fallen im Vergleich zu herkömmlichem Plastik geringer aus: Beim Kompostieren von Bioplastik wird nur so viel des klimaschädlichen CO2 freigesetzt, wie die Pflanze aufgenommen hat, aus der der Kunststoff hergestellt wurde.

Allerdings erweist sich die Entsorgung von Biokunststoffen in der Praxis noch als schwierig. In herkömmlichen Kompostieranlagen reicht die Verweilzeit von sechs bis acht Wochen nicht aus – die Verpackungen verrotten aufgrund ihrer Materialstärke nur sehr langsam oder gar nicht.

Einkaufschips aus Biokunststoff

Recycling muss erste Verwertungsoption sein

Neben der schlechten Verrottung mindern Biokunststoffe aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung die Qualität der Recyclate, so Dr. Thomas Probst, Kunststoffexperte vom bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe. „Am Ende bleibt dann oft nur noch der Weg in die Müllverbrennung und das ist sicher nicht im Sinne des Umweltschutzes.“ Es dürfe bei Biokunststoff keinen „Etikettenschwindel“ geben. „Für alle Kunststoffarten muss die gleiche Messlatte gelten: Das Recycling, nicht die Verbrennung, muss die erste Verwertungsoption sein.“

In der Wertstoffsammlung ist die Menge von Biokunststoff in Deutschland allerdings noch zu gering, um unter wirtschaftlichen Aspekten ein Recycling durchzuführen. 2009 betrug der Marktanteil von Verpackungen aus Bioplastik in Deutschland maximal 0,5 Prozent. Der Anteil wird bis 2015 voraussichtlich auf zwei Prozent steigen.

Für beide Arten von Plastik, biobasiert oder herkömmlich, gilt: Ein Abbau und eine Wiederverwertung müssen gewährleistet sein. Solange dies nicht der Fall ist, muss der Verbraucher sich nach anderen Lösungen im Umgang mit Plastik umsehen. Der Umwelt zuliebe!

Lösung: den Plastikwahn eindämmen

Denn ob Kunststoffe aus Erdöl oder Biokunststoffe zu bevorzugen sind, ist derzeit noch eine rein gesellschaftliche oder persönliche Entscheidung. In manchen Punkten schneiden die biobasierten Kunststoffe besser ab, in anderen schlechter als die fossil basierten Kunststoffe.

Eine Lösung zum Schutz der Umwelt: den Plastikwahn im Alltag allgemein eindämmen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Tipps zusammengestellt.

Wie vermeidet ihr Plastik im Alltag?
Verwendet ihr keine Plastiktüten oder ist euch das zu anstrengend?

 

Credits:
„Plastik Abfall“ © Thomas Kohler, Lizenz: CC BY-SA 2.0;„einkaufchips-aus-bio-kunststoff“ © Green Promotion, Lizenz: CC BY 2.0

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