Bio-Plastiktüten: Das kleinere Übel?

Woman hold the plastic bags and walk on the street in the park

Aus Maisstärke gefertigt und 100% recyclebar sind Bio-Plastiktüten. Nachwachsende Rohstoffe statt Erdöl, so lautet die Devise. Ist doch super. Oder?

Im Jahr verbraucht der/die Durchschnittsdeutsche 71 Plastiktüten. Das ist, im Vergleich zum Rest Europas übrigens richtig wenig. Jeder, der schonmal in Frankreich oder Spanien war, weiß, wie man dort im Supermarkt die Plastiktüten hinterhergeworfen bekommt.

Portugal ist laut dpa trauriger Spitzenreiter mit über 500 Plastiktüten pro Kopf. In einem Jahr! Fünfhundert Plastiktüten! Und zwar nur Plastiktüten. Nicht Verpackungsmaterial! Kann man sich ja vorstellen, wieviel Plastik dann insgesamt pro Kopf tagtäglich weggeworfen wird.

Mit der Bio-Plastiktüte wollte man dem entgegenwirken. Die wird nämlich aus Maisstärke hergestellt und ist somit abbaubar – leider aber wohl doch nicht ganz, warnt das Umweltbundesamt (UBA). Die Öko-Bilanzen für Papiertüten sowie für Bio-Plastiktüten zeigen keine eindeutigen Vorteile gegenüber herkömmlichen Plastiktüten.

Das UBA warnt auch deshalb vor Bio-Plastiktüten, weil irrtümlicherweise geglaubt wird, dass diese einfach in der Natur entsorgt werden können. Das sei  sogar kontraproduktiv.

Das Heidelberger ifeu-Institut fand in einer Studie für das Umweltbundesamt heraus, dass durch den Anbau und die Verarbeitung von Pflanzen für Bio-Plastik-Verpackungen Böden versauern und Gewässer eutrophieren (Eutrophierung ist die unerwünschte Zunahme an Nährstoffen im Wasser). Und zwar stärker als durch die Herstellung von herkömmlichen Kunststoffverpackungen. Die Feinstaubemissionen, die entstehen sind zudem auch noch höher.

Unterm Strich bedeutet dies, dass Tüten und Verpackungen auf der Basis von Biokunststoffen trotz günstigerer Klimabilanz keine Umweltvorteile haben. Dies bestätigt auch das UBA.

Wo die Bioplastiktüte allerdings was bringen könnte, ist bei der Entsorgung von Küchenabfällen und Essensresten. Oft wird die Biotonne nicht genutzt, weil die Verbraucher und Verbraucherinnen sich ekeln, Biomüll sparat in einer Tonne aufzubewahren.

Die Bio-Plastiktüte würde eine Möglichkeit bieten, den Müll wie in einer normalen Mülltüte zu sammeln und dann zu entsorgen. Wenn dies zu einem Anstieg der Nutzung der Biotonne führen würde, könnte die Bio-Plastiktüte ja doch noch was Gutes tun.

Aber: Ob Plastik, oder Bio-Plastik: Alle Tüten müssen im Kompostierwerk aussortiert werden. Auch Bio-Plastiktüten. Es würde also nur darum gehen, dass mehr Leute kompostieren würden. Nicht, dass die Tüte mit kompostierbar ist. Sie braucht nämlich viel länger zum Zersetzen.

Im Beitrag von ZEIT-Wissen wird das erklärt:

Credits: Titelbild: © patpitchaya / Adobe Stock

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1 Comment

  • Wenn die Industrie sich da mal ein bischen anstrengen würde, kann das doch eigentlich nicht so schwer sein, bei der heutigen Technologie eine Art Soll-Bruch-Stelle in Bio-Plastik unterzubringen. Also irgendeine biochemische Verbindung, die entweder bei UV Strahlung beschleunigt zerfällt, bei Minus-Temperaturen zerbröselt, oder im Salzwasser der Ozeane zerfällt. Wäre ja schon was gewonnen, wenn sich so ein Tüte in 5 Monaten statt in Jahrtausenden in für die Natur unbedenkliche Kleinteile auflöst und nicht Plastik Inseln durch den Pazifik schwimmen

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