Bantam! Mit Öko-Mais gegen Hybridpflanzen

Hybrid- und Gentechnik-Pflanzen bedrohen die Artenvielfalt und den Bio-Anbau, vergiften Böden und Gewässer, fördern Unfruchtbarkeit und Armut. Mit Bantam-Mais können wir etwas dagegen tun.

Hybride sind Pflanzen, die sich selbst befruchten. Aus möglichst verschiedenen Elternlinien werden durch weitere Kreuzungen Eigenschaften wie Widerstandsfähigkeit, Größe, Farbe oder Form in einer Pflanze vereint. Sie bildet in der nächsten Generation Hybridsamen (F1), welche durch synthetische Düngemittel und Pestizide zu Hochleistungspflanzen heranwachsen mit einem viel höheren Ertrag, bei Mais bis zu 600 %. Für die Nachfolgegeneration gilt das nicht mehr, deshalb muss jährlich neues Saatgut gekauft werden.

Bei den samenfesten Sorten ist die Erntemenge weitaus geringer, die Samen dienen jedoch im Folgejahr als Saatgut, da die Ertragsmenge gleich bleibt. Auch gentechnisch veränderte Pflanzen sind Hybride. Sie werden jedoch von der großen Mehrheit der europäischen Bevölkerung abgelehnt, denn Gen-Mais wie MON 810 enthalten Schädlingsgifte, die Böden und Gewässer verseuchen und Unfruchtbarkeit fördern.

Großkonzerne streben Saatgut-Monopol an

Agrarunternehmen wie Monsanto, Syngenta und Bayer haben vor, sich durch Hybridpflanzen Monopole zu sichern mit dem Endziel, weltweit den gesamten Saatgutmarkt zu beherrschen. Schon heute besteht der größte Teil des Gemüses aus Hybridpflanzen. Dadurch verschwinden immer mehr Arten und gentechnikfreie Landwirtschaft ist durch zunehmende Verunreinigungen gefährdet. Die Bauern werden abhängig von den Großkonzernen, was besonders in den armen Ländern zum finanziellen Ruin führt, während die Großkonzerne satte Gewinne machen.

Die Aktion Bantam!

Die neue europäische Saatgutverordnung wurde zwar gerade durch eine Protestaktion vorerst verhindert, doch werden die Großkonzerne so schnell nicht aufgeben. Wenn wir alle mit vielfältigen Aktionen zeigen, dass wir weder Hybridpflanzen noch Gentechnik wollen, können wir die weitere Ausbreitung verhindern.
Die internationale Initiative „Save our Seeds“, 2002 gegründet, um gentechnikfreies Saatgut zu schützen und die Artenvielfalt zu erhalten, hat 2006 das Aktionsbündnis Bantam! initiiert. Die namensgebende samenfeste Süßmaissorte „Golden Bantam“ ist bereits seit 1902 im Anbau. Als Ausdruck des Protestes und zur Förderung gentechnisch freier Zonen findet sie sich auf Zehntausenden Balkonen, Gärten und Äckern.

Denn wer Bio-Mais anbaut, hat das Recht, über Felder mit Gen-Mais in der Nachbarschaft informiert zu werden. Der Antrag lohnt sich allerdings nur, wenn der Mais großflächig angebaut oder zur Saatgutgewinnung verwendet wird. Trotzdem können wir Bantam-Mais ein Zeichen setzen. Meldet euren Anbaustandort an „Save our Seeds“, er wird dann in die Standortkarte eingetragen. 

Wer einen Garten oder eine große Terrasse hat, kann den Mais problemlos anbauen. Auch in Kindergärten, Schulen, Kirchengemeinden und Gemeinschaftsgärten gibt es Möglichkeiten für ein kleines Maisfeld. Auf dem Balkon ist der Anbau schwieriger, da die Pflanzen viel Platz benötigen. Aber es gibt inzwischen auch Leinsamen, Sonnenblumen, Zucchini, Kohlrabi und Tomaten.

Etwas anzubauen, sei es gemeinsam mit anderen oder auch nur im kleinen Rahmen, ist ein guter Ausgleich für lange Bürotage. Täglich zu sehen, wie die Pflanzen wachsen, für sie Sorge zu tragen und am Ende ein paar leckere Maiskolben zu ernten und gemeinsam zu essen macht nicht nur Kindern Spaß. Den Mais könnt ihr im September ernten, wenn ihr ausreichend Pflanzen habt, könnt ihr einige Kolben ausreifen lassen und die Maiskörner für den Anbau im nächsten Jahr trocknen.

So können wir alle mitwirken bei dem Kampf um den Erhalt der Artenvielfalt und gegen die Saatgut-Monopolisten. Und es macht auch noch Spaß. Eine ziemlich coole Aktion!

Monsanto, Syngeta und Co. werden sich weiterhin für die Saatgutverordnung einsetzen, die vorschreiben soll, dass nur noch Saatgut gehandelt werden darf, das ein aufwändiges amtliches Zulassungsverfahren durchlaufen hat. Da allerdings viele traditionelle Gemüsesorten sich gerade durch ihre natürlichen Unterschiede auszeichnen, hätten diese keine Chance auf eine Zulassung. Hybridsamen hingegen schon.

Credits: „Maispflanze“ von Mike Haller, Lizenz: CC BY 2.0

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