Bambus als Rohstoff

Bambuswald

Bambus dient schon seit einiger Zeit nicht mehr nur als reine Dekoration oder Mahlzeit, sondern gilt auch als beliebtes Ersatzmaterial anstelle von Holz oder Plastik. Man findet ihn in der Küche in Form von Geschirr, im Badezimmer als Zahnbürste, im Wohnzimmer als Brettspiel und im eigenen Kleiderschrank in der Kleidung. Bambus wird viel gelobt, aber auch oft kritisiert – und zwar nicht nur von Hobbygärtner*innen, die ihn verzweifelt aus ihren Beeten entfernen wollen. Welche Vor- und Nachteile Bambus hat, zeigen wir Dir hier.

Das Supergras Bambus

Zuerst einmal müssen wir klären, was Bambus überhaupt genau ist, denn oft wird er fälschlicherweise als Holz bezeichnet. In Wirklichkeit gehört Bambus nämlich zu den Süßgräsern und zwar zu den schnellst wachsenden überhaupt! Je nach Bambusart wächst er bis zu einem Meter pro Tag und übertrifft Bäume damit um ein Vielfaches. So erreicht Bambus schon früh seine volle Größe und kann dann geerntet und weiterverarbeitet werden. Zu seinen weiteren positiven Eigenschaften gehören seine Stabilität, Elastizität und Widerstandsfähigkeit gegenüber Bakterien und Pilzen. Pestizide finden daher ebenfalls keinen Einsatz. Außerdem kann Bambus viel CO2 speichern und hat eine sehr effiziente Wassernutzung. Auch in puncto Aussehen kann der Bambus überzeugen. So variantenreich die verschiedenen Bambusarten sind, so vielfältig sind auch die Maserungen. Bei der Verarbeitung entstehen daher immer wieder individuelle Muster.

Alle zuvor genannten Vorteile zeichnen Bambus als hervorragendes Baumaterial aus. In Asien ist er auch schon lange als solches bekannt. In Europa gewinnt Bambus zwar auch an Popularität, jedoch wird er hier eher für Möbel oder Haushaltsgegenstände verwendet. Auch hierfür ist er bestens geeignet, jedoch sollte man aufpassen, dass man nur Produkte aus reinem Bambus kauft. Besonders bei den beliebten Kaffeebechern ist nämlich häufig jede Menge Kunststoff beigemischt und auch in billigem Küchengeschirr wird oft gefährlicher Klebstoff verwendet, der sich bei höheren Temperaturen lösen und im menschlichen Organismus Schaden anrichten kann.

Nachhaltige Kleidung aus Bambus?

Auch in der Textilindustrie wird Bambus eingesetzt. Das Ergebnis: bequeme, seidige, atmungsaktive und knitterbeständige Kleidung, die zugleich für Allergiker bestens geeignet ist. Darüber hinaus ist Bambus vegan und biologisch abbaubar. Gegenüber der (Bio-)Baumwolle spart Bambus auch an Wasser ein – zumindest während der Wachstumsphase – und bringt höhere Erträge auf weniger Landfläche.

Leider gibt es aber auch bei dieser Verarbeitungsweise Nachteile. Der Grund dafür ist, dass Bambusfasern nicht direkt für die Herstellung von Kleidung benutzt werden können, sondern der Bambus erst durch ein aufwendiges chemisches Verfahren laufen muss. Von ihm ist daher auch nicht mehr wirklich viel übrig, wenn das Viskosegarn entstanden ist, aus dem letztlich die Kleidung gemacht wird. Während des Prozesses werden außerdem viele schädliche Chemikalien und große Mengen an Wasser benutzt. So ist der Vorteil gegenüber (Bio-)Baumwolle auch nicht mehr so groß. Betrachtet man noch die langen Transportwege von Asien nach Europa, so scheint Bambus doch eher eine schlechte Alternative zu sein.

Allerdings muss man auch sagen, dass Viskose nicht gleich Viskose ist. Bei der Herstellung werden natürliche Rohstoffe mit Chemikalien versetzt, was ihr den Namen halbsynthetische Faser (also weder ganz Kunstfaser noch ganz natürliche Faser) einbringt. Nun hängt es davon ab, welche Chemikalien in der Produktion verwendet werden. Es gibt nämlich auch schonende Verfahren, die die Umwelt nicht so stark belasten. Tencel Lyocell und Modal gehören dazu. Leider ist oftmals nicht ersichtlich, aus welchen Rohstoffen und mit welchem Verfahren die Viskose hergestellt wurde. Auch hier gibt es also noch großen Nachholbedarf in der Textilindustrie!

Fazit

Wie bei vielen Dingen kann man auch von Bambus nicht automatisch behaupten, dass er die optimale Lösung für alle Probleme ist. Ebenso sollte man ihn aber auch nicht direkt verteufeln. Wenn man sich ein bisschen näher mit der Thematik auseinandersetzt und keine Billigware kauft, hat Bambus uns nämlich eine Menge zu bieten.

Wer trotzdem lieber auf andere Alternativen bei der Kleidung zurückgreifen möchte, dem stehen Materialien von Bio-Baumwolle und Leinen bis hin zu recyceltem Polyester zur Verfügung. Allerdings gibt es auch hier Nachteile, die nicht zu vergessen sind. So verbraucht Baumwolle beim Anbau Unmengen an Wasser, Leinen knittern und halten nicht warm, und recyceltes Polyester ist nicht biologisch abbaubar. Das perfekte Material wurde wohl einfach noch nicht erfunden.

Das ist aber noch lange kein Grund, um den Kopf in den Sand zu stecken. Schließlich ist die Forschung noch lange nicht am Ende und wir alle können bereits jetzt durch bewussteren Konsum einen Beitrag für Mensch und Umwelt leisten, sei es durch Second-Hand-Shopping, das Kaufen umweltfreundlicher Kleidung mit Siegeln wie GOTS, FSC und der Mitgliedschaft bei der Fair Wear Foundation oder das Re- und Upcyclen. Es gibt viele Möglichkeiten – der Kauf von Kleidung und Gegenständen aus Bambus ist nur eine davon.

Was tust Du, um Deinen Alltag nachhaltiger zu gestalten?



Foto-Credits: ©timy/Adobe Stock, ©Ivan Kurmyshov/Adobe Stock, ©Tarzhanova/Adobe Stock

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